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Tönisvorst: Ein Traum und „29 Jahre Arbeit“

Tönisvorst : Ein Traum und „29 Jahre Arbeit“

Doris Driehsen ist eine moderne Landfrau. Mit ihrem Mann Karl managt die Kempenerin einen Pferdehof im Hülser Bruch. Über Umwege kam sie zum Landleben.

Tönisvorst/Krefeld Die Vormittagssonne taucht die ländliche Idylle in ein perfektes Licht. In den Ställen kehren Mitarbeiter Stroh zusammen, Pferde grasen auf den Wiesen oder schauen aus den Fenstern ihrer Boxen heraus. Rasensprenger verteilen im Garten surrend Wasserfontänen. Zwei Hähne stolzieren über den Hof. Was für ein Imponiergehabe im Revier.

Tönisvorst: Ein Traum und „29 Jahre Arbeit“

Auf dem Luisenhof bekommt man Lust auf ein entschleunigendes Landleben. Straßenlärm, hektische Betriebsamkeit — ausgeblendet. Dabei hat man Krefelds Innenstadtstraßen gerade erst hinter sich gelassen.

Doris Driehsen aus Kempen, die zuerst eine Ausbildung als Kinderkrankenschwester gemacht hat und heute als Landfrau mit ihrer Familie den Luisenhof im Hülser Bruch führt.

Am Flünnertzdyk, im Bruch zwischen Hüls und Inrath gelegen, haben sich die gebürtige Kempenerin Doris Driehsen und ihr Mann Karl dieses Zuhause aufgebaut. 80 Morgen, 20 Hektar. Ein Pferdehof im Grünen. 50 Tiere stehen dort unter. Das ist kein Bauernhof, das ist ein Unternehmen. Die Idylle, darüber täuscht die konzentrierte, aber gelassene Atmosphäre auf dem Hof zunächst hinweg, ist hart erarbeitet. In einer Zahl erzählt: „29 Jahre Arbeit.“

Landfrau Doris Driehsen sagt das ohne erkennbare Ermüdungserscheinungen. Eher mit einem hohen Maß an Pragmatismus und einem Selbstverständnis, der keinen Zweifel darüber zulässt, dass sie, ihr Mann und ihre drei Töchter auf diesem Fleckchen Land genau da sind, wo sie sein wollen.

Der Beruf der Landfrau ist im 21. Jahrhundert weit mehr der einer Managerin als einer Hausfrau. Per Verbands-Definition ist es eine Bäuerin oder Frau, die im ländlichen Raum zuhause ist. Letzteres passt von jeher zu Doris Driehsen. Im Juli 1969 in Kempen geboren, aufgewachsen in der Hüserheide. Grundschule Vorst. Später Umzug nach Kamperlings. Beruflich aber nimmt sie einen Umweg zum Arbeits-Leben auf dem Land.

Nach der mittleren Reife besucht Doris Driehsen die Hauswirtschaftsschule. „Ich wusste schon in der achten Klasse, dass ich Kinderkrankenschwester werden möchte.“ Als 14-jährige hatte sie schon drei Babysitter-Jobs. Sie macht die Ausbildung im Krefelder Klinikum, legt nach drei Jahren das Staatsexamen ab. Mit 21 Jahren sucht sie die vielfältige Abwechslung auf der Station. „Ich bin offen und schnell für etwas zu begeistern.“

Bis 1993 arbeitet sie dort. Als sie ihren Mann kennenlernt, steht bei ihm die Entscheidung an, den Hof seines Onkels und seiner Tante in Krefeld zu übernehmen. Nach Missernten hatten die Verwandten bereits begonnen, den landwirtschaftlichen Betrieb (Kartoffeln, Getreide, Schweine, Milchvieh) umzuorganisieren und Pferdeboxen zu vermieten. Im November 1988 fällt die Entscheidung des Neffen, das fortzuführen und auszubauen. Doris Driehsen trägt sie mit.

„Landwirtschaft hat mich immer interessiert, auch wenn ich nicht auf einem Hof groß geworden bin. Ich habe gemolken, Kappes gepflanzt. Aber mit Pferden hatte ich nie zu tun.“ Dennoch zaudert sie nicht. Ihr Credo: „Auf geht’s!“

Diese Haltung, sie sei doch eine Stärke von Landfrauen. Das Vertrauen auf ein gutes Bauchgefühl, gepaart mit Pragmatismus und dem Willen zu kurzen Entscheidungen, den auch Beate Knodt beschreibt, die als zweite Vorsitzende neben Anne Panzer die Ortsgruppe Benrad-St. Tönis der Rheinischen Landfrauen führt (siehe Kasten). Dem Verband schließt sich auch Doris Driehsen damals an. Sie ist heute eine von 500 000 Mitgliedern, organisiert in 22 Landes-, 430 Kreis- und mehr als 12 000 Ortsverbänden. Zu Benrad-St. Tönis zählen 100 Landfrauen.

Doris Driehsen beginnt zu reiten, macht Abzeichen und sattelt den C-Trainer-Schein drauf. Reitstunden bietet sie auf dem Hof allerdings nicht an. Seit einigen Jahren setzt sie auf ein zweites Standbein auf dem Hof, die Vermietung von Appartements. Man habe sich bewusst dagegen entschieden, noch mehr zu mietende Pferdeboxen anzubieten. Die übersichtliche Wohlfühlatmosphäre ist Doris Driehsen wichtig.

Die Vermietung an Feriengäste ist eine Entscheidung, die sie nicht bereut. „Ich lerne dadurch Menschen aus der ganzen Welt kennen.“ Monteure, Urlauber samt ihrer durchreisenden Geschichten. „Das ist großartig“, sagt Driehsen. „Einen Beruf im Büro hätte ich nie ergriffen.“

Im November wollen die Driehsens feiern. Dann führen sie den Luisenhof auf den Monat genau 30 Jahre. Gefeiert wird mit Familie, Mitarbeitern, Weggefährten, zu denen auch die Landfrauen der Ortsgruppe Benrad-St. Tönis gehören; Freundinnen, Vertraute, Gleichgesinnte, viele ebenfalls Vollzeit-Unternehmerinnen mit enger Verbindung zur eigenen Scholle und der Nachbarschaft.

Ihre Leidenschaft, die, das räumt Doris Driehsen ein, manchmal auch durch die rund-um-die-Uhr-Verantwortung Leiden schafft, hat die nächste Generation bereits erfasst. Tochter Stephi möchte einmal den elterlichen Betrieb übernehmen. Sie hat eine Lehre als Sattlerin und eine kaufmännische Ausbildung bei Stübben in Kempen gemacht, zusätzlich ein Fernstudium „Pferdemanagement“ absolviert. Sie arbeitet zurzeit halbtags bei Stübben, die andere Zeit auf dem Hof. Perfekte Zukunftsaussichten auf dem Land.