Ina Bartmann leitet den technischen Fachbereich der Stadt Tönisvorst

Neue Leiterin des technischen Fachbereichs in Tönisvorst : Die Neue ist „eine Macherin“

Qualifiziert, ambitioniert und erfahren: Ina Bartmann (53) will  Tönisvorsts Stadtentwicklung voranbringen.

Sie ist nicht der Typ, der Luftschlösser baut. Sie analysiert, konzipiert, will klare Strukturen, um Mögliches zu bewegen und voranzubringen. „Ich bin eine Macherin“, sagt Dr. Ina Bartman über sich selbst. Wie die 53-Jährige das sagt, klingt es nicht die Spur nach Selbstüberschätzung, vielmehr nach Selbstbewusstsein, gepaart mit Tatendrang. Den wird sie auch brauchen. Denn ihre To-do-Liste für Tönisvorst ist lang. Ein neuer zentraler Verwaltungsneubau steht ganz oben.

Dass diese Frau Freude an ihren Berufen hat, nimmt man ihr sofort ab. Sie betont, wie wichtig ihr Teamarbeit und Kommunikation sind. Gleichzeitig bleibt nicht verborgen, dass sie sich nicht die Butter vom Brot nehmen lässt. Tönisvorsts Verwaltungsvorstand hat eine zupackende neue Fachbereichsleiterin: Die Diplom-Bauingenieurin und Architektin Ina Bartmann leitet seit dem 2. Januar den technischen Fachbereich der Stadt Tönisvorst. Sie ist damit zuständig für Stadtplanung, Immobilienmanagement, Hoch- und Tiefbau und Friedhofswesen – „alles, was eine Stadt ausmacht“.

Ihre Vision für ein Tönisvorst und für seine Bürger in zehn Jahren ist ein Dreiklang im Einklang: wohnen, leben, arbeiten. „Das will ich als bürgernahe Stadtentwicklung im positiven Sinn unter einen Hut bekommen.“ Sie möchte Tönisvorst, das städtisch und ländlich zugleich geprägt sei, den Stempel „lebenswerte Stadt“ aufdrücken. Bartmann geht gleichzeitig nicht in eine Abwehrhaltung, wenn es um Bevölkerungswachstum geht: „Tönisvorst kann auch 35 000 Einwohner vertragen.“

Den demographischen Wandel hat sie im Blick, will junge Bürger halten und locken, dabei die Bedürfnisse anderer Altersklassen und anderer Lebensmodelle im Blick halten. Das ist ihr Ansatz und Einstieg in das Stadtentwicklungskonzept 2035. Inhaltliche Leitlinien werden im Dialog zwischen Verwaltung, Politik und Bürgern ausgelotet.

Ina Bartmann ist Chefin von 45 Mitarbeitern. Jeden einzelnen möchte sie kennenlernen. Dreiviertel der Gespräche hat sie bereits geführt.

 Geboren in Sachsen bei Dresden, aufgewachsen in der Niederlausitz, Studium in Cottbus – die ersten Lebensjahrzehnte hat Ina Bartmann in der DDR verbracht. Vor der Grenzöffnung siedelte sie mit ihrem Mann in den Westen über. Das Paar hat zwei Töchter, 26 und 29 Jahre alt, und lebt in Viersen.

Gegen ein Dutzend Mitbewerber auf die Stelle in Tönisvorst hat sie sich durchgesetzt. „Ich bin aber keine Quotenfrau“, sagt sie und erklärt, was ihr an der Ausschreibung der Stelle in dieser 30 000-Einwohner-Stadt gereizt hat: „Das hier ist alles aus einer Feder.“ Genau das ist für sie die Herausforderung, genau das knüpft an das angehäufte Know-how auf ihrem beruflichen Lebensweg an.

Sie ist erst zwei Monate in der Stadtverwaltung, spricht aber über etliche Projekte schon, als habe sie sie von Anfang an begleitet: Das Senioren-gerechte Wohnprojekt der AWG an der Schelthofer Straße. Das familiengerechte Wohnen in Vorst-Nord. Das Schaffen neuer Baugebiete, vor allem durch die Verdichtung der Innenstadt, um Flächen, die die Stadt nicht in Hülle und Fülle zur Verfügung hat, zu schonen. Jüngstes Beispiel ist das Baugebiet van-Sahr-Straße in St. Tönis hinter dem Friedhof. Haus Brempt in Vorst kommt bald, das mittlere bis gehobene Wohnen „ortsnah und im Grünen“.

Im Moment reicht eine 40-Stunden-Woche nicht aus. Zeit fürs Lesen oder Tanzen bleibt kaum. Aber Ina Bartmann vermisst zurzeit nichts. Solange sie bewegen kann. In Tönisvorst, das hat sie schon herausgefunden, kann sie ihr Erfahrungsspektrum, das „sehr, sehr frei gefächert ist“, anwenden. Baustellen haben sie offenbar noch nie abgeschreckt.

Mehr von Westdeutsche Zeitung