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Hochbegabte haben Ort des Lernens in Anrath gefunden

NRW : Geplant für 13.09.

Die Alleeschule in Anrath ist wieder ein Schulhaus. Mit Beginn des aktuellen Schuljahres ist dort das Angebot Ingenia der Privatschule Carpe Diem eingezogen. Zudem ist ein Schultestzentrum an den Start gegangen.

Der große weiße Schriftzug „Schulhaus“, der im Giebel der Alleeschule weithin sichtbar ist, hat seine Bedeutung zurückerlangt. Das zeigt das blaue Schild mit der Aufschrift „Privatschule Carpe Diem“ an, das direkt neben der zweiflügligen Eingangstüre hängt. Das denkmalgeschützte Gebäude, mitten im Ortskern von Anrath gelegen, beherbergt wieder eine Schule. Seit 2018 ist die private Ganztagesschule mit Internat im Haus Broich in Anrath zuhause, nun hat sie sich mit dem neuen Schuljahr vergrößert. „Willy Kerbusch von der Grundstücksgesellschaft der Stadt Willich trat im Februar an uns heran. Er war vom Vorbesitzer der Alleeschule, der dort eine Bank betrieb, darauf hingewiesen worden, dass wir Interesse an der Nutzung des Gebäudes hätten“, sagt Luca Bonsignore, Schul- und Geschäftsleiter von Carpe Diem.

Brandschutzauflagen
verzögerten den Einzug

Schnell wurden sich GSG als Besitzer der Alleeschule und die Schule als zukünftiger Mieter einig. Der Gebäudekomplex an sich war in einem sehr guten Zustand. Allerdings musste die Raumaufteilung der zukünftigen Nutzung angepasst werden. Technisches Equipment wurde eingebaut. Neue Böden und Innenanstriche folgten. Im Souterrain entstand ein Multifunktionsraum mit einer Mensa. Zudem mussten die Aspekte des Brandschutzes umgesetzt werden, was zu einer Verzögerung führte.

Neben der Oberstufe ist hier ein besonderes Angebot der Privatschule eingezogen. Es handelt sich um Carpe Diem Ingenia. Dahinter steht ein Schulzweig für Hochbegabte. „Insgesamt wird es ein kleiner Bereich mit maximal 30 bis 40 Schülern, von der fünften Klasse bis zum Abitur. Es ist ein freies Lernen ohne feste Klassenstrukturen“, informiert Projektleiterin Natasa Trifunovic. Gelernt wird in sogenannten offenen Lernlandschaften mittels einer gut ausgestatteten technischen, medialen und methodischen Infrastruktur. Die Schüler erhalten Themen, die sie eigenständig nach ihrem persönlichen Lernstil und Tempo erarbeiten.

Sie können die angebotene „Lernbar“ selbst aufsuchen und sich an die entsprechenden Fachlehrer wenden. Das heißt, die Schüler gehen auf die Lehrer zu, wenn sie Unterstützung benötigen. „Die Schüler lernen selbstständig. Lehrer sind quasi Lernbegleiter“, erläutert Bonsignore. Mittels Mentorengespräche werden die Lernstände abgefragt, denn schließlich ist das allgemein gültige Abitur das Ziel.

„Niemals bremsen“ ist das Motto von Carpe Diem. Vor diesem Hintergrund wird eng mit Universitäten zusammengearbeitet. Klassen im eigentlichen Sinn gibt es bei Ingenia nicht, es wird altersübergreifend gearbeitet. Die Testphase für Carpe Diem Ingenia, die vorab in der privaten Ganztagsschule mit Internat lief, zeigt indes erste Erfolge. „Wir haben unter anderem einen 14-jährigen Schüler, der im kommenden Jahr sein Abitur macht“, sagt Bonsignore. Ein anderer 14-jähriger nimmt bereits an Wirtschaftsrechtskursen der Uni teil. Er hat dafür von der Universität eine Abitur-Freigabe erhalten.

Aber nicht nur für den eigenen Schulzweig Ingenia ist Carpe Diem Förderung und Information wichtig. Die Schule bietet ein Schultestzentrum an, das allen Eltern und deren Kindern offen steht. Dafür hat die Privatschule das Seitengebäude der Alleeschule übernommen. Dort ist das Schultestzentrum namens ISTZ untergebracht. Hochbegabte Kinder zu erkennen, ist nicht immer einfach. Oft werden Diagnosen wie sozial-emotionale Probleme, ADS, ADHS, Autismus, Legasthenie oder Asperger diagnostiziert, obwohl eine Hochbegabung vorliegt. „Wir haben eigens zwei Psychologen für Diagnose und Beratung eingestellt. Uns ist zudem wichtig, dass die Eltern nicht alleine gelassen werden, sondern auf dem Weg begleitet werden, egal, ob sie unsere Schule besuchen oder eine andere Schule wählen“, sagt Bonsignore. Was ihn generell freut, ist die gute Annahme seitens der Bürger. „Wir haben viel positives Feedback erhalten, dass wir die Alleeschule als Schule nutzen“, sagt der Schul- und Geschäftsleiter.