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Ingenieurbüro Klinkhammer aus St. Tönis wird 50 Jahre alt

Ingenieurbüro Klinkhammer aus St. Tönis wird 50 Jahre alt : Speziallisten für Wärmepumpen

Wärmepumpen bieten sich gerade am Niederrhein an, sagen die beiden Ingenieure Gerhard und Thomas Klinkhammer. Denn hier gibt es mit die besten Effizienzwerte in Deutschland. Grund ist die Wasserscheide zwischen Rhein und Maas.

Eines der wichtigsten Themen der heutigen Zeit ist die Energiekrise. Nicht erst seit Putins Überfall auf die Ukraine und den damit verbundenen Bedrohungen für den Gasmarkt ist das Thema Dämmen, Heizen und Energiesparen in der gesellschaftlichen Diskussion angekommen. Für Gerhard Klinkhammer und seinen Sohn Thomas ist das ein alter Hut. Schon seit vielen Jahren bietet ihr Ingenieurbüro, das am Montag, 4. Juli, sein 50. Jubiläum feiert, Heizungsanlagen über Wärmepumpen, aber auch integrierte Systeme inklusive Klimatisierung und Lüftungssysteme an.

„Ich habe 1996 meine Diplomarbeit über Wärmepumpen geschrieben. Damals habe ich auf Tagungen noch gehört ‚Das ist Quatsch, viel zu ineffizient. Das setzt sich nie durch‘. Heute ist es im Prinzip state of the art. Wir haben heute natürlich viel effizientere Systeme als damals, indem wir bessere Kühlmittel benutzen. Aber das Prinzip ist immer noch das Gleiche“, erläutert Thomas, der am 3. Februar 2011 das Geschäft offiziell von seinem Vater übernahm. Der hatte das Büro mit heute vier Mitarbeitern im Jahr 1972, genau am 3. Juli, gegründet. „Damals waren wir noch in Krefeld am Frankenring. Erst 1981 sind wir an die Gelderner Straße in St. Tönis gezogen. Dort hatten wir dann Büro und Wohnen in einem Haus“, erzählt der heute 83-Jährige.

Wärmepumpen als optimale Lösung am Niederrhein

Generell bietet das Büro viele Servicearbeiten zum Thema Bau an. „Wir machen Planung, Absprachen zwischen Bauherr und Generalunternehmer, Berechnungen und Beratung, eigentlich eher für Großprojekte. Heute kommen auch immer mehr Häuslebauer zu uns, wenn sie beispielsweise den Einbau einer Lüftungsanlage planen, oder eben ihre Heizung konzipieren wollen. Früher haben das direkt die Handwerker gemacht. Aber die sind heute so ausgelastet, dass sie für Angebote kaum noch Zeit haben“, sagt Thomas Klinkhammer. Der 54 Jahre alte Firmeninhaber sieht aber seine größte Kompetenz eben im Bereich der Wärmepumpen.

„Wir haben heute Systeme, die beispielsweise auch Heizung und Klimatisierung verbinden. Wir haben beispielsweise hier im Büro so ein System. Die Fußbodenheizung dient im Sommer der Kühlung. Wir leiten die Wärme in den Boden ab. So erreichen wir eine Kühlleistung von ungefähr vier Grad Kelvin“, erläutert er. Wäre es also an heißen Tagen 28 Grad im Büro, so bleiben mit der Kühlung eben nur deren 24 über. „Das System lässt sich auch noch effizienter machen. Das geht dann aber nur über Kühlkassetten. Die nutzen wir beispielsweise in Besprechungsräumen für Unternehmen. Hier kommen wir auf bis zu sieben Kelvin“, erläutert Thomas Klinkhammer.

Wärmepumpen seien speziell am Niederrhein eine optimale Lösung. „Gerade hier haben wir mit die höchsten Effizienzwerte in ganz Deutschland. Wir liegen auf der Wasserscheide zwischen Rhein und Maas. Kempen ist da wirklich genau die Scheide. Von dort fällt das Wasser nach beiden Seiten zu den beiden Flüssen ab. Wir haben hier zwei Grundwasserspiegel. Einer je nach Gegend zwischen zwei und sieben Metern. Der zweite sogenannte Grundwasserhorizont liegt hier typisch zwischen 20 und 30 Metern Tiefe. Damit liegen wir hier auf einer Entzugsleistung von 61 Watt pro Meter. Damit können wir mit wenigen Dutzend Metern Bohrung gute Ergebnisse erzielen. Das ist einer der besten Werte in ganz Deutschland“, erläutert der Experte.

Das gehe auch ganz anders. „Im Ruhrgebiet muss man streckenweise um die 120 Meter bohren. Das ist teuer, zumal der Grund dort felsig ist. Hier sind es sandige und kiesige Böden. Auch das steigert die Kosteneffizienz“, sagt er. Es gebe aber durchaus auch Gegenden, in denen Wärmepumpen gar nicht möglich sind – zumindest nicht in Form von Solewasserpumpen. „Rund um den Tagebau Gartzweiler beispielsweise wird das Grundwasser auf bis zu 300 Meter Tiefe abgepumpt. Dort sind nur Luft-Wärmepumpen möglich. Gleiches gilt für Wasserschutzgebiete, wo Bohrungen nicht zulässig sind“, erläutert er weiter.

Die Technologie sei, so sagt er, die perfekte Antwort auf die aktuellen Krisen wie Inflation und Energiekrise. „Wir hatten einen Fall, in dem wir einem Unternehmen, das zwei ansonsten baugleiche Gebäude hatte, eine Anlage mit Wärmepumpe inklusive Kühlung konzipiert und eine Amortisation von zweieinhalb Jahren errechnet hatten. Nach eineinhalb Jahren rief mich der Finanzchef an und sagte: ,Sie haben uns falsch beraten. Sie sagten zweieinhalb Jahre – aber wir haben die Amortisation schon nach eineinhalb Jahren erreicht‘. Das hat mich natürlich sehr gefreut“, sagt er lachend.

Doch trotz dieser Tatsache seien die Geschäfte derzeit nicht gut. „Obwohl gerade in der Krise Wärmepumpen der beste Weg wären, scheuen die Leute von Investments zurück. Hier muss sich die Erkenntnis noch wirklich durchsetzen“, sagt Klinkhammer. Einen Beitrag dazu will das Unternehmen leisten.