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Eine Schenke-Ecke für die Bürger in St. Tönis

Schränkchen am Rewe-Parkplatz : In St. Tönis gibt es jetzt einen Ort für Geschenke

Susanne Lorenz hat eine Schenke-Ecke eingerichtet. Am Alten Graben steht ein Schrank, aus dem jeder mitnehmen kann, was er möchte.

(tre) Das offene weiße Schränkchen hinter dem Rewe-Parkplatz am Alten Graben in St. Tönis lässt Passanten neugierig schauen. In dem Regal stehen Bücher, von Sachwerken bis hin zu Belletristik. Obendrauf steht eine rote Kiste mit Kleiderbügeln und getrocknetem Moos, das sicherlich einst eine Weihnachtskrippe zierte. Ein Glas ist zu sehen, und in einem Karton liegt ein zweiarmiger Wandleuchter. Zudem stehen zwei Krückstöcke unter dem Schild, das gut lesbar „Schenke-Ecke“ verkündet.

Ein junger Mann beäugt die Gehhilfen, während ein anderer in die Hocke gegangen ist und die Bücherrücken studiert, kurz stoppt, ein Buch herausnimmt und weitergeht. „Hier herrscht immer ein Kommen und Gehen. Durch den Parkplatz sind an dieser Stelle viele Leute unterwegs, und es gibt schon einige, die regelmäßig gucken kommen, was es gibt“, sagt Susanne Lorenz. Die St. Töniserin ist die Ideengeberin für das ungewöhnliche Angebot mitten in der St. Töniser Innenstadt.

„Es gibt so viele Dinge, die man selbst nicht mehr braucht, aber mit denen man anderen Menschen eine Freude machen kann. Ein Freund von mir hat ein solches Angebot vor seiner Garage aufgebaut. Das brachte mich auf die Idee, es hinter meinem Garten zu installieren, der direkt an den Parkplatz grenzt“, sagt Lorenz. Die 57-Jährige stellte ein Regal nach draußen, sicherte es mit Kabelbindern am Zaun und packte Dinge hinein, die sie sonst weggeworfen hätte. Die Resonanz war enorm. Alles wurde mitgenommen – sogar das Regal. Die St. Töniserin stellte den weißen Unterschrank auf, befüllte ihn wieder und packte diesmal neben dem Schild „Schenke-Ecke“ ein weiteres Schild mit dem Hinweis „Schränkchen bitte stehen lassen“ an.

Es funktionierte, und es kam sogar noch besser: Andere Leute stellen ebenfalls Sachen dazu, die sie nicht mehr benötigten. Der Ideengeberin ist es dabei wichtig, dass die Bürger ihre Sachen so in den Schrank packen, dass andere direkt erkennen können, dass es sich um ein Geschenk handelt. Einfach eine Tüte liegenlassen, empfindet Lorenz als lieblos. „Das sieht dann aus wie weggestellter Müll, und dieser Eindruck soll auf keinen Fall entstehen.“

Daher kümmert sie sich zusammen mit einer Nachbarin um die Schenke-Ecke. Dinge, die auch nach mehreren Wochen keinen neuen Besitzer gefunden haben, wandern doch in die Mülltonne, und es wird geschaut, dass alles ansprechend arrangiert ist.

Die Schenke-Ecke hat derweil in der Apfelstadt bei anderen die Idee wieder aufkommen lassen, in St. Tönis einen öffentlichen Bücherschrank einzurichten. „Zu mir ins Geschäft kommen oft Kunden und fragen, wo sie alte Bücher abgeben können. Gäbe es einen Bücherschrank, wäre das eine ideale Lösung“, sagt Judith Rüther-Zeiß von der St. Töniser Buchhandlung. Da sie im Vorstand des Werberings „St. Tönis erleben“ aktiv ist, will sie das Thema mit in das nächste Treffen nehmen.

(tre)