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Hilfsbereitschaft: Tönisvorster rücken zusammen

Hilfsbereitschaft : Tönisvorst hilft sich: Bürger rücken zusammen

Hilfesuchende und Helfer tauschen sich aus. Ein Erfahrungsbericht von Heidi Sorgalla.

Vor einigen Tagen hat die St. Töniserin Heidi Sorgalla die facebook-Gruppe „Ich für Dich, Tönisvorst kümmert sich“ ins Leben gerufen. Gedacht ist sie als Drehscheibe für Hilfsgesuche und -angebote. Es ist in kürzester Zeit eine virtuelle und handfeste Nachbarschaftshilfe entstanden.

Als die Corona-Krise begann, hat die St. Töniserin „viel über die Zustände in China gelesen“. Als das Virus in Europa und Deutschland auftauchte, wurde ihr klar, „dass für den Fall, dass wir hier in der Stadt sozial isoliert und mit Ausgangssperren versehen würden, es insbesondere die Menschen schwer haben würden, die psychisch erkrankt, vorerkrankt, alt oder alleinlebend und ohnehin schon wenig vernetzt sind“.  Aus ihrer  langjährigen Arbeit im Vorstand des Seniorenbüros „Die Alternativen“ wusste sie, wie schwer es werden würde, an diejenigen „heranzukommen“, die eigentlich Hilfe am meisten brauchen würden.

Stadtgemeinschaft bündelt ihre Hilfsangebote, erprobte und neue

Heidi Sorgalla gründete die Gruppe „Ich für Dich - Tönisvorster kümmern sich“.  Ihr Ziel: früh am Start sein,  „um im Fall der Ausgangssperre das Angebot stehen zu haben“.

Katharina Krommen, Nadine Küpper und Edith Furtmann unterstützen Sorgallas Arbeit als Administratoren. Die vier Kräfte ziehen an einem Strang. Sie, sagt Sorgalla, sei „der Schreiberling. Ich verfasse die Texte, die wir, wie ein Ritual, morgens und abends veröffentlichen“.

Helfer aus St. Tönis und Vorst haben sich angeschlossen, auch Conny van de Venns  Gruppe „Tönisvorster verschenken und helfen“.  Die Vernetzung und langjährige Arbeit  mache sich in der jetzigen Krise „bezahlt“, so Sorgalla – Hilfe, die die Stadtgemeinschaft jetzt brauche. Hilfsangebote werden nach Themen sortiert und zugeordnet. Die Angebote der Helfer sollen gut zu finden sein.

Abends schart Sorgalla alle um ein Lagerfeuer(foto), das sie postet. „Ich verfasse einen Eingangstext mit Anregungen und Gedanken zum Tag. Das Gleiche machen wir morgens, quasi als guten Start in den Tag.“ Sorgalla hat den Eindruck, „dass diese Texte, je länger die Isolation der Menschen dauert, immer wichtiger werden und man in die Gruppe schaut und weiß, hier kann ich mal aufatmen.“ Sabina Schweda, die vorher im TC Yogakurse angeboten hat, postet abends ein Video mit einer Einheit Entspannungsyoga.

Es geht darum, ein gutes Grundgefühl zu vermitteln und zu pflegen. Gegen die Krise.  Gegen die Sorgen und Ängste. Sorgalla: „Jeder soll sich dort wohlfühlen und es sollen dort keine Hysterie- und Chaos-Meldungen verbreitet werden.“  Vertrauen und  Kontakt zueinander – sind Verbindungslinien im Austausch, „damit niemand durch das „Krisen-Raster“ fällt“.

Nicht nur online soll der Informationsfluss laufen: Flyer wurden in Briefkästen von Nachbarn gesteckt oder ausgelegt. Kontaktdaten werden zwischen Suchenden und Helfenden   ausgetauscht. Gemeldet haben sich auch schon Kinder und Enkel, die in anderen Städten leben und sich um ihre Eltern oder Großeltern sorgen. Sorgalla: „Häufig haben wir mit denjenigen dann auch telefoniert und ganz individuelle Lösungen gefunden. Im Moment scheinen die Anfragen abzuebben, weil innerhalb der städtischen Gemeinschaft weitere wirklich tolle Hilfsangebote installiert wurden.“

Der St.Töniser Andreas Kaluza hat für Einzelhändler mit seiner Firma Concept Tomorrow eine Webseite erstellt. Dort findet man alle Händler mit Lieferservice. Die Seniorenberatung der Stadt hilft auch weiter.

„Ich bin St.Töniserin mit Leib und Seele“, sagt Sorgalla.  „Ich liebe die Stadt und die Menschen hier. Ich möchte, dass alle es gut haben, dass niemand allein ist und „untergeht“. (…) Und  ehrlich gesagt schreibe ich in meinen Texten mir auch meine eigene Angst und Sorgen von der Seele.“ Ree

Praktische Hilfsangebote macht auch der Handel per Lieferservice:

toevo-liefert.de