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Jugendamt an der Benrader Straße: Vor-Ort-Hilfe für Familien

Jugendamt an der Benrader Straße: Vor-Ort-Hilfe für Familien

Neun Mitarbeiter haben nun 200 Quadratmeter an der Benrader Straße zur Verfügung.

St. Tönis. Die Zeiten des Jugendamtes an der Kaiserstraße sind vorbei. Dort hatte der Kreis Viersen rund 20 Jahre lang seine Räume. Seit dem 1. Dezember ist das Amt an der Benrader Straße 9 zu finden, über dem früheren Lebensmittelmarkt in der Nähe des Schluff-Bahnhofs. Rund 200 Quadratmeter stehen den neun Mitarbeitern zur Verfügung und es gibt einen großen Besprechungsraum.

„Das ist wichtig, wir haben jeden Dienstag Teamsitzung“, sagt Doris Franzen. Sie ist seit 15 Jahren beim Jugendamt, seit neun Jahren beim Allgemeinen Sozialen Dienst (ASD). Dieser Aufgabenbereich ist mit vier Mitarbeitern besetzt. „Wir sind die erste Anlaufstelle, wenn es um Kindeswohlgefährung geht“, sagt sie über den Kern ihrer Beschäftigung. „Und wir sind den ganzen Tag über ansprechbar.“ Viele Menschen kommen direkt im Büro vorbei. Meldungen von Nachbarn, Polizei und aufmerksamen Bürgern nähmen ständig zu.

Was Doris Franzen dann zu sehen bekommt, ist oft sehr belastend. Denn auch in St. Tönis oder Vorst, in scheinbar ländlicher Idylle, gibt es Messies, Eltern, die ihre Kinder schlagen oder vernachlässigen und sogar verwahrlosen lassen. „Die Fälle werden intensiver und härter“, sagt sie. „Die Familiensysteme sind komplizierter geworden“, sagt ihre Kollegin Angelika Bongartz von der sozialpädagogischen Familienhilfe SPFH. „Wir haben viel mit den Folgen von psychischen Erkrankungen und Armut zu tun“, sagt sie.

Bongarz ist diejenige, die die Familien besucht und mit ihnen erarbeitet, wie die Hilfe vom Jugendamt aussehen kann. „Das läuft meist auf eine langfristige Beratung und Betreuung hinaus.“ Die Fälle werden im Team besprochen. „Wir müssen uns unser Tun und unser Vorgehen absichern lassen“, sagt Franzen. „Das dient auch unserer eigenen Entlastung und Psychohygiene.“

Am Anfang steht eine eine Analyse der Familiensituation, bei der man nach den Ursachen für die Probleme sucht. „Das können Ehe- oder Trennungsprobleme sein, finanzielle oder Erziehungsprobleme“, sagt Franzen. Die können zu Verhaltensauffälligkeiten, Schulproblemen bis zur Straffälligkeit führen. „Wir erarbeiten ein individuelles Hilfsangebot“, sagt Bongartz. Ein Kollege von der Jugendgerichtshilfe hat sein Büro im gleichen Gebäude. „Wenn wir sehen, dass es sich um einfach strukturierte Familien handelt, muss das Hilfsangebot dem angepasst sein.