Im Standesamt gibt es „Geborgenheit“

Im Standesamt gibt es „Geborgenheit“

Bilder der Künstlerin Margot Buscher werden im Trauzimmer im St. Töniser Rathaus gezeigt.

St. Tönis. Die Bilder der Waldnieler Künstlerin Margot Buscher strahlen in ihren hellen und weichen Farben im ersten Moment Harmonie, Nähe, Vertrauen und Hoffnung aus. Die symbolisierten Menschen, die darin vorkommen, erscheinen frei und unbeschwert zu sein, sind aber meist durch Fäden oder andere Formen mit der realen Welt, mit den Konflikten, Ängsten und Abhängigkeiten, verbunden.

Ein Bild heißt „Geborgenheit“ und wird sich in den nächsten Wochen und Monaten im Kleinformat in den neuen Stammbüchern der Frischvermählten auf Seite 1 wieder finden. Bei einer weiteren Aktion „Kunst im Trauraum“ ist nämlich diesmal im St. Töniser Standesamt die 65-Jährige mit ihrer Ausstellung „Menschliches“ an der Reihe.

Manfred Küsters und Margot Buscher kennen sich schon lange. Seit 2013 gibt es auf Initiative des Standesbeamten, der selbst malt, installiert, fotografiert und der Oedter Künstlergruppe „Bunte Gans“ angehört, diese Kunst-Aktion im Standesamt. Sie geht gerade in die siebte Staffel.

17 Arbeiten der Schwalmtalerin sind zu sehen. Sie hat sich schon lange neben ihrer früheren Arbeit als Kunstlehrerin, Sonderpädagogin und Therapeutin einen Namen gemacht hat. Sie arbeitete auch mit verhaltensgestörten jungen Leuten, die sie durch das Heranbringen an die Kunst erfolgreich behandelt hatte.

„Meine genaue Technik verrate ich ihnen nicht“, sagte Margot Buscher schmunzelnd zu ihren Bildern, die nahezu ausnahmslos in den Tönen Rot, Orange und Gelb gehalten sind. Sie benutzt Acryl-Farben, setzt ihnen einen gewissen Jod-Anteil zu, der die Farben im Bild, auf den Gesichtern und in den Formen beweglich erscheinen lässt. Nur zwei kleinere Kunstwerke sind weiß gehalten, tragen den Titel „Optimismus I“ und „Optimismus 2“. Dafür hat Buscher aus Spargelschalen geschöpftes Papier verwandt.

Bewegt hat sie unter anderem ein Zeitungsartikel über eine junge Touristin, die in den Vereinigten Arabischen Emiraten vergewaltigt worden war. Das Opfer wurde im ersten Prozess jedoch als Täterin zu 16 Monaten Haft verurteilt, weil das Gericht dies bei der verheirateten Frau als außerehelichen Sex ahndete. „Verkehrte Welt“ heißt das Bild dazu.

Viele ihrer Werke strahlen trotz der zeit- und gesellschaftskritischen Hintergründe Optimismus und Lebensfreude aus. Die Vernetzung und die Abhängigkeiten spielen bei ihr ebenfalls eine große Rolle. So bei einer besonderen Installation, die Margot Buscher „Online Community“ nennt. Darauf sind 16 gleich aussehende kleine Gestalten, geformt aus Edelstahl und Epoxid-Harz, zu sehen, die wohl völlig isoliert ihrem Hobby als PC-User nachgehen. Der kleine Schatten, der auf diese Figuren fällt, macht den Anschein, als ob sich die Computerfreaks doch etwas bewegen würden und vielleicht aus ihrer Isolation herausgeholt werden können.

„Das ist schon stark, wie breitgefächert diese Reihe geworden ist“, sagte bei der Ausstellungseröffnung Fachbereichsleiter Wolfgang Schouten begeistert. Die Ausstellung ist an der Hochstraße 20a bis zum 23. Dezember zu sehen. Da dort zwischendurch Trauungen stattfinden, empfiehlt es sich, vorab für Einzel- oder Gruppentermine den Standesbeamten Manfred Küsters anzurufen: Tel. 02151/999207.

Kennenlernen kann man auch das Atelier von Margot Buscher in Schwalmtal, Marktstraße 5. Kontakt zur Künstlerin:

www.margotbuscher.de

facebook.com/MargotBuscher

Mehr von Westdeutsche Zeitung