Erfolgreiches Start-up : Heimat-Win-Win mit Gin

Matthias Meuter, Malik Bensikaddour und Malte Schmitz haben vor einem Jahr ihren Fleuth-Gin auf den Markt gebracht.

Passt 0,5 L in XXS? Anders gefragt: Passt Gin in ein Möbelhaus? Matthias Meuter, Malik Bensikaddour und Malte Schmitz haben es ausprobiert. Und festgestellt: Ihr Konzept – ein Produkt mit Willich-Bezug, von Willichern kreiert, in der Region gebrannt und vor Ort über Gastronomie und Einzelhandel vertrieben – geht auf. Ihr „Fleuth Gin“ vernetzt.

Werner Zenz von besagtem Einrichtungshaus XXS an der Fischelner Straße habe Kunden in seinen Geschäftsräumen gehabt, die er zuvor noch nie dort gesehen hat, erzählt Malte Schmitz. Der Fleuth-Gin habe sie hingeführt. „Und sie haben gleichzeitig den Laden kennengelernt.“ Eine Win-Win-Situation. Dank Gin.

Fast 30 Vertriebs- und Verzehrstellen in der Region

Die Gin-Produktion läuft unter dem Namen einer Gesellschaft bürgerlichen Rechts: blockspirits GbR. Das „Start up“ von Matthias, Malik und Malte feiert am Dienstag Einjähriges. Eigentlich betreiben Matthias, sein Bruder Bastian und Malik die IT-Firma „blocklevel GmbH“ im Stahlwerk Becker. Sie sind Dienstleister in den Bereichen IT-Infrastructure, IT-Security und Cloud Services. Das Geschäft mit dem Fleuth-Gin läuft nebenberuflich. Es ist eine Liebhaberei, die strategisch und mit professioneller Vermarktung vorangetrieben wird. Die Willicher bedienen hochprozentig das Heimatgefühl. Die Kundschaft greift zu. Ein fast stetiges Wachstum ist die Zwölf-Monats-Bilanz.

Zum Willicher Blütenfest im Mai 2019 schenkten die Macher zum ersten Mal ihren Wachholderschnaps mit 20 Inhaltsstoffen aus. Viele wollten am brannt-neuen Fleuth nippen. Er schöpfte seinen Namen aus dem Bachlauf, der zwischen Willich, Anrath bis ins Vorster-Süchtelner Gebiet hinein fließt. „Das Feedback auf Tasting und Presseberichte war unfassbar“, sagt Malte Schmitz. Aus Willich, für Willich und als Präsent aus Willich in die Weite – das kam an. Wie auch das Etikett der Halbliter-Flasche, das den Bachverlauf ablesbar macht.

Destilliert wird der Fleuth-Gin weiterhin von dem mehrfach ausgezeichneten Braumeister Peter Day in der „Mühle 4“ in St. Hubert. Das Heimatprojekt der Willicher bringt ihm Chargen-weise Arbeit.

In einem Jahr haben die Gin-Vermarkter ein beachtliches Händler- und Verzehr-Netz geknüpft. Der Kaiserhof in Willich gehört dazu, der Ramshof in Neersen ebenso, das Restaurant & Café Landwirtschaft, Gaststätte Maaßen, das Café K7 und Vino nobile in Willich, die Vinothek Hesker und Q-linaria in Schiefbahn, der Obsthof Selders im Diepenbroich, In Vino Veritas (Holterhöfe), mittlerweile auch der Weinhandel La Cava in Viersen. Auch Kempen soll bald angesteuert werden. Die Gin-Verkaufslinie geht bis tief in den Mönchengladbacher Raum, weil Edeka-Filialen den Fleuth in ihrer Regionalproduktstrategie aufgenommen haben.

27 Verkaufsstellen im ersten Jahr, tausende Flaschen produziert – „der Fleuth etabliert sich als Marke“, sagt Malte Schmitz.

Corona war aber auch ein Dämpfer. Unerwartet. „Der Fleuth-Gin wird in Gesellschaft getrunken. Grillpartys, Ostern, Geburtstage und andere Feste fielen plötzlich aus.“ Aber einen „prägnanten Schaden“ werde man hoffentlich nicht davontragen, so Schmitz. Mit den Corona-Lockerungen stiegen die Bestellungen für „das Manufaktur-Produkt wieder an“.

Zum Einjährigen trommeln Matthias, Malik und Malte außerdem noch mal fürs Fleuth-Marketing. „Wir geben eine limitierte, fassgereifte Edition heraus.“ 250 Flaschen.

„Wir sind gespannt, wo es mit unserer Marke noch hingeht“, sagt Malte fürs Team. Und hofft, ganz heimat- und produktverbunden, „dass viele lokale Einzelhändler gut aus der Krise kommen“. Das Start-up brennt weiter für das Motto: „Unser Dorf nach vorne“. Macht ganze Sache mit halben Litern für die Geschäftsidee im XXL-Format.