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Erdbeersaison: Großer Start für kleine Früchte

Erdbeersaison: Großer Start für kleine Früchte

Die rheinische Erdbeersaison hat begonnen. Die Obstbauern sind optimistisch.

Willich. Viele Kunden rieben sich am Donnerstagmorgen verwundert die Augen, als sie vor dem Obsthof Mertens Fotografen und Kamerateams sahen. Grund für die rege Betriebsamkeit war die Eröffnung der rheinischen Erdbeersaison durch den Staatssekretär des nordrhein-westfälischen Landwirtschaftsministeriums, Horst Becker.

Zunächst besuchte der Politiker von den Grünen gemeinsam mit Gastgeber Frank Mertens eine Plantage des Willicher Familienbetriebs. In seiner Festrede wagte Becker einen positiven Ausblick auf die Saison: „Dieses Jahr wird erfolgreicher als das letzte.“ Dies liege vor allem an dem guten Wetter. Außerdem unterstrich er die Bedeutung von regional angebautem Obst und Gemüse. Dieses habe eine bessere Qualität als Importe und sei wegen der kurzen Transportwege klimafreundlicher.

Der Vizepräsident des Provinzialverbands der Rheinischen Obst- und Gemüsebauern, Andreas Mager, lobte, dass es mit Gewächshäusern und Folientunneln in den nächsten acht Monaten möglich ist, Erdbeeren zu ernten. „Das Rheinland ist die Region in Deutschland, in der die Verfrühung der Erdbeerkulturen am weitesten verbreitet ist“, so Mager. Es sei möglich, Jungpflanzen einzufrieren und ihre Winterruhe zu verlängern. Die tiefgefrorenen Pflanzen könnten dann im Herbst im Treibhaus eingesetzt und geerntet werden. Becker ergänzte: „Bundesweit liegen drei Prozent der Erdbeeren unter Schutz. In NRW sind es zehn, also 300 Hektar.“

Mit dem Mindestlohn sprach der Vorsitzende der Rheinischen Obst- und Gemüsebauern, Christoph Nagelschmitz, einen Streitpunkt zwischen Landwirtschaft und Politik an. 2013 hatten Arbeitgeber und Gewerkschaften einen Tarif für Saisonarbeiter in der Landwirtschaft vereinbart.

Der könnte hinfällig werden, wenn die Bundesregierung den Mindestlohn einführt. „Wird der Mindestlohn von 8,50 Euro für Saisonarbeitskräfte gültig, so hat dies erhebliche Auswirkungen auf die wirtschaftliche Lage unserer Betriebe“, so Nagelschmitz. Auch Mertens, der in dieser Saison 100 Erntehelfer erwartet, sieht das kritisch: „So sehe ich keine rosige Zukunft für uns Obstbauern.“ Auf die Verbraucher kämen Kostensteigerungen von bis zu 20 Prozent zu.

Becker versuchte die Wogen zu glätten: „Ich sehe die Zukunft nicht so pessimistisch. Mit Übergangsregelungen und Ihrem unternehmerischen Talent sind Sie gut aufgestellt.“