Willich : Gänsehaut und Glücksgefühl

Der Chor „Frauenpower“ macht beim Konzert in der Frantzen-Halle seinem Namen alle Ehre. 1200 Besucher gehen begeistert mit.

Willich. „Frauenpower, die Neunte“, kündigt Chorleiterin Andrea Kautny das neunte Konzert des größten Frauenchors am Niederrhein an. 1200 Gäste hören dabei zu — das Konzert ist seit Monaten ausverkauft.

Die Gäste kommen aus Willich wie der stellvertretende Bürgermeister Guido Görtz und weitere Vertreter der Lokalpolitik, aus Mönchengladbach, Viersen und weiter her: Sogar aus der Schweiz und aus Berlin sind Zuschauer angereist, um geballte Frauenpower zu erleben. Sie müssen nicht lange warten, pünktlich um 17 Uhr betreten 180 Sängerinnen zur Melodie von „Eye of the tiger“ von beiden Seiten die Bühne. Sie tragen Schwarz und ihr Markenzeichen, einen türkisblauen Chiffonschal.

Das erste Lied, „Viva la vida“ von Coldplay, ist perfekt für den Start — und wem es bis dahin nicht klar war, dämmert: Der Name des Chors ist Programm. Wie ein vierstimmiger Kanon aus dem Nichts entsteht und zum Ständchen wird, erlebt ein Zuschauer an seinem Ehrentag. „Zum 83. Geburtstag von Ernst Deutzmann singen jetzt alle!“ Kautny ist in ihrem Element, teilt das Publikum in vier Gruppen — und 1380 Menschen singen „Viel Glück und viel Segen“.

Weiter geht es mit „Happy“ von Pharrell Williams, das Glücksgefühl breitet sich im Saal aus. Bei „All about that bass“ transportiert der Chor lässig und selbstbewusst, worum es im Song geht: Okay, ich passe vielleicht nicht in Kleidergröße 34, aber ich habe das gewisse Etwas! Für Gänsehautfeeling sorgt das Lied „Hungriges Herz“. Im Kampf gegen sich selbst und den Rivalen, darum geht es in „Eye of the tiger“. A capella wird „Little shop of horrors“ vorgetragen. „Kiss from a rose“ ist Emotion pur, „Euphoria“ beflügelt dank spürbarer Beigeisterung, ein bisschen fühlt es sich an wie „Segeln bis zur Unendlichkeit“. Die musikalische Untermalung am Klavier durch Allan Reynado ist grandios, die perfekt arrangierten Choreografien und die auf den Punkt abgestimmte Lichttechnik bilden einen tollen Rahmen.

Solistin Cecil Germes bringt den Saal zum Kochen. „Voice of Germany“, haucht eine Sitznachbarin, „mehr davon!“ Ihr Wunsch soll erfüllt werden. „Nights in White Satin“ interpretiert Germes in türkisfarbener Abendrobe ganz allein auf der Bühne, unterstützt lediglich durch Geige und Klavier. Tosender Applaus.

Für weitere Überraschungsmomente sorgen die Solauftritte der Ausnahmetalente Valerie Grieb, Melina Latka und Michaela Linden. Irgendwie sind die Sängerinnen alle Superstars: Sie können fast 100 Lieder auswendig und wissen, wie man die Halle rockt.

Wer die Entwicklung des Chors in den vergangenen neun Jahren begleitet hat, spürt es: Der Chor geht mit, transportiert Emotion ins Publikum. Bei „The prayer“ greift die Sitznachbarin zum Taschentuch und tupft über die feuchten Augen: „Das ist Balsam für die Seele!“ Stehende Ovationen zum Schluss und für Chorleiterin Andrea Kautny eine Überraschung: „Vielen Dank für irdische und überirdische Momente“, bedankt sich der Chor, und fasst mit neun Worten zusammen: „Liebe Andrea, du bist die beste Chorleiterin der Welt.“