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Willich: Holpriger Start für den neuen CDU-Vorstand

Willich : Holpriger Start für den neuen CDU-Vorstand

Christian Pakusch ist Nachfolger von Uwe Schummer. Daniel Kamper scheiterte zweimal mit seiner Kandidatur für die Geschäftsführung der Partei.

Willich. Das hatte sich Christian Pakusch (33) sicher anders vorgestellt: Sein Start als neuer Vorsitzender der CDU Willich wurde von Grabenkämpfen in der Partei überschattet. Deren Höhepunkt auf der sehr gut besuchten Mitgliederversammlung in der Schiefbahner Kulturhalle: Gleich zweimal gab es für Daniel Kamper, der ohne Gegenkandidat vom Vorstand als neuer Partei-Geschäftsführer vorgeschlagen worden war, keine Mehrheit. Im ersten Anlauf erhielt er nur 57 von 124 abgegebenen Stimmen. Doch es kam noch schlimmer: Bei der zweiten Abstimmung kam er nur noch auf 51 Ja- und 70 Nein-Stimmen bei einer Enthaltung. Weshalb die Wahl eines Geschäftsführers auf einen späteren Zeitpunkt verschoben werden musste. Bislang bekleidete Christian Pakusch dieses Amt.

Christian Pakusch

„Es gibt Redebedarf nach dem heutigen Abend“, erklärte der sichtbar verärgerte neue Vorsitzende im Anschluss und sprach die Möglichkeit an, sich dafür externe Hilfe in den Vorstand zu holen. Er sei traurig über das Abstimmungsergebnis und nannte dies eine Schwächung des Vorstandes.

Er selbst war als Nachfolger von Uwe Schummer, der die Partei 16 Jahre lang geführt hatte, mit einem Stimmergebnis von 70 Prozent (88 Ja-Stimmen) gewählt worden. „Hättest du das Ding abgelegt, hättest du 75 Prozent gekriegt“, spöttelte Schummer danach in Anspielung auf die Krawatte, die Pakusch ausnahmsweise umgebunden hatte.

Als Stellvertreter des Parteichefs wurden Heinz Amfaldern (64 Prozent), Sascha Faßbender (62), Rainer Höppner (62) und Guido Görtz gewählt — letzterer erhielt mit 99 Ja-Stimmen (79 Prozent) das beste Ergebnis.

Dann kam es zur Wahl der Beisitzer — und erneut wurde die vorgegebene Marschroute des Vorstandes geändert. Dieser wollte 16 statt bisher acht Beisitzer bestimmen lassen und hatte die gleiche Anzahl von Kandidaten aufgestellt. Ein „Trainig camp“ mit Blick auf die nächste Kommunalwahl nannte Uwe Schummer das. Doch die ehemaligen Ratsherren Stefan Simmnacher und Christoph Heyes konnten sich mit ihrem Vorschlag durchsetzen, nur zwölf Beisitzer wählen zu lassen. „Es ist wichtig, eine Auswahl zu treffen“, erklärte Heyes und zitierte seine Oma: „Ne große Hoop is ne fuhle Hoop.“ Uwe Schummer, erkennbar sauer, kritisierte Leute, die nicht zu den CDU-Bürgerrunden kommen, um Wahlen vorzubereiten, nun aber „aus den Büschen schießen“.

Und dann kam der große Auftritt von Bürgermeister Josef Heyes. Er attackierte in äußerst scharfer Form den Beisitzer-Kandidaten Stephan Samse, mit dem er sich Anfang 2014 einen heftigen Streit um Werbeplakate am Straßenrand geliefert hatte. Dieser hatte dem Willicher Verwaltungschef damals vorgeworfen, durch sein Nicht-Handeln einen Gesetzesbruch zu decken. Am Ende führte das sogar zu einer Dienstaufsichtsbeschwerde gegen Heyes. Samse, der damals noch nicht der CDU angehörte, habe damit der Partei und der Stadt geschadet, meinte der Bürgermeister — und hinterließ mit seiner Brandrede Wirkung: Der Mann aus Schiefbahn erhielt am Ende nur 23 Stimmen — das schlechteste Ergebnis aller Beisitzer-Kandidaten überhaupt.

Das beste Ergebnis des Abends gab es für Yasuo Inadome: Mit 102 Ja-Stimmen wurde er erneut zum Schatzmeister gewählt, obwohl eine solche Abstimmung eigentlich gar nicht vorgesehen war. Da die Finanzen der Partei verstärkt über den Kreisverband geregelt werden, hatte der Vorstand einen eigenen Schatzmeister nicht mehr für notwendig gehalten. Doch die Mehrheit der Versammlung sah auch dies anders.