Retter: Freiwillige Feuerwehr: „Mit Geld kann man nicht motivieren“

Retter : Freiwillige Feuerwehr: „Mit Geld kann man nicht motivieren“

Für Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr gibt es kleine „Bonbons“ für ihr verantwortungsvolles Ehrenamt.

Willich. Den Theaterbesuch bei den Schlossfestspielen musste der Feuerwehrmann kurzfristig sausen lassen: Am vergangenen Freitag gingen in Schiefbahn abends die Sirenen, ein Dachstuhl brannte an der Schillerstraße — für unterhaltsame Stunden auf der Festspieltribüne in Neersen hatten Angehörige des Löschzugs keine Zeit mehr. Die Mitgliedschaft in der Freiwilligen Feuerwehr nimmt auf Freizeit eben keine Rücksicht. Weshalb es schon seit längerer Zeit Überlegungen dazu gibt, mit welchen Bonbons man dieses verantwortungsvolle Ehrenamt ein wenig versüßen kann.

„Mit Geld kann man nicht motivieren“, sagt Thomas Metzer. Der Willicher Wehrführer, der auch stellvertretender Kreisbrandmeister ist, wendet sich damit gegen das Vorgehen anderer Städte in Nordrhein-Westfalen, in denen es schon Entlohnungsmodelle für die Freiwillige Feuerwehr gibt.

Andererseits werde es immer schwieriger, Menschen für diesen ehrenamtlichen Dienst zu gewinnen. Gründe? Viele Einsätze (vor allem im Löschzug Willich), schwer zu kalkulierende Dienstzeiten und die weiter zunehmenden Belastungen durch Studium und Arbeit trügen dazu bei, berichtet Metzer. Hinzu komme eine anspruchsvolle, sehr zeitaufwendige Aus- und Fortbildung, von der am Ende „Menschenleben abhängen“, betont der Willicher Wehrführer. Nicht zuletzt würden den Feuerwehrleuten in ihrer Freizeit enorme Sachwerte anvertraut: „So eine Drehleiter kostet mal eben 650 000 Euro.“

Das alles könnte den ein oder anderen Bewerber davon abschrecken, Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr zu werden. In Willich wurde auf Antrag der CDU deshalb schon vor geraumer Zeit eine Arbeitsgruppe eingerichtet, die nach „Motivationshilfen zum Kommen und zum Bleiben“ suchen sollte, wie Thomas Metzer berichtet. Zur Vorbereitung schrieb Ordnungsleiter Martin Zinnel zahlreiche Kommunen in NRW an und fragte nach deren Vorgehen. Mehr als 70 Antworten landeten am Ende auf seinem Schreibtisch.

Die Mitglieder der Arbeitsgruppe wie auch die Löschzugführer waren sich schnell einig: Eine Bezahlung im Ehrenamt kommt nicht in Frage. Unterstützung für die Feuerwehr-Mitglieder gibt es statt dessen in anderer Form. So zahlt die Stadt einen Zuschuss für die Mitgliedschaft in Sportstudios, außerdem ist der Eintritt ins Schwimmbad „De Bütt“ kostenlos. Bedingung: Das regelmäßige Training muss nachgewiesen werden.

Für Mitglieder der Jugendfeuerwehr gibt es einen Zuschuss zum Führerschein. Bei Dienstjubiläen spendiert der Bürgermeister Freikarten für die Festspiele — auch für Angehörige der Feuerwehrleute. Zudem zahlt Josef Heyes einmal im Jahr ein Essen — meist bei der Jahreshauptversammlung. Gut angekommen ist die Einführung von Ehrennadeln in Gold, Silber und Bronze.

Geprüft wird zurzeit noch, ob Wehrleute, die in Willich bauen wollen, beim Kauf städtischer Grundstücke bevorzugt werden. „Das kostet nicht viel — und die Leute sind vor Ort“, sagt Metzer dazu. Man muss das Ganze noch rechtlich klären.

Willich geht mit solchen Maßnahmen weiter als die andere Kommunen im Kreis Viersen. „Aber wir stehen als Stadt von mehr als 50 000 Einwohnern ohne Berufsfeuerwehr auch besonders unter der Aufsicht der Bezirksregierung“, erläutert Thomas Metzer.

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