Erstes Jahresseelenamt für getötete Polizistin

Ein Jahr nach der Trunkenheitsfahrt eines Lkw-Fahrers : Polizisten gedenken ihrer Kollegin Yvonne Nienhaus

Die Frau starb vor einem Jahr im Streifenwagen auf der A 61, in den ein betrunkener Lkw-Fahrer gefahren war.

Bestürzung, Trauer und Entsetzen – so beschrieb die WZ vor fast genau einem Jahr die damalige Gefühlslage bei der Polizei im Kreis Viersen. Zwölf Monate später, wenn das Weihnachtsfest und der Gedenktag beinahe zusammenfallen, dürfte stille Trauer unter den Beamten dominieren. Der schreckliche Hintergrund: Am Abend des 27. Dezember 2017, einem Mittwoch, war eine 23-jährige Polizistin auf der Autobahn 61 bei Viersen ums Leben gekommen: Yvonne Nienhaus hieß die junge Frau.

Vor wenigen Tagen hat die Familie eine Zeitungsanzeige geschaltet, um an sie zu erinnern. Diese Anzeige mit dem Foto der fröhlich in die Kamera lächelnden Frau lässt wohl niemanden kalt, ob man die Polizistin nun persönlich kannte oder nicht.

Das Geburtsjahr 1994 und das Sterbejahr 2017 wollen einfach nicht zusammenpassen. Ein junges Leben ist binnen Sekunden beendet worden. Der Schmerz der Angehörigen lässt sich nur erahnen.

Vielen Menschen ist der Fall noch in Erinnerung, der damals weit über die Kreispolizeibehörde hinaus Bestürzung ausgelöst hatte. Vermutlich fahren am kommenden Samstag Polizisten vom Niederrhein ins Münsterland, der Heimat von Yvonne Nienhaus, um am ersten Jahresseelenamt in der Pfarrkirche zu Epe (Gronau) teilzunehmen.

Auch in Viersen soll es ein „internes Gedenken“ im Kollegenkreis geben, wie die WZ von der hiesigen Polizei erfuhr.

Gemeinsam mit einer 48-jährigen Kollegin aus Willich und einem weiteren 22-jährigen Beamten aus Grefrath war Yvonne Nienhaus an jenem Abend im Einsatz gewesen. Es galt, die Trunkenheitsfahrt eines Lkw-Fahrers zu stoppen. Ihr Streifenwagen wartete auf der Standspur. Blaulicht und Warnblinklicht waren eingeschaltet. Es nützte nichts. Der Lastwagen krachte ins Einsatzauto.

40 Tonnen trafen mit rund 70 Stundenkilometern auf den Pkw. Die 23-Jährige war nicht zu retten, sie starb auf der Rück-bank. Ihre Kollegin am Steuer erlitt lebensgefährliche Verletzungen, auch der Polizist aus Grefrath wurde schwer verletzt.

In ganz NRW fuhr die Polizei in den Tagen danach mit Trauerflor an ihren Fahrzeugen. Psychologen und Seelsorger kümmerten sich um die direkten Kolleginnen und Kollegen in Viersen.

An der Trauerfeier im Münsterland Anfang Januar nahmen 1200 Menschen teil, darunter NRW-Innenminister Herbert Reul und Viersens Landrat Andreas Coenen.

Der 48 Jahre alte Fahrer des ukrainischen Lastwagens wurde festgenommen. Er war, tatsächlich stark betrunken, mit seinem Sattelzug auf der Autobahn in Richtung Koblenz unterwegs gewesen. Im Sommer fiel dieses Urteil: Er muss zwei Jahre und zehn Monate ins Gefängnis.

Die damals lebensgefährlich verletzte Polizistin befindet sich nach WZ-Informationen weiterhin auf dem Weg der Besserung, kann aber noch immer nicht arbeiten.

Der junge Kollege, der ebenfalls im Auto saß, hat seine Ausbildung inzwischen beendet und versieht seinen Polizeidienst, allerdings nicht im Kreis Viersen.