1. NRW
  2. Kreis Viersen
  3. Willich und Tönisvorst

Tönisvorst: Ein merkwürdiger Gruß zum Fest

Tönisvorst : Ein merkwürdiger Gruß zum Fest

Bei der Suche nach einem originellen Postkarten-Motiv für ihre Weihnachts-Post an die Mitglieder stieß die CDU Tönisvorst auf ein Bild, das zu einer Parodie gehörte.

Tönisvorst. Das Thema ist ebenso brisant wie hochaktuell: Fake News — Nachrichten, die nicht stimmen und einfach in die Welt gesetzt wurden. Und dann werden sie verbreitet — ohne dass jemand auch nur mal ansatzweise nach dem Wahrheitsgehalt gefragt hätte. Ähnlich ist das, was der Tönisvorster CDU in den vergangenen Tagen passierte. Sie verschickte einen Weihnachtsgruß mit einem ganz und gar unpassenden Bildmotiv.

Was war passiert? „Wir wollten etwas Besonderes auf der Karte haben“, erklärt Partei-Chef Günter Körschgen. Also suchte einer seiner Mitstreiter im Netz, stieß dort auf einen angeblichen Weihnachtsbrief von Bundeskanzlerin Angela Merkel an alle CDU-Mitglieder. Der zeigte eine Krippenszene, von der der CDU-Mann überzeugt war, dass diese auch auf die Tönisvorster Glückwunschkarte passen würde. Dort wurde das Motiv schließlich auch platziert, darunter wurden die Glückwünsche von Partei und Fraktion veröffentlicht — wie die Chefin, so die Partei.

„Man hat mir das Motiv vorgelegt und ich habe es abgezeichnet“, sagt Günter Körschgen, dem diese Angelegenheit ziemlich peinlich ist. In der Kreis-Geschäftsstelle wurde die Karte schließlich gedruckt und an die rund 250 Tönisvorster Mitglieder verschickt.

Was keiner der Beteiligten gesehen hatte: Die angebliche Krippenszene zeigt rechts und links Menschen — offenbar Flüchtlinge — die durch Stacheldraht davon abgehalten werden, zur Krippe zu kommen. Auf einer Seite des Stalls bohrt sich eine Mistgabel in den Arm eines verblutenden Mannes, auf der anderen Seite eine Sense in den Bauch einer Frau.

Zurück geht dieses Motiv auf eine Aktion einer Gruppe, die sich als Nachrichten-Guerilla bezeichnet. Im Jahr 2014 verteilte ein junger Mann an einem angeblichen CDU-Stand Weihnachtsgrüße der Bundeskanzlerin an Passanten. Dabei wurde die Krippenszene verwendet. Von den Passanten, die das Papier in die Hände bekamen, merkte kaum jemand, dass das Ganze eine Fälschung war. Genau auf dieses Motiv war nun die CDU Tönisvorst gestoßen, ohne zu registrieren, dass es sich um eine Parodie handelt.

Was sagt die Kreispartei zu der Geschichte? „Nichts“, erklärt Partei-Chef Marcus Optendrenk. Schließlich habe der Stadtverbands-Vorsitzende Günter Körschgen völlig richtig reagiert und die Sache öffentlich gemacht. Nun gelte es, den Fehler zu korrigieren. Außerdem sei dies keine Karte gewesen, die für die Öffentlichkeit bestimmt gewesen sei, sondern für die Mitglieder.

Kaum lagen die Karten gestern im Briefkasten, begannen die Telefone zu glühen. Bei Günter Körschgen meldeten sich Partei- und Fraktionsmitglieder und fragten nach, ob denn noch alles in Ordnung sei. Was es natürlich nicht war. Der Spitze der Union ging es nun um Schadensbegrenzung. Und zwar auch sehr schnell. „Wir werden umgehend neue Karten drucken und die an die Mitglieder verschicken“, so Körschgen. Und das geschah schnell, sehr schnell sogar. Gestern Nachmittag, kurz nach 15 Uhr, wurden in der Kreisgeschäftsstelle in Viersen schon die neuen Weihnachtsgrüße gedruckt. Als Fotomotiv sind diesmal vier Kerzen und ein Apfel zu sehen.