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St. Tönis: Europagedanke ist am MEG lebendig

St. Tönis : Europagedanke ist am MEG lebendig

Das Gymnasium in Tönisvorst trägt für weitere fünf Jahre den Titel „Europaschule“.

St. Tönis. Wäre das Michael-Ende-Gymnasium (MEG) ein Auto, hätte das Fahrzeug erfolgreich die technische Überprüfung hinter sich gebracht und nun eine neue Tüv-Plakette auf dem Nummernschild. Die Schule, die seit Ende 2010 den Titel Europaschule trägt, die dafür erforderlichen Kriterien im Unterrichtsalltag und darüber hinaus erfüllt, hat die Rezertifizierung erreicht: Das MEG darf sich bis Ende 2020 mit dem Aushängeschild Europaschule schmücken. Glückwunsch und Urkunde des NRW-Schulministeriums erreichten das Gymnasium per Post kurz vor den Weihnachtsferien.

Europa in der Krise? Stottern? Stillstand? Nicht in Tönisvorst. Die Begeisterung für den Europagedanken, den sprachlichen Austausch, den Blick über die eigenen Landesgrenzen in alle Himmelsrichtungen hinweg, ist ungebrochen. Lehrer Dieter Bergau und Schulleiter Paul Birnbrich untermauern das mit einer Ausweitung von Angeboten. Für das Kriterienpaket, das für die Inspektion durch das Land geschnürt wurde, hat Bergau nicht nur Altbekanntes aufgefrischt, sondern neue Projekte hinzugefügt. „Was wir machen, machen wir, weil es für die Schüler wichtig ist.“

Als Beispiel nennt Birnbrich: „Künftig wollen wir Niederländisch als dritte Fremdsprache im Bereich Wahlpflichtfach II anbieten.“ Die Nachfrage aus der Schülerschaft steige, seitdem immer mehr Schüler nach dem Abitur in Maastricht, Nimwegen und Venlo studieren. Eine intensive Auseinandersetzung mit Europa passiert ohnehin bereits in den Fremdsprachen Englisch, Französisch und Spanisch. Die Palette ist um das zweisprachige Angebot „Deutsch/Französisch“ ergänzt worden.

Das Thema Europa wird in vielen Fächern behandelt. In den Klassen 8 und 9 ist es Bestandteil des Wahlpflichtfachs Geschichte/Sozialwissenschaft. Dort geht es, so Bergau, „um die Entstehungsgeschichte, die politischen Institutionen und deren Funktionen“.

Auf viele „Begegnungen mit Europa“, das Kennenlernen von Land, Leuten und Arbeitswelt legen Bergau und Birnbrich Wert. In Stufe 8 wird eine einwöchige Englandfahrt angeboten. Möglich ist Schülern auch die Teilnahme an einer Brüssel-Paris-Fahrt über ein Wochenende. Neu, so Bergau, ist das Ziel Bundeshauptstadt: „In Stufe 9 bieten wir eine dreitägige Fahrt, bei der Schüler Berlin als historisches und politisches Zentrum unseres Landes und in seiner Bedeutung für Europa kennen lernen sollen.“ Ein weiterer inhaltlicher Schwerpunkt werde die Geschichte der DDR sein.

Stark nachgefragt sind die je 14-tägigen Betriebspraktika in London und Stare Mesto und die Gedenkstättenfahrt nach Auschwitz und Krakau. Die erlahmten, weil von Seiten der Briten und Franzosen gekappten Schulpartnerschaften will das Michael-Ende erneuern, sagt Bergau. Sicherheitsaspekte (Auflagen für Gastgeber waren verschärft worden) und schwindendes Interesse englischer und französischer Schüler an der deutschen Sprache seien Gründe fürs Aus der Partnerschaften. Bergau bleibt dran: „Wir wollen jede Chance auf neuen Kontakt wahrnehmen. Ich frage regelmäßig bei Schulen in England Interesse ab, nutze persönliche Kontakte und die von Kollegen nach Frankreich.“ Mit Hilfe einer Kollegin strebe man eine Partnerschaft zu einer polnischen Schule an.

An ein Abstellen des Motors Europa denkt am MEG niemand. Auch wenn Lehrer Bergau bis zur nächsten Zertifizierung in fünf Jahren pensioniert sein wird. Bergau, der seit 23 Jahren am MEG Geschichte und Englisch unterrichtet, hat Beifahrer im Kollegium, die sich dann ans Steuer setzen. Im Navi viele europäische Ziele.