Kabarettist Christoph Sieber in Tönisvorst

Kabarettist Christoph Sieber in Tönisvorst : Christoph Sieber hält den Tönisvorstern den Spiegel vor

Der Kabarettist trat im Forum Corneliusfeld auf.

Diesmal sind es nicht die Politiker, auf die sonst so gern im Kabarett geschimpft wird. Diesmal ist es die Gesellschaft, sprich: Es sind die Menschen im Publikum, denen Kabarettist Christoph Sieber den Spiegel vorhält. Das kommt nicht immer gut an, schließlich ist es viel lustiger, über das Fehlverhalten der anderen zu lachen, als über das eigene. Und manch einer fühlt sich wohl auch ertappt, wenn der Mann auf der Bühne kritisch anmerkt, dass ein Geländewagen für die Wüste gebaut worden sei und nicht für eine Kleinstadt, wo die Spritschleudern unnötig die Luft verpesteten und Lärm machten.

So ist der Abend mit Christoph Sieber, zu dem der Stadtkulturbund Tönisvorst ins Forum eingeladen hatte, nicht nur lustig – aber auch. Der Kabarettist schafft es, eine gute Mischung aus kritischen Tönen, satirischen Einlagen und lustigen Geschichten in seinem Programm „Mensch bleiben“ unterzubringen. Und wenn die Stimmung dann doch mal im Keller ist, singt der 49-Jährige ein Liedchen und macht sich selbst zum Affen.

Dabei hilft ihm die Schauspielausbildung mit dem Schwerpunkt Pantomime, die der Mann aus Süddeutschland in den 1990er-Jahren an der renommierten Essener Folkwang-Hochschule absolviert hat. Vermutlich stammen auch daher die Jonglage-Künste, die Sieber eindrucksvoll mit drei Bällen vorführt, während er einen komplizierten Dialog in rasendem Sprechtempo vorträgt. Überhaupt ist der Abend abwechslungsreich: Humorvolle Geschichten, philosophischer Tiefgang, bittere Satire und pointierte Gesellschaftskritik wechseln sich mit Lyrik, Musik und Showeinlagen ab.

Sieber steht auf der Seite der „Fridays for Future“-Bewegung

Was vom Abend hängen bleibt, sind ein paar einprägsame Sprüche wie „Lieber faul als immer müde“, „App, App, App, fertig ist der Depp“, aber auch „Solidarität ist der höchste Wert der Humanität“ oder die Feststellung: „Im vergangenen Jahr gab es 26 000 Terror-Tote, aber jährlich sterben 180 000 Menschen an übermäßigem Konsum von Süßgetränken.“ Wir sollten also, folgert Sieber, mehr Angst von Cola und Limo haben als vor Terroristen.

Eindeutig Stellung bezieht Sieber zur „Fridays for future“-Bewegung: „Es ist wichtig, dass die Schüler zur Schulzeit streiken. Es ist der Sinn von Protest, dass er den Ablauf stört.“ Außerdem hätten die Schüler die Pflicht zu demonstrieren, denn die Gesellschaft sei dabei, den Planeten nachhaltig zu zerstören – und das, „obwohl wir doch immer nur das Beste für unsere Kinder wollen“, wie Sieber sarkastisch anmerkt.

Zum Abschluss der aktuellen Spielzeit gibt es ein Mitsingkonzert. Am 24. Mai, 20 Uhr, heißt es im Forum Corneliusfeld: „Frau Höpker bittet zum Gesang“.

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