Für mehr soziales Miteinander: IG Behinderter feiert 30-jähriges Bestehen

Für mehr soziales Miteinander : IG Behinderter feiert 30-jähriges Bestehen

Vor drei Jahrzehnten gründete Brigitte Beckers mit anderen Mitstreitern den Verein. Das Ziel: mehr soziale Kontakte.

Ein Jubel geht durch das Haus der evangelischen Kirchengemeinde St. Tönis. Gerade haben die Versammelten Mitgliedsausweise von der Interessengemeinschaft (IG) Behinderter Tönisvorst ausgehändigt bekommen. „Einen solchen Ausweis haben sich viele gewünscht“, erklärt Jörg Mohring, zweiter Vorsitzender der IG. Mitglied in einer Gemeinschaft zu sein, bedeutet den Gästen viel, denn sie alle haben geistige oder körperliche Behinderungen und kennen das Gefühl, nicht dazuzugehören.

Brigitte Beckers ist eine der Mütter, die das vor mehr als 30 Jahren ändern wollte. „Mein Sohn hatte nur im Bus und in der Schule soziale Kontakte. Das war zu wenig“, fand die St. Töniserin. Sie wünschte sich für ihren Sohn und für sich eine Gruppe für Familien mit gehandicapten Kindern, die gemeinsam ihre Freizeit verbringt.

Weil sie aber nicht wusste, was bei einer Vereinsgründung zu beachten war, wandte sie sich an den damaligen Stadtdirektor Udo Bachmann. Der unterstützte die Idee, lud interessierte Eltern in den Ratssaal ein und ließ sie Ideen sammeln, wie die gemeinsame Zeit gestaltet werden könnte.

30 Jahre ist das jetzt her, seitdem gibt es die IG Behinderter Tönisvorst. Knapp 20 Familien gehörten damals dem neuen Verein an, der sein Startkapital von der Sparkasse bekam, die gerade ihr altes Mobiliar verkauft hatte und den Erlös spendete.

27 Jahre lang war Brigitte Beckers Vorsitzende der IG, vor drei Jahren hat Silvia Beltau übernommen. Das Konzept der Vereinsgründerin ist erhalten geblieben, auch wenn aus den Kindern von damals Erwachsene geworden sind. „Alle zwei Monate treffen wir uns zum Stammtisch“, erzählt Silvia Beltau, „es gibt Bingo-Nachmittage und Kegelabende, einmal im Jahr einen Ausflug, ein Grillfest, eine Adventsfeier.“

45 Mitglieder hat die IG zurzeit. Finanziert werden die Ausflüge und Feste über Spenden. Vieles stellen Vorstand und Eltern aber auch selber auf die Beine.

Beim Fest zum 30-jährigen Bestehen etwa trat jetzt der Gospel-Chor „The Lord Singers“ der Lebenshilfe auf, Schriftführer Wolfgang Klein und Silvia Beltau lasen Weihnachtsgeschichten, Helmut Mertens kam als Weihnachtsmann mit süßen Geschenken und Jörg Mohring ehrte die Mitglieder, die in diesem Jahr einen runden Geburtstag gefeiert haben.

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