Rundgang durch St. Tönis Dönekes auf Platt machen Geschichte lebendig

St. Tönis · Der Vorsitzende des Heimatbundes St. Tönis, Ulli Triebels, führt regelmäßig durch den Ort und hat dabei viel zu erzählen – natürlich auf Platt. Doch auch die Gäste haben viel beizutragen.

Der Heimatbund-Vorsitzende Ulli Triebels (3.v.l.) führte die Teilnehmer durch St. Tönis.

Der Heimatbund-Vorsitzende Ulli Triebels (3.v.l.) führte die Teilnehmer durch St. Tönis.

Foto: Annika Dzuballe

Regelmäßig bietet der Heimatbund St. Tönis die Veranstaltung „Ortsrundgang op Platt“ an. Jetzt war es wieder so weit. Zusammen mit einigen Interessierten erkundete der Vorsitzende des Heimatbundes, Ulli Triebels, den Ort. Gemeinsam erinnerten sich Triebels und die Teilnehmenden an bekannte Persönlichkeiten und tauschten die ein oder andere Anekdote aus früheren Zeiten aus.

Zunächst ging es für die Geschichtsinteressierten allerdings zum Seulenhof, wo Triebels an die Zeiten erinnerte, als die St. Töniser noch aus Vorst regiert wurden. Tatsächlich stammte die namensgebende Familie Seulen ursprünglich aus Vorst und bekleidete lange Jahre das Bürgermeisteramt in der Stadt. Teile der Familie lebten allerdings in den sogenannten Seulenhäusern, die den Seulenhof zur Hochstraße abgrenzen. Bei der Ortskernsanierung in den 1970er-Jahren, bei der im Seulenhof zahlreiche Anbauten, Hütten und Lagerräume entfernt wurden, entschieden sich die Verantwortlichen dazu, mit dem Seulenhof an die ortsprägende Familie zu erinnern. Daher wurde ein Grabstein der Familie Seulen an die Mauer des Hofes gesetzt.

Auch der Brauhof stand auf dem Programm, das Triebels für seinen Ortsrundgang vorbereitet hatte. Auf dem Gelände war früher die Brauerei Rixen ansässig. „Hier stand das Kühlhaus, in dem das Bier gekühlt wurde. Dazu hat man extra Eisblöcke aus Süddeutschland hierher gebracht“, erklärte er den Zuhörern. Insgesamt gab es in St. Tönis sechs Brauereien. „Aber auch auf vielen Bauernhöfen hat man eigenes Bier gebraut“, erzählte der Vorsitzende des Heimatbundes. Die Teilnehmer wussten zudem noch einige lustige Anekdoten aus dem angrenzenden Festsaal zu berichten, in dem unter anderem der Boden regelmäßig bedenklich wackelte. Heute erinnert nur noch ein Schild an die Brauerei, an die viele Tönisvorster zahlreiche schöne Erinnerungen haben.

Einen weiteren Zwischenstopp gab es an der St.-Cornelius-Kirche. Auch hier konnte Triebels zahlreiche spannende Begebenheiten berichten. Rund um den Kirchplatz wohnten einige St. Töniser Originale. So erzählte Triebels Anekdoten von Webern und Barbieren mit Schröpfköpfen.

Vielen St. Tönisern ist Aenne Kurowski-Schmitz noch ein Begriff. Sie trat 1925 ihren Dienst als erste deutsche Zivilrichterin in Berlin an. Zwischen 1952 und 1964 war Kurowski-Schmitz als Konsulin der Bundesrepublik in Los Angeles, Basel und Amsterdam tätig. Auch sie lebte zeitweise am Kirchplatz.

Nicht nur die Bewohner rund um die Kirche, auch die Kirche selbst blickt auf eine spannende Geschichte zurück. So musste unter anderem der Kirchturm einige Male neu hergerichtet werden. Ein besonderes Unglück ereignete sich für die St. Töniser ausgerechnet an einem Antoniustag. Im 30-jährigen Krieg brandschatzten die Hessen an diesem Tag St. Tönis und zerstörten unter anderem den Kirchturm.

Natürlich spielte der Ortsheilige von St. Tönis, der heilige Antonius, darüber hinaus eine zentrale Rolle beim Ortsrundgang. Egal, ob im Antoniusbogen oder als Denkmal an der Hochstraße, der „Ferkestünn“ ist aus dem Stadtbild nicht wegzudenken.

Am Denkmal trägt Ulli Triebels auf seinen Ortsrundgängen regelmäßig den Gründungsmythos der Stadt vor, natürlich auf Platt. Für alle, die kein Platt verstehen, kann Triebels die Legende auch auf Hochdeutsch nacherzählen. Darin geht es um einen Schäfer, der seine Herde weiden ließ. „Dort fand er ein Bild des Heiligen Antonius. Er nahm es mit sich nach dem Gehöfte, wo er wohnte, und legte es in die Truhe, welche ihm zur Aufbewahrung seiner Kleidungsstücke diente, und verschloss dieselbe. Einst bei Tische erzählte er davon. Man drang in ihn, das Bild zu zeigen. Als er nachsah, war dasselbe jedoch aus der verschlossenen Kiste verschwunden. Später fand man es am ursprünglichen Fundort wieder. Hierin erkannte man einen Fingerzeig von oben und erbaute an der Stelle, an der das Bild entdeckt worden war, ein Kapellchen zu Ehren des Heilige Antonius“, erinnert der Heimatbund an die Gründungslegende.