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Else Tresp aus Anrath bastelt Engel für die Aktion Teddybär

Aktion Teddybär : Rentnerin bastelt Engel aus Gebetsbüchern

Durch Else Tresps Bastelwerke kamen im vergangenen Jahr 1720 Euro Spenden zusammen.

Auf dem Wohnzimmertisch von Else Tresp liegen Dutzende Gebetbuchblätter. In einer Kiste gibt es dieselben, allerdings schon akribisch Kante auf Kante gefaltet. Unzählige kleine Perlen, mal silbern glänzend, mal matt braun schimmernd, warten in einer kleinen Dose auf ihren Einsatz. „Das sind die Köpfe meiner Engel, die ich aus den Gebetbuchblättern bastle“, sagt Tresp, die gerade zu einem dünnen Band gegriffen hat, mit dessen Hilfe der Engel zusammengezogen wird, damit Flügel entstehen. Vorsichtig hantiert die 88-Jährige mit dem Material, wobei auch schon einmal zur Lupe gegriffen wird, wenn ein ganz genauer Blick nötig ist. „Im Alter geht es schon einmal etwas beschwerlicher zu. Aber ich muss sagen, durch das Falten sind meine Hände wieder viel beweglicher geworden. Als ich eine Zeit lang keine Engel gebastelt habe, fingen die Schmerzen in meinen Händen wieder an. Wenn ich aber bastle, ist das weg“, berichtet Tresp.

Die Seniorin backt, bastelt und kocht für viele gute Zwecke

Das ist aber nicht ihre Antriebsfeder für die Herstellung ihrer Schutzengel. Vielmehr liegt ihr das Helfen am Herzen, und das macht die Anratherin mit ihren Engeln auf der ganzen Linie. Jeder Einzelne wird nämlich für die Aktion Teddybär verkauft. Der Förderverein zugunsten krebskranker Kinder, zu dem die Aktion Teddybär gehört, kümmert sich um schwer und chronisch erkrankte Kinder sowie deren Familien. „Als mein Mann damals im Krankenhaus in Krefeld lag, bin ich auf die Initiative gestoßen. Ich fühlte mich angesprochen und wollte helfen“, erinnert sich Tresp, die früher als Kindergärtnerin arbeitete und immer schon kreativ war.

Los ging es vor knapp 30 Jahren mit der Handweberei, wobei sie eine alte ostpreußische Webtechnik nutzte. Lesezeichen mit aufwendigen Mustern und eingestickten Sprüchen sowie Schlüsselanhänger entstanden. Die Anratherin stellte sich in die Küche, buk Plätzchen, stellte Liköre her, produzierte Fruchtaufstriche und bastelte Fröbelsterne von winzig klein bis groß. Aus selbst gepressten Blumen, Moosen und Blättern zauberte sie stilvolle Karten. Dazu kamen Karten, bei denen die Seniorin auf die vielen, von ihr gemachten Blumenbilder zurückgreift. Jedes einzelne Teil, ob gewebt, gebastelt oder die Karten, ist ein Unikat.

Ein Geheimtipp sind ihre Cornflakes-Plätzchen. Sie backe immer mit Butter, und das schmecke man, kommentiert sie ihre hausgemachten Plätzchen. Tresp probiert auch immer gerne Neues aus, insbesondere bei den Fruchtaufstrichen. So hat sie zum Beispiel einen Fruchtaufstrich aus Aroniabeeren, gemischt mit Äpfeln und einem Spritzer Zitronensaft kreiert, der bestens ankommt. Das, was die gebürtig aus Ostpreußen stammende Seniorin herstellt, verkauft sie auf Basaren und Ausstellungen. Ob Ausstellungen im Hanseanum in Krefeld, beim Tag der Heimat des Bundes der Vertriebenen oder beim Basar der Leprahilfe Schiefbahn, überall ist sie anzutreffen.

Das Bastelmaterial zahlt die 88-Jährige aus eigener Tasche

Dann kam ihr vor einigen Jahren die Idee, Engel aus den alten Gotteslobbüchern zu basteln. „Ich habe mir gedacht, wie schön es wäre, wenn ich die Engel auch in einem Anrather Geschäft zugunsten der Aktion Teddybär verkaufen könnte“, sagt Tresp. Sie sprach die Inhaberin von Mewa an und stieß auf offene Türen. Mit einer entsprechenden Information versehen, gibt es ihre Engel seitdem in dem Anrather Warenhaus zu kaufen – und sie sind heiß begehrt. Allein 2019 konnte die 88-Jährige 1720 Euro an die Krefelder Organisation spenden. Wobei sie das Material, das sie für ihre Produkte anschafft, selbst bezahlt und nicht vom Erlös abzieht. Jeder einzelne Euro wird zur Spende.

Das Motto der Anratherin: Wer rastet, der rostet: „Mir ist helfen wichtig. Solange ich das alles noch kann, mache ich das auch. Wobei ich mich bei allen bedanken möchte, die meine Sachen kaufen und dadurch die Aktion Teddybär unterstützen.“