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Historische Ortsführung der Kolpingsfamilie durch Tönisvorst-St. Tönis

Historische Ortsführung : Auf den Spuren der Geschichte

Die Kolpingsfamilie bot eine historische Ortsführung an. Tourleiterin Christiane Pohl zeigte dabei auch Spuren der Weberei in St. Tönis.

. Die Kolpingsfamilie St. Tönis hatte eingeladen zum Rundgang „Auf den Spuren von Alt-St. Tönis“ am vergangenen Samstag. An der Vormittags- und der Nachmittagsführung nahmen 33 Interessierte teil.  Christiane Pohl leitete die Tour.

Treffpunkt war das Heimathaus Antonius an der Antoniusstraße. Sie war früher ein ruhiges Pflaster – ganz im Gegensatz zur Hochstraße: „Dort fuhren Busse und Lkw mit Anhänger“, gab Christiane Pohl zu verstehen. Die Antoniusstraße war dagegen eben ruhiger.

Von 1580 bis 1650 waren viele Soldaten unterwegs im Auftrag verschiedener Fürsten. Hinzu kamen Pest, Hungersnöte und Tierseuchen. „50 bis 60 Jahre was das Leben hier sehr hart, St. Tönis war ein kleines, armes Nest“, erklärte Pohl. Leben ins kleine Dorf brachten Menschen, die den Heiligen St. Antonius verehrten.

Im 19. Jahrhundert kam die Weberei auf. Weber arbeiteten in der Regel in ihren Häusern. „Wenn Sie im Untergeschoss weit große Fenster sehen, ist das ein Zeichen dafür, dass hier früher gewebt wurde – dafür brauchte man nämlich sehr viel Licht“, erfuhren die Teilnehmer der Führung.

Und Christiane Pohl sprach vom „schönsten Kirchhof am ganzen Niederrhein“. Dort hätten früher auch Menschen ihre letzte Ruhestätte gefunden. Einige Grabkreuze sind dort noch zu sehen – sie erinnern heute an prägende Persönlichkeiten von einst. Da war zum Beispiel die Familie Rixen, deren Altbier bis nach Düsseldorf verkauft wurde.

Und auch die Familie Wirichs hat ihre Spuren im Ort hinterlassen. Wo einst die stämmigen Brauereipferde mit Wagen voller Bierfässer von Haus Wirichs standen, ist heute das Restaurant Ravvivi. Das Gebäude existiert seit 170 Jahren.

Gleich daneben war früher ein Kino. Und ganz früher war die Hochstraße Teil der Verbindung zwischen Köln und Kempen, wo berittene Boten und später Postkutschen verkehrten. Schon früher hatte es ein Kino am Markt gegeben, und zwar im Gebäude der Gaststätte „Zum Schützen“, wo heute eine Musikschule und ein Nachhilfeinstitut untergebracht sind.

Am Markt wies Christiane Pohl schräg gegenüber dem Kiosk auf die Stolpersteine hin, die an die jüdische Familie Romberg erinnern. „Das war die fünftreichste Familie im Ort, dort gab es Bekleidung, aber auch Maßkonfektion“, erklärte Pohl.

Halt gemacht wurde auch am Pastorat. Der Klinkerbau stammt aus dem Jahr 1888, nach dem Zweiten Weltkrieg war das Gebäude umfassend saniert worden. Daneben hatte ein Kriegerdenkmal gestand.

Apropos Krieg: 1758 hatte die zweite Schlacht um Hückelsmay stattgefunden. Vom Turm der Pfarrkirche St. Tönis aus verschafften sich die Strategen einen Überblick über den Aufmarsch der gegnerischen Truppen. Es habe damals nur so von Soldaten gewimmelt.

Mit Beginn der Industrialisierung wuchs St. Tönis schnell von 2000 auf 7500 Einwohner, während das früher größere und bedeutsamere Vorst bei 3000 Einwohnern stagnierte. Das hätte in St. Tönis beinahe zu einer Bausünde geführt: Rund um die Kirche sollte eine zweite Reihe Häuser entstehen.