In St. Tönis sucht Handarbeiten-Geschäft Nachfolger

St. Tönis : Handarbeiten Ziegler ist auf Nachfolge-Suche

Seit 40 Jahren betreibt Doris Technau das Traditionsgeschäft in St. Tönis. Ende des Jahres will sich die 75-Jährige in den Ruhestand verabschieden.

Die Straßenlaterne vor dem Haus Nummer 3 an der Krefelder Straße trägt eine bunt-gestrickte Stulpe. Der Standort ist kein Zufall, befindet sich doch direkt dahinter das Ladenlokal von Handarbeiten Ziegler. Es zählt zu den Traditionsgeschäften in St. Tönis: In diesem Jahr kann es auf 85 Jahre zurückblicken. Gegründet wurde es von Agnes Ziegler am Alten Markt. Später zog der Laden zur Hochstraße um. Seit Ende der 50er Jahre ist das Geschäft an der Krefelder Straße zu finden, wo heute die Vorfahrt „abknickt“ und die Sparkasse und der Rewe-Markt nur wenige Schritte entfernt sind. Zur Hochstraße, der „Einkaufsmeile“, sind es vielleicht 20 Schritte. Kurz: Die Lage ist nicht die schlechteste.

Doris Technau ist seit 40 Jahren selbstständig im Geschäft

1969 begann Doris Technau, ihrer Mutter im Geschäft zu helfen. 1978 übernahm sie den Laden offiziell, konnte also kürzlich 40 Jahre Selbstständigkeit feiern. Kunden kommen nicht nur aus Tönisvorst, sondern auch aus dem nahen Krefeld sowie aus anderen Kommunen des Kreises Viersen. Doch nun ist die Zukunft des Ladens ungewiss. Doris Technau ist 75 Jahre alt und möchte mit ihrem Mann Jürgen, früher als Lehrer tätig, den wohlverdienten Ruhestand genießen. Ursprünglich sollte Tochter Andrea das Geschäft fortführen. Aber: Die familieninterne Nachfolge hat sich kurzfristig zerschlagen. Andrea Haase-Technau hilft noch bis Ende des Jahres aus, dann ist Schluss. Auch ihre Mutter würde gerne zu Silvester aufhören. Aus diesem Grund gibt es derzeit auch Sonderangebote. Es bleiben nur wenige Wochen, um eine Nachfolgerin zu finden.

Es gibt sogar einige
Männer, die sticken

Die Einzelhändlerin verwendet im Gespräch meist die weibliche Form, denn ein Mann hinter der Ladentheke wäre ihrer Aussage nach in dieser Branche eine kleine Sensation. Männliche Kunden hingegen gibt es durchaus. „Wir haben einige Männer, die sticken“, erzählt Doris Technau. Einen „Strick-Mann“ sucht man derzeit vergebens.

So handarbeiten die Herren gegen den allgemeinen Trend. Denn: „Mal war Sticken aktuell, dann Patchwork, momentan ist Stricken wieder angesagt“, so die Fachfrau. Auch jüngere Frauen kämen dafür zu ihr. Entsprechend liegt ihr Fokus beim aktuellen Sortiment auf der Wolle. Die künftige Ausrichtung des Ladens würde sie aber ihrer Nachfolgerin überlassen. Um Handarbeit sollte es aber weiterhin gehen. „Was sich meiner Meinung nach anbieten würde, wäre eine Erweiterung der Kurzwaren.“ Nadeln, Reißverschlüssen, Knöpfen etc. würden verstärkt nachgefragt.

Wirtschaftsförderer steht
mit Rat und Tat zur Seite

Das Ladenlokal wurde 2004/2005 zuletzt renoviert und vergrößert. Es bietet etwa 70 Quadratmeter plus ein Lager im Keller. Die Immobilie befindet sich in Familienbesitz, Doris Technau sucht also auch Nachmieter – ab 1. Januar wäre ideal, spätere Termine wären aber möglich. Der bloße Wunsch, es mal mit einem Handarbeitsgeschäft zu versuchen, ist nach Meinung der scheidenden Einzelhändlerin zu wenig. „Der kaufmännische Hintergrund sollte vorhanden sein.“ Im Idealfall weiß der- und diejenige auch, was Selbstständigkeit bedeutet. Und: „Man sollte Handarbeitswissen haben.“ Die Aussage „Ich stricke gerne“ sei zu wenig.

Wie beim „Lädchen“ an der Kornstraße, über das die WZ kürzlich berichtete, will der städtische Wirtschaftsförderer Markus Hergett auch diesen Nachfolge-Prozess konstruktiv begleiten. Unter anderem stelle er gerne Kontakte in Sachen Existenzgründer-Beratung her.

Mehr von Westdeutsche Zeitung