Willich: Ein Strohballen wiegt 250 Kilo

Willich: Ein Strohballen wiegt 250 Kilo

Die Weizenernte ist in vollem Gange. Landwirt Bernd Steves aus Anrath hat sein Lager bereits gut gefüllt.

Anrath. Die Gerste ist eingefahren, die Weizenernte in vollem Gange — durch die seit April andauernde Trockenperiode zweieinhalb Wochen früher als üblich. Nun liegen sie also wieder überall — zumindest kurzfristig — auf den stoppelkurz gemähten Feldern: die Stroh- und Heuballen. Über so einen Strohballen gibt es — wörtlich zu verstehen — viel zu erzählen, also Zahlen. Landwirt Bernd Steves aus Anrath kennt Maße, Gewicht und Preise.

Foto: Reimann

Ein Rundballen Stroh wiegt 250 Kilogramm. Die Ballen, die Steves für seine 330 Kühe und Kälber einlagert, haben einen Durchmesser von 1,50 Meter. Es gibt sie auf dem Stroh-Markt auch etwas kleiner (Durchmesser von 1,20 Meter) oder etwas größer (1,80 m). Die Ballen sind 1,20 Meter breit. Für einen Strohballen mäht man etwa 500 Quadratmeter Feld ab, in der Größenordnung vergleichbar mit zwei kleinen Reihenhausgärten. Anders gerechnet: 20 Ballen pro Hektar.

Foto: Kurt Lübke

Steves ist ein Stroh- und Viehbetrieb. Das eigene Getreide nutzt Bernd Steves in seinen Ställen selbst. Es macht zehn Prozent der erforderlichen Menge pro Jahr in seinem Betrieb aus. „Den Rest kaufen wir zu“, sagt er. Strohballen kaufen also Landwirte, in der Gegend auch die vielen Reiterhöfe. Bernd Steves: „Ein Pferd braucht pro Monat einen Ballen Stroh.“

Auf dem Steves-Hof werden im Jahr 900 bis 1000 Ballen Stroh zum Einstreuen und 500 Ballen zum Füttern benötigt — das ist die Menge, die er für seine 320 Kühe plus Jungvieh berechnen muss.

Stroh: Maße, Menge und Gewicht

Früher waren Strohballen kleiner und rechteckig. „Die sind heutzutage eine Rarität“, sagt Bernd Steves. Denn die müsse man noch mit der Hand bewegen und auf den Hänger laden. Es gibt heute zwar noch rechteckige, aber deutlich größere Ballen. Sie seien platzsparender zu lagern, weil besser zu stapeln, sagt Steves, aber auch etwas teurer im Presslohn. Üblich sind nun die Rundballen im Netz. Ihr Vorteil: Man kann sie hochkant gestellt draußen lagern, weil Regen vom Netz abtropft und nicht ins Stroh einzieht. Das hingegen würde bei den rechteckigen Strohballen passieren. Schon nach einem größeren Regenschauer könnte die obere Schicht durch die einziehende Feuchtigkeit leiden.

Die Strohernte hat sich in diesem Jahr weit nach vorne verlegt. Die Gerste sei normalerweise Mitte Juli zu ernten, sagt Steves. Nun sei die Gerstenernte bereits seit acht Tagen erledigt. Der Weizen, der gerade vom Feld geholt wird, wäre in einem niederschlagsnormalen Jahr erst Ende Juli, Anfang August fällig. Lohnunternehmer mähen und pressen. Steves hat sein Lager bereits gut gefüllt. Die Trockenheit führt allerdings dazu, dass die Halme kürzer sind. Steves rechnet mit einem Ernte-Minus von zehn bis 30 Prozent. Eine vergleichbare Trockenheit hat es, hat Bernd Steves’ Vater erzählt, 1976 gegeben. „Ich kann mich nicht erinnern“, sagt Sohn Bernd. Er ist in jenem Jahr geboren.

Bernd Steves zahlt „zwischen 20 und 25 Euro pro Ballen“. Er sieht zu, dass er sich mit seinem Stroh- und Heubedarf für Einstreu (normale Halmlänge) und Futter (vier Zentimeter kurze Halme) noch während der Erntezeit eindeckt. Er achtet auf genügend Puffer. „Es gibt ein Sprichwort: Man sollte bis Weihnachten altes Futter haben.“ Mit Blick auf den Mais, der eigentlich dafür bekannt ist, dass er wenig Wasser benötigt, ist Steves übrigens in diesem Jahr besonders froh über seinen Noch-Vorrat. „Die Trockenheit setzt dem Mais in diesem Jahr sehr zu.“

An überdachter Lagerfläche für die Stroh- und Heuballen hat der Anrather Steves etwa 1000 Quadratmeter, die Hälfte der Fläche auf dem eigenen Hof an der Jakob-Krebs-Straße neben der Bahnlinie, die andere Hälfte in zwei angemieteten Scheunen. Steves bewirtschaftet 100 Hektar Land. 80 Prozent der Arbeitskraft auf dem Hof gilt der Fütterung und Versorgung der Tiere. Übrigens: Die mit Folie eingepackten Ballen, die man auch auf Feldern sieht, enthalten Silage. Siliert werden können laut Wikipedia grundsätzlich alle Grünfuttermittel: Gras (Grassilage), Mais (Maissilage), Klee, Luzerne, Ackerbohnen oder Getreide (als Ganzpflanzensilage).

Drei Mann sind heute nötig, um den Steves-Hof mit seinem Strohvorrat zu versorgen. Ein Lohnunternehmer wird samt Mähdrescher geordert, zwei Mann vom Hof holen die fertig gepressten Ballen ab, bringen sie an die unterschiedlichen Lagerstätten und stapeln sie dort. „Einer presst, zwei fahren — bei gutem Wetter wie zurzeit schaffen wir 200 Ballen am Tag. Das muss zügig gehen. Wenn alles passt, sind wir in einem Zeitraum von sechs Tagen durch.“ Früher hätten für diese Arbeit sicher 80 bis 100 Leute arbeiten müssen, „wenn nicht noch mehr, um das Stroh von Hand auf die Hänger oder Karren zu bringen“. Das könne man sich gar nicht mehr vorstellen.

Die trächtigen Kühe im Geburtszeitraum und die Kälber bekommen auf dem Steves-Hof mehr als eine deutliche Extra-Portion, weil sie komplett auf Stroh liegen, sagt Steves. Er rechnet etwa zehn Kilogramm Stroh pro Tier pro Tag. Seit Montag muss er mehr als „doppelt“ zählen. Da gab es auf dem Hof zwei Zwillingsgeburten. Das gibt es auch nicht alle Tage.