Festspielverein: Kothen-Nachfolge offen

Die Wahl eines neuen Vorsitzenden beim Festspielverein ist bis zum nächsten Frühjahr verschoben worden.

Neersen. Wer wird Nachfolger von Hans Kothen als Vorsitzender des Neersener Festspielvereins? Diese Frage kann auch nach der Vorstandssitzung am Donnerstagabend nicht beantwortet werden. Es fand sich noch niemand, der bereit gewesen wäre, in die Fußstapfen des 77-Jährigen zu treten. „Wir werden die Wahl eines neuen Vorsitzenden daher noch nicht auf die Tagesordnung der Mitgliederversammlung am 25. November setzen“, erklärte Kothen gestern.

Birgit Fliege, stellvertretende Vorsitzende, soll zunächst mit der kommissarischen Führung des Vereins betraut werden. „Das werden wir den Mitgliedern so vorschlagen“, sagte Kothen. Sie selbst steht nach Informationen der WZ nicht als seine Nachfolgerin zur Verfügung.

Eine Arbeitsgruppe soll sich jetzt auf die Suche nach einem möglichen Nachfolger begeben. Kothen kann das Amt aus gesundheitlichen Gründen nicht länger ausüben (die WZ berichtete). Der 77-Jährige leidet unter der Amyotrophen Lateralsklerose (ALS), einer Erkrankung des Nervensystems, die zu schnell fortschreitendem Muskelschwund führt. Mittlerweile ist Kothen deshalb auf den Rollstuhl angewiesen.

Er und seine Vorgänger waren allesamt Persönlichkeiten, deren Wort in Willich Gewicht hatte. Zu nennen wären Käthe Franke, Wilhelm Spee und Norbert Schlöder. Bis zur Mitgliederversammlung im nächsten Frühjahr soll jemand von ähnlichem Gewicht gefunden werden.

Der Trägerverein war 1993 gegründet worden. Sein Ziel ist es, „die Festspiele zu veranstalten und durchzuführen sowie die dafür notwendigen Mittel zu beschaffen“. Ob er das auch in Zukunft tun wird, ist offen: In einem Festspiel-Gutachten, das die CDU beantragt hatte, wird als Varianten die Gründung einer gemeinnützige GmbH ins Gespräch gebracht, die sich künftig um die gesamte städtische Kulturarbeit kümmert — inklusive der Festspiele. Auf der Vorstandsitzung seien sich alle einig gewesen, dass man diese Variante nicht mittragen könne, so Kothen: „Wir würden uns selbst überflüssig machen.“ Die Politik wird geben, den Verein an den weiteren Beratungen zu beteiligen.

Ein weiteres Thema war die neue Orangerie im Vorwerk des Schlosses. Im Pachtvertrag müsse berücksichtigt werden, dass es durch den Biergarten nicht zu Störungen bei Proben und Aufführungen komme, so Kothen: „Uns ist klar: Das wird nicht einfach sein.“

Mehr von Westdeutsche Zeitung