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Schiefbahn: Ersten Spargel gibt es so früh wie noch nie

Schiefbahn : Ersten Spargel gibt es so früh wie noch nie

Auf dem Spargel- und Kartoffelhof in Schiefbahn sorgen die hohen Temperaturen für einen Rekord. Auch Seniorchef Hans-Michael Meyer war überrascht.

Schiefbahn. Der 23. März war in diesem Jahr ein besonderes Datum für die Familie Meyer auf dem gleichnamigen Spargel- und Kartoffelhof in Schiefbahn. „An diesem Tag habe ich nämlich den ersten Spargel unter den Tunneln gefunden“, sagt Hans-Michael Meyer. Etwas, womit der Seniorchef zu dieser Zeit noch gar nicht gerechnet hatte. Der Spargel ist damit extrem früh, was nicht zuletzt an den aktuell recht hohen Temperaturen liegt. Der kalte Winter mit den Frösten hat zudem für eine optimale Winterruhe des Spargels gesorgt. Entsprechend stärker reagierte er nun auf die ersten Wärmeimpulse.

Wobei es einige Zeit dauert, bis die Wärme durch den Dämme gegangen ist. Wenn diese aber einmal gut durchwärmt sind, helfen die Folien dabei, die Temperatur zu halten. Zumal der über Nacht einsetzende Wärmeverlust nicht mehr so groß ist, da die Temperaturen nicht mehr unter die Null-Grad-Marke gehen. So fühlt sich der Spargel unter den Tunneln auf den Feldern rund um den Schiefbahner Hof „Am Hauserbusch“ wohl und wächst gut.

Vier Hektar stehen unter Tunnel, bei den restlichen 21 Hektar handelt es sich um Freilandspargel. Der braucht allerdings noch mehr Wärme. Wenn das Wetter mitspielt und die Temperaturen so bleiben, rechnet Meyer ab der nächsten Woche mit einem langsamen Start der Freilandware. Der erste grüne Spargel, der über der Erde wächst, hat auch schon seine Vorboten vorausgeschickt. Der Grüne ist intensiver im Geschmack, aber das ist neben der Farbgebung der einzige Unterschied zum weißen Spargel. Prima Verde ist dabei die Hauptsorte des Grünen Spargels.

Hans-Michael Meyer

Die erste weiße Sorte, die jetzt ihre Köpfe aus den Dämmen steckt, trägt hingegen den Namen Cumulus. „Sie ist sehr zart und lecker“, beschreibt Meyer die Spargelsorte. Die vorsichtige Ernte und der weitere sorgfältige Umgang mit Cumulus ist wichtig, da dieser Spargel — weil er so zart ist — sehr zerbrechlich ist. „Der Spargel ist das erste frische hiesige Gemüse. Das macht ihn zu etwas ganz Besonderem“, sagt Meyer. Die ersten Vorreiter der edlen Stangen gab es auf dem Schiefbahner Spargelhof ganz traditionell mit Kartoffeln, gekochtem Schinken und Sauce Hollandaise. Ab schätzungsweite Mitte Mai kommen zum Spargel auf dem Meyerhof die ersten neuen Kartoffeln dazu. Dann ist der Genuss perfekt, denn Spargel und neue Kartoffeln ergeben zusammen eine Delikatesse.

Was auf dem Schiefbahner Spargel- und Kartoffelhof auf keinen Fall mehr wegzudenken ist, sind die modernen Spargelschälmaschinen. Diese schälen nicht nur waagerecht, sondern auch horizontal. „Gut 90 Prozent unserer Kunden lassen den Spargel direkt bei uns schälen“, weiß Meyer aus Erfahrung. Geschälter Spargel kann, in ein feuchtes Tuch eingeschlagen, ein bis zwei Tage im Gemüsefach des Kühlschranks liegenbleiben. Der Spargelfachmann, der sich seit über 30 Jahren mit dem Gemüse beschäftigt, empfiehlt dies aber nicht. Am besten schmeckt der Spargel nämlich, wenn er ganz frisch genossen wird. „Wir haben die ganze Woche über so geöffnet, dass der Spargel mittags wie abends ganz frisch auf den Teller kommen kann“, sagt Meyer.

Spargel ist ein aufwendiges Gemüse. Die Spargelernte ist reine Handarbeit. Jede einzelne Stange muss gestochen werden. Doch dafür müssen zunächst die Tunnelfolien über den Dämmen aufgedeckt werden. Danach folgt das Entfernen der Schwarz-Weiß-Folien. Erst danach ist der Damm sichtbar, aus dem die Spargelköpfchen herausragen. Spargel selber darf nach dem Anbau erst im zweiten Jahr zum ersten Mal gestochen werden. Das Erntefenster beträgt nur zwei bis drei Wochen. Im folgenden Erntejahr sind es vier bis fünf Wochen, und erst ab dem dritten Erntejahr kann die Ernte über die gesamte Saison bis zum 24. Juni erfolgen. „Spargel braucht immer viel Zeit, um sich zu regenerieren“, erläutert der Schiefbahner. Die späte Sorte, die zum Schluss geerntet wird, ist übriges Backlim. Mit ihr geht die Spargelsaison am Johannistag zu Ende.