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„En de Hött“ — ein zweites Zuhause

„En de Hött“ — ein zweites Zuhause

Die Gaststätte nahe der Pfarrkirche St. Katharina hat eine lange Tradition. Martin Kraemer führt sie seit 1999.

Willich. „Carpe Diem“ ist an einer Wand in der Gaststätte zu lesen. Das steht für „Genieße den Tag“. Das braucht man den Damen, die sich gerade dort zu einem Gläschen Sekt oder Orangensaft treffen, nicht zweimal zu sagen. „Immer wenn Wochenmarkt ist, treffen wie uns hier. Das machen wir seit etwa acht Jahren und das ist unser zweites Zuhause geworden“, sagt schmunzelnd Gisela Heintges. Marlene Kail, Hilde Wassner und Annalene van de Ven können dies nur bestätigen. Helmi Matter fehlt diesmal.

Foto: Willi Schöfer

Die Damen klönen über Gott und die Welt und lassen es sich in der Gaststätte „En de Hött“ schmecken. Da die Gaststätte etwas verdeckt „ganz in der Ecke“ neben der katholischen Pfarrkirche St. Katharina liegt, hatte sie schnell mit „En de Hött“ ihren Namen weg. Die Kneipe, die früher mal für Wanderburschen und Gesellen die Herberge „Zur Heimat“ war, hieß auch „Josefs Kapellchen“. In Anlehnung an Josef Nilges, der unter anderem aus einem früheren Kuhstall ab 1871 einen Gaststättenraum mit einigen Übernachtungsmöglichkeiten machte.

Peter Wynands, der sich wie kein anderer in der Historie der Willicher Gaststätten auskennt, erinnert an die vielen Wirte, die dort hinter der Theke gestanden haben. So an den „Hötte Buer“, an „Hötte Marie“, an die Familien Nilges, Miertz, an Johanna Kremer oder an Werner und Helene Brungs und an die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg, in der das Glas Bier dort noch 30 Pfennig kostete.

Seit Januar 1999 hat dort der heute 55-jährige Martin Kraemer das Kommando. „Eigentlich wollte ich ja Landwirt werden, habe eine entsprechende Ausbildung“, sagt Kraemer, der früher mal mit seinem Bruder Thomas (60), er studierte Jura, in der Hannen-Brauerei jobbte und arbeitete. „Wäre das nicht was für Euch?“, hatte die beiden damals Bierverleger Heinz Kallen darauf hingewiesen, dass in den 80er Jahren lange Zeit die Kneipe „Alt Willich“ leer stand.

Martin Kraemer machte zwischenzeitlich das BWL-Studium. Bruder Thomas übernahm 1988 das „Alt Willich“, wechselte zum „Lord Nelson“ nach Düsseldorf. Martin arbeitete etwa zehn Jahre im „Alt Willich“, dann ein Jahr im Willicher Bistro „Pierrot“, ehe er 1999 als Pächter die Paschertz-Immobilie „En de Hött“ auf dem ehemaligen Kirchplatz übernahm. Thomas führt heute das Bierhaus „Qlt“ (steht für „Kult“) an der Peterstraße.

Nach wie vor ist die Gaststätte mit ihren Innen- und Außenplätzen und mit dem kleinen Saal, in dem bis zu 60 Personen bewirtet werden können, eine beliebte Adresse. Einen Wintergarten gibt es ebenfalls. Erst gerade fühlten sich dort beim Willicher Schützenfest zwölf Schützenzüge wie Zuhause. „Klar, ist die Anzahl der Stammgäste auch hier etwas zurückgegangen, sorgte sicherlich auch das Rauchverbot für Einbußen, aber wir versuchen weiterhin, unser Küchenangebot ständig zu erweitern. Nach einer grundlegenden Renovierung, die Ende April 2013 abgeschlossen war, übernahm in der Küche Alfred Winkels das Zepter. Im derzeitigen Angebot unter anderem: der Salatteller „Liebevoll“, die Schweinemedaillons, das Rumpsteak oder für 10,50 Euro der „Hött-Cheese-Bacon-Burger“, medium gebraten.

Einige seiner Serviererinnen kennt man noch aus dem „Alt Willich“, dazu gehören unter anderem Karen, Elena und Laura. „Klar mache ich noch weiter, mein Vertrag läuft noch etwa sechs Jahre, mit einer Option für weitere fünf“, sagt Martin Kraemer, der natürlich als unmittelbarer Nachbar aufmerksam die „Unendliche Geschichte“ der Umgestaltung des Marktplatzes verfolgt. Und er ist eher skeptisch, ob es wirklich dadurch zur geplanten Belebung kommt: „Es ist doch vollkommen egal, welches Pflaster genommen wird, entscheidend ist doch, was danach hier im direkten Umfeld hin zu einer größeren Attraktivität passiert.“