Jazz und Handwerk im Schlosspark Neersen

Am Wochenende im Park von Schloss Neersen : Zwischen Musik und Unikaten

Die 28. Auflage von „Jazz und Handwerk“ lockte viele Besucher zum Schloss Neersen.

„Kerzen ziehen für Kinder“ verkündet das Schild neben dem Stand der Imkerei van den Bongard. Allerdings sind die „Kinder“, die gerade bei Mitarbeiterin Steffi Dünger stehen, schon etwas größer. „Ich habe das noch nie gemacht und es ist einfach schön zu sehen, wie die Kerze entsteht“, sagt die 25-jährige Alexandra und taucht langsam ihre Kerze in das 72 Grad warme Bienenwachsbad, das vor ihr steht. „Allein der Geruch ist einmalig“, schwärmt Adrian. Der 29-Jährige ist ebenfalls mit der Kerzenherstellung beschäftigt, wobei „Kerzen ziehen hier eigentlich der falsche Begriff ist. Wir sprechen von auftauchen“, erklärt Steffi Dünger. Rund 15 Mal wird mit kurzen Pausen, in denen die neue Wachsschicht trocknet, damit die nächste halten kann, aufgetaucht.

Der aromatische Geruch hält sich auch neben dem Wachsbad. „Johanns heiße Pfote“ ist die Ursache. Johannes van den Bongard serviert eine Kombination aus warmen Honiglikör, Sahnehaube und einem Hauch von Chili. „Köstlich“, lautet die Meinung der Besucher an seinem Stand. In edlen Porzellansuppentassen mit Löwenköpfen serviert indes Thomas Henkelmann aus seinem rot-weißen Citroen HY heraus seine Spargelcremesuppe. Auf der Theke lädt dazu französisches Brot zum Probieren ein und als Nachtisch gibt es Erdbeeren mit Minze.

Die Handwerkskunst lässt die Zuschauer staunen

Die Besucher genießen beim Essen Nostalgie pur, während das Becky Becker Quartett auf der direkt gegenüberliegenden Bühne mit schwungvollen Jazztönen begeistert. „Jazz und Handwerk“ ist auf dem Schloss Neersen eingezogen. Organisiert von der Kaufmannschaft Neersen sind zahlreiche Kunsthandwerker, exquisite kulinarische Angebote und neben dem Becky Becker Quartett die musikalischen Formationen „Streusalz“, Stefan Thielen sowie die „Groove Big Band“ anzutreffen. Mit Musikbegleitung schlendern die Besucher an den vielseitigen Ständen mit Keramik, Lederwaren, Floristik, Schmuck, Holz, Handpuppen, Metallhandwerk und Filzarbeiten vorbei und bestaunen so manchen Kunsthandwerker bei der Arbeit.

Wie ihr Drahtschmuck entsteht, zeigt so Gabi Peters, die aus der Südeifel angereiste Schmuckdesignerin. Unter ihren geschickten Händen entsteht eine Struktur, die wie gestrickt aussieht. Sie strickt aber nicht nur mit dem Draht, sondern häkelt auch damit. Ihre filigranen Ringe, Armbänder und Halsbänder sind Hingucker.

Das Filzsparschwein mit Reisverschluss, die in der Sonne blitzenden Metallwindspiele, die gefilzten Sofakissen mit Einlegern aus Fell, die handgefertigten Patchworkmützen aus Berlin, die Glasspringbrunnen, über die das Wasser in eine Glasschale plätschert – zu sehen gibt es reichlich. Ein Hingucker sind die Handyladestationen aus Holzscheiben, die Helmut Meyer konstruiert hat. Aus der Scheibe ragt in einer Kerbe der USB-Anschluss hervor.

„Jedes ist ein Unikat und aus heimischen Hölzern gearbeitet. Das gilt für alle meine Arbeiten“, sagt der Eifeltischler, der unter anderem Holzbänke, einen gewaltigen Tisch und Schrankmöbel mitgebracht hat. Dazu kommen die kleineren Werke wie aus Holzstämmen gearbeitete Vasen, Osterhasen und Brettchen.

Im Schlosskeller zieht ein gleichmäßiges Surren indes die Besucher an. Margit Klammer sitzt an der Gravurwerkbank. Das Diamanträdchen, begleitet von einem ständigen leichten Wasserfluss, frisst sich in das Glas in ihren Händen. „Das Wasser kühlt und eliminiert den Schleifstaub“, informiert die Glasveredlermeisterin, während die Zuschauer ihre Arbeit bewundern. Staunen ist bei „Jazz und Handwerk“ immer wieder aufs Neue angesagt.

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