Ein Team in neuen Räumen

Fünf Willicher Schulsozialarbeiter haben mit ihrer neuen Adresse die Hemm- schwelle gesenkt.

Willich. Er ist nicht hübsch genug und wiegt zu viel, sagen seine Mitschüler. Ein anderes Mädchen hat Kummer, verletzt sich selbst und kommt in eine Pflegefamilie. In diesen und anderen Fällen sind die fünf Schulsozialarbeiter in Willich gefragt. Sie betreuen stadtweit rund 6000 Schüler von 16 Schulen, dem Berufskolleg und der Pestalozzi-Förderschule. Das Team ist gerade umgezogen. Seine neue Adresse heißt Marseillestraße 14 b. Dort sind Büro und Beratungsraum untergebracht.

Als 1996 der Förderbedarf für Schüler der Anrather Johannesschule anstieg, begann der Kreisverband Viersen der Arbeiterwohlfahrt (Awo) mit der Schulsozialarbeit in Willich. Die Gesamtschulen schlossen sich an, seit 2002 werden auch die Grundschulen betreut.

„Schulsozialarbeit bietet rund 400 Schülern, Eltern und Lehrern pro Jahr niederschwellige Hilfen an“, sagt Henning Ehlers, Abteilungsleiter der Schulsozialarbeit in Willich. Diese Hilfen sind immer gefragter, so Ehlers: „Die veränderte Schullandschaft und der Leistungsdruck tragen als allgemeingesellschaftliches Problem dazu bei.“

Der Vorteil: Die Sozialarbeiter sind für die Schüler Vertrauensperson und Ansprechpartner zugleich. „Sie kommen eher zu uns, als zu Lehrern oder zum Jugendamt“, sagt Ehlers. Die Erfahrung der Jahre zeige, dass dieses „Brücken schlagen“ sehr gut angenommen wird — zumal die Sozialarbeiter fest in den Schulalltag integriert sind.

Die bisherige Anschrift lautete Gießerallee 8, in Räumen der Agentur für Arbeit. „Da war die Hemmschwelle größer, zu uns zu kommen“, weiß Ehlers. Umso mehr freut er sich über den Umzug in ein Wohngebiet. Zum Personal gehören Jutta van Amern, Gerta Rohde-Wanders, Saskia van Hettinga Voß, Maren Giebeler und Stefan Külkens. Sie geben Hilfen zur Alltags- und Lebensbewältigung, fördern Integration, Eigeninitiative und soziale Kompetenz.

Getreu dem Motto „Was Hänschen nicht lernt . . .“ stellen sie schon in der Grundschule Weichen. „Eigeninitiative und Verantwortung vermitteln wir bei Projekten wie dem Besuch eines Altenzentrums mit Viertklässlern“, sagt Sozialarbeiterin Maren Giebeler. „Unsere Loyalität gehört den Kindern“, macht sie auf ihre Schweigepflicht aufmerksam. Doch erst der Einbezug der Eltern macht die Arbeit komplett. Giebeler: „Ohne die geht’s nicht.“

Ihr Kollege Stefan Külkens erklärt seinen Arbeitsansatz von der Prävention bis zur Krisenbewältigung: „Wir arbeiten an unserer eigenen Überflüssigkeit.“ Doch da es nirgendwo perfekt und problemfrei läuft, bleibe die „Lotsenfunktion“ der Schulsozialarbeit gefragt. „Wenn wir pro Jahr nur einen Jugendlichen von einer kriminellen Karriere bewahren, hat sich unsere Stelle ausgezahlt“, sagt Külkens.

Er blickt mit Sorge aufs nächste Jahr, wenn die Finanzspritze vom Bildungs- und Teilhabeprojekt wegfällt. „Vertrauen wächst nur langsam. Umso wichtiger ist es, dass wir die Schüler weiterhin begleiten können.“ Gleichwohl betont die Awo die gute Zusammenarbeit mit der Stadt Willich. Diese ist auch bei der Integrationshilfe samt Sprachförderung notwendig, damit jedes Kind gleiche Chancen erhält.