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St. Tönis: Eltern-Kind-Gruppen können bei der Integration helfen

St. Tönis : Eltern-Kind-Gruppen können bei der Integration helfen

Sylvia Fretz hilft beim Programm „Brücken bauen“, ausländische Kinder zu betreuen.

Sie kommen aus dem Irak, dem Iran, aus Syrien und Ägypten, für sie ist in Deutschland alles neu. Was ist ein Kindergarten? Was machen Tagesmütter? Wo melde ich mein Kind an? Auf diese Fragen hat Sylvia Fretz Antworten. Seit Ende Oktober ist die pädagogische Fachkraft im Dienst. Angestellt ist sie bei der Stadt Tönisvorst, finanziert wird ihre halbe Stelle über das Bundesprogramm „Kita-Einstieg: Brücken bauen in frühe Bildung“.

Ihr Büro hat die 41-Jährige im Familienzentrum „Villa Gänseblümchen“ an der Ingerstraße in St. Tönis. Aber auch mit dem Katholischen Familienzentrum Marienheim in St. Tönis arbeitet Fretz eng zusammen: „In Kooperation mit dem Marienheim biete ich seit Ende Mai jeden Mittwoch im Turnraum der Einrichtung eine Eltern-Kind-Gruppe an.“ Fünf bis sechs ausländische Familien kommen mit ihrem Nachwuchs regelmäßig zu den Treffen.

Die Flüchtlingskinder machen dann das, was die Kita-Kinder sonst auch in dem Raum machen: Sie klettern an der Sprossenwand, springen vom Holzkasten, balancieren über eine Bank und rutschen die Rollenbahn herunter. Außerdem singt Fretz mit den Kindern und ihren Eltern Lieder, bringt ihnen Abzählreime und Fingerspiele bei. Es gibt auch Bauklötze, Bauernhoftiere aus Kunststoff und Bilderbücher.

Das Angebot richtet sich nicht
nur an ausländische Familien

„Wichtig ist uns der Zugang zur frühkindlichen Bildung“, sagt die Gruppenleiterin, die betont, dass das Angebot nicht nur für ausländische Familien offen sei, sondern sich an alle Familien mit Kindern bis sechs Jahre richte, die in belasteten Sozial- und Wohnverhältnissen leben. In den Gruppen und über die Betreuung und Begleitung der Familien will Fretz den Zugang zur Kindertagesbetreuung vorbereiten und unterstützen.

Barbara Bischoff-Meder, Leiterin des Katholischen Familienzentrums, plant bereits eine gemeinsame Aktion mit den Kita-Kindern und den Kleinen aus der Eltern-Kind-Gruppe. „Es geht darum, Hürden abzubauen und schon die Jüngsten zu integrieren“, sagt die 58-Jährige. Das ist auch das Ziel des Bundesprogramms: „Frühe Bildung, gleiche Chancen“ ist das Motto dieses bundesweiten Projekts. Gute Kindertagesbetreuung ermögliche gleiche Startbedingungen für alle Kinder, heißt es in der Broschüre. Für Fretz steht fest, dass die Kinder und damit die ganze Gesellschaft gewinnt, wenn die frühkindliche Bildung gefördert wird und die Integration von Menschen aus anderen Ländern in Deutschland gut gelingt.

Den Familien, die die Spielgruppe besuchen, ist dieser Hintergrund wahrscheinlich nicht bewusst. Sie kommen einfach gerne mit ihren Kindern zu den Treffen ins Familienzentrum Marienheim und sind – das zeigt die Verabschiedung von der Leiterin am Ende der Spielstunde – unglaublich dankbar für das Angebot. „Es ist immer sehr herzlich“, bestätigt die 41-Jährige, die auch in Oedt eine solche Eltern-Kind-Gruppe anbietet.

In St. Tönis startet die neue Gruppe für Familien am 11. September um 11 Uhr im Bewegungsraum des Katholischen Familienzentrums Marienheim an der Rue de Sees 32. Die Teilnahme in der Eltern-Kind-Gruppe ist kostenlos.