Eltern von Eishockey-Star Noebels: „Wir warten mit dem Sekt auf Marcel“

Eltern von Eishockey-Star Noebels: „Wir warten mit dem Sekt auf Marcel“

Die Eltern von Eishockey-Spieler Marcel Noebels hoffen nach Olympia bald mit ihm in St. Tönis auf die Silbermedaille anstoßen zu können.

St. Tönis. St. Tönis ist am Morgen hellwach. WZ-Mitarbeiter Guido Beckers postet nach zehn Minuten im ersten Drittel, noch weit vor Sonnenaufgang bei Facebook die Frage: „Wer schaut denn noch Eishockey?“ Unmittelbar gehen mehr als ein Dutzend Daumen hoch.

Foto: Jae C. Hong

Fans des Sports und Fans von Marcel Noebels aus St. Tönis sind da. Sonntagmorgen hin oder her. Es ist Finalzeit! Dieses Spiel lässt niemanden auf dem Sofa ruhig sitzen.

Rückstand für das deutsche Eishockeyteam, Ausgleich, Rückstand, Ausgleich, Führung, die Hand an olympischem Gold, mit Danny aus den Birken vor Vorfreude fast aus dem Häuschen, dann 55 Sekunden vor Schluss doch das 3:3, schließlich in der Overtime in Unterzahl der Gegentreffer.

Spiel vorbei! Kurzer Schock. Im ersten Moment Gold verloren, aber sofort wieder Silber gewonnen — auch wenn Marcel Noebels von den Fernsehkameras mit einem so traurigen Blick eingefangen wird.

Die meisten haben den ersten Kaffee des Tages noch nicht auf, da gehen die Gratulationen zum „Wahnsinns-Spiel“-Spiel, zur Fairness, zur Spannung schon medial hin und her. Bei der Siegerehrung ist Noebels der letzte in der langen Mannschaftsreihe, der seine Silbermedaille bekommt. Was für ein Moment auch daheim in St. Tönis, für seine Eltern Sabine und Jörg. Während und nach dem Spiel gehen auf ihrer Facebookseite die Kommentare von Freunden und Daumendrückern hin und her. Einer hat einen Puls von 500. Ein anderes Fazit: „Schade, aber trotzdem ein geiles Spiel!“

„Super Leistung“ — da sind sich alle einig. Sabine Noebels: „Die Chancen in dem sehr, sehr fairen Spiel waren gleich stark. Damit haben die Russen vorher sicher nicht gerechnet.“ Dieses Finale sei eine Werbung fürs Eishockey allgemein gewesen. „Das hat diesem Sport viel gebracht.“ Sie freut sich besonders über den Zusammenhalt innerhalb der deutschen Mannschaft. „Einfach toll!“

Nach der Niederlage seien sie und ihr Mann „genauso deprimiert gewesen wie die Spieler“ — und der Sohn, dessen Gesicht sie in Großaufnahme immer wieder auf dem Bildschirm sehen. „Aber ich habe ihm per SMS aufmunternde Worte geschickt. Und es kommen schon gute Sachen zurück“, sagt sie am Nachmittag.

Kein Verständnis hat sie dafür, dass einige Spieler wegen der angesetzten Dopingprobe nicht an der Schlusszeremonie teilnehmen können, so auch ihr Sohn. Das, sagt sie, hätte man terminlich doch für die Sportler anders regeln sollen.

Am Mittwoch wird Marcel in Berlin empfangen. „Fans und Verein freuen sich“, sagt Sabine Noebels. Im März hoffen sie und ihr Mann auf Marcels Besuch in St. Tönis. „Dann stoßen wir mit ihm und seiner Freundin auf Silber an.“

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