Geschäftsbereich Einwohner und Ordnung: Leiter Martin Zinnel geht

Geschäftsbereich Einwohner und Ordnung : Martin Zinnel: Adieu nach 40 Jahren

Willichs Leiter des Bereichs „Einwohner und Ordnung“ geht Ende des Monats in den Ruhestand. Enkel und Leinwand warten auf ihn.

Kabarettist Hanns Dieter Hüsch sah am flachen Niederrhein Verwandtschaft für den Sonntagskaffee schon am Freitag kommen. Ähnlich hält es Martin Zinnel in seinem Job: „Montags schon wissen, welche Themen einen dienstags und mittwochs treffen.“ Vorbereitet sein. Dabei flexibel bleiben. Das A und O. Oder zuweilen die Quadratur des Kreises, wenn man so perfektionistisch veranlagt ist wie Martin Zinnel.

 Der 62-Jährige, gebürtiger Gelsenkirchener, ist bei aller niederrheinischer Weitsicht Westfale durch und durch. In seiner Sturheit – „also wie ich Ziele verfolge mit Ehrgeiz, Ausdauer und mitunter über meine Kräfte hinaus“ – sehr westfälisch. Sagt Zinnel über Zinnel.

Aber 40 Jahre Verwaltungstätigkeit in und für die Stadt Willich haben seine rheinische Seite, die Frohnatur, auch gefördert und gefordert. Einen gedruckten Beleg dafür zieht er bis heute amüsiert aus der Schublade: Einen schon älteren Zeitungsartikel über die fröhlichste Behörde Deutschlands in „Auto-Bild“.

Geschäftsbereich von Standesamt bis Feuerwehr

Vier Jahrzehnte Stadtverwaltung im Wandel der Zeit – da kann man viel erzählen. Natürlich über Schreibtisch-Stationen (siehe Kasten), über das, was der aktuelle Geschäftsbereich „Einwohner und Ordnung“ umfasst, also die dezentralen Stadtteilbüros, das Standesamt, die Verkehrsüberwachung, die Gewerbestelle, Themen der allgemeinen Ordnung und – sehr wichtig – Rettungsdienst und Feuerwehr.

Aber man kann vor allem über Weggefährten erzählen, die einen geprägt haben. „Ich hatte drei Ziehväter“, sagt Zinnel und schaut dabei zunächst auf seine Anfangszeit zurück, auf 1979, als Willich noch das Armenhaus im Kreis Viersen war. „Aber dann kamen Dieter Hehnen und Theo Eckelboom. Die brachten frischen Wind“, erinnert sich Zinnel. Ihn hätten sie in der Kämmerei mit vielen Aufträgen beschäftigt, von einer Umschuldung von 4,3 Millionen D-Mark bis hin zur Erstellung von Gebührenhaushalten für Straßenreinigung, Abfall, Abwasser... „Beide wollten wissen, welches Potential in mir steckt.“ Das Vertrauen wuchs. Die Aufgaben auch.

Als Zinnel 1986 mit einem Stellenwechsel in der Stadtkasse liebäugelte, gab’s von Eckelboom ein Veto: „Zinnel, nein! Da sehe ich Sie nicht. Das ist eine Sackgasse.“

Delegieren und fördern – das habe er, sagt Zinnel, von seinem damaligen Chef gelernt. „Gute Leute muss man auch in ihrer Entwicklung sehen.“

1987 folgte sein Wechsel ins Rechnungsprüfungsamt, sozusagen „vom Tun zum Prüfen. Da habe ich meinen zweiten großen Lehrmeister gehabt, „Sir“ Siegfried Bolduan, wie ich ihn immer nenne“. Sein damaliger Amtsleiter imponierte Zinnel, weil er „nicht die Achtung vor der Arbeit und den Mitarbeitern verloren hat. Er war Mahner, musste es auch sein, aber er blieb es immer auf eine anerkennende Art“. Dieses „Prüfen mit Würde“, das konstruktive Beanstanden, hat Zinnel sich von ihm abgeschaut.

Dritter Ziehvater war Erich Paul, 1991, als das Haupt- und Personalamt unter Stadtdirektor Hehnen neu gebildet wurde. Zinnel wurde Stellvertreter. „Von Paul habe ich gelernt: Nie unvorbereitet in eine Situation kommen“. Er sei ein begnadeter Stratege gewesen, mit ihm habe man Konzepte fixieren und verschriftlichen können. „Wir haben viel mit Willy Kerbusch, dem Kämmereileiter zusammengehockt. Kerbusch ist ein Visionär. Erich Paul und ich haben mit ihm das Machbare geplant. Das heißt, wir haben 70 Prozent von Kerbuschs Vision in einer Struktur umgesetzt.“

Arbeitsintensiv war die Zeit der Verwaltungsreform, die Optimierung von Prozessen auch mit Hilfe der auswärtigen Firma Techno Part. Ämter wurden zerschlagen, neu geordnet, Strukturen verschlankt, Ausschüsse umgruppiert. Damals kam das Thema Verkehr dorthin, wo es hingehört, vom Ordnungsamt in die Bauaufsicht.

Zinnel steuert. Mal ist er Kümmerer, mal Buhmann. Dabei hat er die Diskussionen mit den Bürgern in überwiegender Zahl als gut empfunden, „leichter als eine Stellendiskussion mit Kollegen“.

„Regeln, was erforderlich ist und nicht, weil es uns gibt“ – das hat Zinnel sich und seinem Team verschrieben. „Ich bin stark auf meine Leute angewiesen. Krisen bewältigt man nur mit einer starken Mannschaft.“ Die hat er.

Manchmal reicht die eigene Stärke aber nicht aus, um den Anforderungen gerecht zu werden. 2009 hatte Zinnel nicht mit seinen Kräften gehaushaltet. Er musste sich eine Weile aus der Pflichterfüllung herausnehmen.

2014 wurde eine Krebserkrankung bei ihm diagnostiziert. Sie wurde früh genug erkannt, aber, sagt Zinnel „der Krebs kostet den Körper Kraft“. Deshalb habe er sich dazu entschlossen, schon mit 62 in den Ruhestand zu gehen. Er habe noch so viel vor. Mit seiner Frau, deren erwachsenen Kindern, vor allem mit den zwei Enkeln, neun und zehn Jahre jung. Und Zinnel hat seine Kreativität wiederentdeckt, das Bauen, Formen, Entwerfen, Malen und Zeichnen mit unterschiedlichsten Materialien.

Wenn er drei Wünsche mit Aussicht auf Erfüllung zum Abschied frei hätte, dann wären es diese, sagt Zinnel. „Der Erhalt der freiwilligen Feuerwehr. Dass die Stadt weiter moderne Schritte geht. Und dass man mich in guter Erinnerung behält.“

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