Hilfe für Flüchtlinge ungebrochen

Anna Rieve, Koordinatorin der Initiative, kann sich auf ihre Ehrenamtlichen und auf viele Helfer in der zweiten Reihe verlassen.

Willich. „Die Krise ist ge-stemmt!“ Das sagt Anna Rieve, Koordinatorin der Flüchtlingsinitiative LOT. Es ist ihr Fazit für das zurückliegende Jahr 2017 und es speist ihren Optimismus für 2018.

Foto: Flüchtlingsinitiative LOT

Vor zweieinhalb Jahren, sagt sie, sei Willich — wie so viele Städte und Gemeinden in Deutschland — von der ankommenden Flüchtlingswelle überrollt worden. Jetzt aber sind die Strukturen und Zuständigkeiten klar und die Hilfsbereitschaft der Willicher weiter ungebrochen.

„20 ehrenamtliche Kräfte gehören zum LOT-Stamm.“ Sie helfen beim Deutschunterricht, betreuen die Kinder der Unterkunft, kümmern sich um den Nachschub und die Verteilung der Sachspenden. Anna Rieve: „Ich merke aber auch über unseren Helferkreis hinaus, dass meine Rundbriefe viel bewirken. Wann immer ich etwas brauche, bekomme ich positive Rückmeldungen.“

Viele Bürger hielten sich, so Rieves Erfahrung, „in der zweiten und dritten Reihe zur Verfügung, passen auf, was passiert und was benötigt wird“. Von einer Müdigkeit in der Flüchtlingshilfe keine Spur.

Anna Rieve ist mit LOT für die zentrale Unterbringungseinrichtung (ZUE) im ehemaligen Katharinen-Hospital zuständig. Um das Gebäude und seine wechselnden Übergangs-Bewohner ist es erheblich ruhiger geworden. Um Weihnachten herum waren etwa 200 Bewohner in der ZUE, „aber das kann sich täglich ändern. Vor einem Monat war das Gebäude zwischenzeitlich wieder mit 380 Personen voll belegt“.

Das Ehrenamt innerhalb der Flüchtlingsinitiative, die die Willicher Gemeinden beider Kirchen gemeinsam tragen, sei eine Arbeit mit Menschen, die ein schweres Paket zu tragen hätten. „Die Menschen sind immer dankbar für die Hilfe und dafür, dass wir da sind.“

Zahlen belegen das: Wenn der LOT-Treff montags und donnerstags öffnet, dann sind immer mindestens 20 Personen zu Gast, bei ZUE-Vollbelegung auch bis zu 50. „Unsere Angebote werden angenommen, vor allem für die Kinder“, sagt Rieve. „Wenn wir sagen: LOT hat offen, dann laufen die Kinder schon herum und rufen „LOT kommt, LOT kommt“.

Rieve kann sich im Treffpunkt auf die Hilfe von Willicher Schülern stützen, die regelmäßig in der ehemaligen Hospital-Kapelle Aufsicht führen oder mit den Kindern spielen. In der Robert-Schuman-Gesamtschule gibt es sogar eine „Steuerungsgruppe“, um Flüchtlingen zu helfen, wie zuletzt bei der Aktion „Weihnachten im Schuhkarton“.

Die Lise-Meitner-Schülerinnen Janina und Phyllis helfen seit Monaten im LOT-Treff mit. Auch vom St. Bernhard kommt immer wieder Unterstützung.

Dass die Flüchtlingshilfe praktisch ein Jahresprogramm anbieten könne, sei auf die Unterstützung durch Willicher Vereine zurückzuführen, sagt Rieve: Die Schützen des ASV bieten beispielsweise kostenloses Karussellfahren am Familientag des Schützenfestes an. Mit dem St. Martinsverein erleben die Kinder der ZUE dieses Brauchtum, basteln Laternen und ziehen mit.

Schon jetzt ist für das Frühjahr ein Kunstprojekt mit Flüchtlingen in Zusammenarbeit mit dem Jugendheim Karo 11 geplant.

„Schwierige Abschiede“ habe sie bereits erlebt, sagt Rieve, und Menschen begleitet, die akzeptieren mussten, dass sie nicht bleiben können und „mit Nichts die Rückkehr in ihr Heimatland antreten. Das ist auch für uns schwierig auszuhalten“. Dass Menschen schließlich nach Monaten der Hoffnung und Ungewissheit hinnehmen, dass sie Deutschland verlassen müssen, nötige ihr, sagt Rieve, Respekt ab.

LOT unterstützt durch Rückkehr-Beratung. Dabei gehe es auch immer wieder um Schicksale von Menschen, „von denen etliche im Herzen erhalten bleiben“.

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