Feuerwehr sammelt Stunden

Die Trockenheit sorgt für ein erhöhtes Einsatzaufkommen. Nicht nur Brände sind das Problem, sondern auch brechende Äste.

Willich/Tönisvorst/Kempen. Brennt die Vegetation, kann Feuer gefährlich schnell sein. Willichs Stadtwehrführer Thomas Metzer, zugleich stellvertretender Kreisbrandmeister, spricht von einer „Laufgeschwindigkeit“ von drei bis vier Stundenkilometern. Ein Beispiel für ein solches Feuer war unter anderem am Freitagabend auf einem Stoppelfeld zu beobachten, zu dem der Löschzug Anrath gerufen wurde. Parallel zur Kempener Straße brannten etwa 20 Quadratmeter. Zwar konnten die Flammen rasch erstickt werden. „Aufgrund der Hitze war es für die Feuerwehrmänner dennoch eine sehr schweißtreibende Angelegenheit“, so Lars Greiner, Sprecher der Willicher Wehr.

Feuerwehr sammelt Stunden
Foto: Kurt Lübke

Für die Einsatzkräfte am Niederrhein bedeutet die andauernde Sommerhitze eine Art Ausnahmezustand. Zwar betont Grainers Tönisvorster Kollege Markus Hergett, dass es „keine Einsatzflut“ gebe. Von einem erhöhten Aufkommen muss man ihm zufolge aber sprechen. Und das habe Folgen für die Planungen. Stichworte sind regelmäßige Ablösungen bei Einsätzen und eine erhöhte Getränke-Versorgung. „Die Hitze setzt den Kollegen in ihrer Schutzkleidung besonders stark zu“, erinnert Markus Hergett.

„Immer mehr Schäden entstehen durch den ausbleibenden Regen. Wiesen und Felder sehen aus wie im Spätsommer in Griechenland oder Südspanien. Da bleibt es natürlich nicht aus, dass auch die Feuerwehr immer mal wieder eingreifen muss“, sagt Johannes Dicks von der Kempener Feuerwehr.

Zum Glück sei es in Kempen gelungen, „aufgrund schnellen Eingreifens bislang Schlimmeres zu verhindern“. Dennoch liegt ein ereignisreiches Wochenende hinter den Feuerwehrleuten. Dicks lässt seine Aufzählung am Freitagmorgen beginnen: Um 9 Uhr wurde Alarm für den Löschzug Schmalbroich ausgelöst. In der Nähe der Straelener Straße brannte eine Fläche von gut 100 Quadratmetern. Dann am Samstagvormittag ein Sturmschaden auf der Stendener Straße für den Löschzug St. Hubert.

Sturmschaden? Ja, auch diese kommen bei diesen Witterungsbedingungen vor: „Aufgrund der Trockenheit werden selbst dicke Äste von Bäumen so spröde, dass diese brechen können wie Glas“, so Dicks. „Leichter Wind reicht dann aus, Äste abbrechen zu lassen.“ Ein größeres Exemplar lag auf der Stendener Straße und musste zerlegt und beseitigt werden. Am Sonntagabend rückte der Löschzug Schmalbroich aufgrund von brennendem Gras am Spoosweg aus.

Natürlich könne man jetzt sagen, dass es sich dabei ja immer nur um „Kleinigkeiten“ gehandelt habe. „Aber wir sollten bei dieser Bewertung nicht vergessen, dass es jedes Mal im Schnitt eine Stunde war, die die Wehrleute unterwegs gewesen sind.“ Und realistisch sei es, dass man zu solchen Einsätzen mit etwa 20 Mann ausrücke. „Man weiß ja erst mal nicht, wie schlimm es wirklich ist.“

Genau das spricht auch Thomas Metzer an. Gerade bei Vegetationsbränden müsse „der erste Angriff sitzen“. Bei einer entsprechenden Meldung oder dem Verdacht vor Ort, es könnte sich etwas Größeres entwickeln, sollten daher frühzeitig Reserven gebildet werden. Und das in der Urlaubszeit, in der nicht nicht alle Kräfte verfügbar sind.

Johannes Dicks kommt bei seiner Liste vom Wochenende auf etwa 100 Stunden, in denen „die Wehrleute für die Sicherheit der Bevölkerung tätig waren“. Dabei sollte nicht vergessen werden, „dass wir das alle freiwillig tun. Wir haben keine Berufsfeuerwehr, wir machen das aus Berufung und als Hobby, wenn auch professionell in der Erledigung“.

Wenn man dann sehe, dass Fahrradfahrer ganz selbstverständlich eine Zigarette rauchen, könne man vielleicht verstehen, „dass wir als Wehrleute einen dicken Hals bekommen“, so Dicks.

Ein Ende der Lage ist nicht in Sicht: „Mit jedem Hitzetag mehr steigt die Wahrscheinlichkeit, dass es erneut brennt, so Markus Hergett.