Tanzen in Tönisvorst : In St. Tönis steigt das Salsa-Fieber

Im Vereinsheim der Teutonia gibt Georg Novikov verschiedene Tanzkurse. Der 23-Jährige will sich damit sein Studium finanzieren. Vor allem die Salsa-Stunden sind beliebt.

Viele St. Töniser Haushalte haben in den vergangenen Wochen ungewöhnliche Post erhalten. In einigen tausend Briefkästen lag ein rot-schwarzer Flyer, der einen schick gekleideten jungen Mann zeigt. Über ihm steht in großen Buchstaben „Tanzkurs“. Entworfen und verteilt hat die Hochglanz-Info Georg Novikov, eben jener junge Mann. Beim Einwerfen geholfen hat ihm seine Mutter. „Wir waren bestimmt 40 Stunden in St. Tönis unterwegs“, erzählt der 23-Jährige.

Doch der Aufwand hat sich offenbar gelohnt. Das beworbene Angebot des Tanzlehrers wird seiner Aussage nach bislang „ganz gut angenommen“. Seit kurzem zeigt er immer sonntags im Clubhaus von DJK Teutonia im Rosental die jeweils richtigen Schritte und vermittelt das wichtige Rhythmusgefühl. Um 15 Uhr geht es mit dem „Hochzeitskurs“ los, der letzte und bestbesuchte Kurs befasst sich mit der Salsa und endet um 20 Uhr. Pro Person und vier Übungsstunden bekommt der Lehrer 25 Euro. Mit dem Geld möchte Georg Novikov sein Studium finanzieren, das er in wenigen Wochen beginnt. Denn den Traum vom Tanzen im Hauptberuf hat der Krefelder aufgegeben – obwohl eigentlich alles auf eine solche Karriere hindeutete.

Als Kleinkind aus Russland
nach Deutschland gekommen

Rückblick: Georg Novikov wird in Russland geboren, das er jedoch schon als Kleinkind an der Hand der Mutter verlässt. Beide kommen zunächst nach Sachsen, zwei Jahre später dann an den Niederrhein. Um ihrem Sohn Bewegung zu verschaffen, meldet ihn die Mutter für Karate an. Mit sechs Jahren kommt das Tanzen dazu. „Mir hat beides Spaß gemacht, aber als ich dann auf die höhere Schule kam, war das zeitlich nicht mehr machbar“, erinnert sich Georg Novikov. Er muss sich entscheiden – und wählt das Tanzen.

„Ab meinem zehnten Lebensjahr habe mich völlig darauf konzentriert.“ Der TC Seidenstadt am Krefelder Hauptbahnhof wird seine sportliche Heimat. Bis zu sieben Mal in der Woche trainiert er, an manchen Tagen sind es vier Stunden. Er ist ehrgeizig und erfolgreich, schafft es bis auf Bundesebene. „Ich kann nicht mehr sagen, auf wie vielen Wettbewerben ich war“, sagt er. Er reist durch ganz Deutschland, seine Mutter ist immer an seiner Seite. Zum Höhepunkt seiner Karriere auf dem Parkett nahm er sogar an internationalen Turnieren teil. Während andere „nur“ Latein oder Standard tanzen, beherrscht er beide Bereiche. Zehn Tänze sind es insgesamt, darunter Rumba, Jive, Quickstep und Wiener Walzer.

Nach dem Abitur an der Kurt-Tucholsky-Gesamtschule kommt die große Frage: Was nun? Er beginnt ohne rechte Überzeugung ein BWL-Studium, gibt nebenbei Tanz-Kurse. Dann ergreift er die Gelegenheit, komplett von seiner Leidenschaft leben zu können. Doch sowohl die eigene Tanzschule als auch der Job als angestellter Tanzlehrer sind nur von relativ kurzer Dauer. „Deshalb starte ich jetzt noch einmal ein neues Studium“, erzählt Georg Novikov. Ab Oktober befasst er sich an der Ruhr-Uni in Bochum mit Slavischer Philologie und Russischer Kultur. Letztlich möchte er damit in der freien Wirtschaft Karriere machen.

Doch das Hobby lässt ihn nicht los. Bei seinen Kursen in St. Tönis gehe es daher auch nicht nur ums Geldverdienen. „Es macht mir nach wie vor großen Spaß.“ Neben der Reihe am Sonntag möchte er auch eine öffentliche Tanzparty im DJK-Heim etablieren, „mit DJ und Gastronomie“. Der erste Termin steht schon fest: Am Samstag, 12. Oktober, kann ab 21 Uhr geschwoft werden.