Willich: Ein klebriger Sturm auf die Königsburg

Willich : Ein klebriger Sturm auf die Königsburg

Was mit einem einträchtigen Mittagessen begann, endete in einem erbitterten Kampf: Am Ende setzten sich die Angreifer am Grenzweg durch.

Oberleutnant Hans-Josef Ronken hatte es am Sonntag geahnt: Die Rebellion der Schützen der St.-Konrad-Schützengilde werde kommen — und es werde ein harter Kampf um die Burg werden. Nach dem noch einträchtigen Mittagessen mit Erbsensuppe begannen um 14 Uhr gestern die Auseinandersetzungen — ausgelöst durch ein hinterhältiges Manöver der Königsgruppe „MacAlt“.

Einige als Mönche verkleidete Schützen promenierten scheinbar friedlich vor der Königsburg von König Rene Recken und Königin Katja, attackierten dann aber die Schützen Guido Meskes (Buure), Timo Suhlis und Christian Schroers. Alle drei wurden mit farbigem Kleister „geteert“ und gefedert — ein Vorgang, den Ehrenpräsident Gerd Zenses (auch Mitglied bei „MacAlt“) gelassen mit den Worten kommentierte: „Das ist nicht christlich, aber das sind auch schottische Mönche.“

Die Angegriffenen versuchten, sich mit einem Bad in der Niers zu reinigen — das half nicht viel. Auch der nächste Schachzug der Königsgruppe ließ keinen Friedenswillen erkennen: Aus den Burgtürmen quoll nicht weißer, sondern blauer Rauch. Das reichte den Gilde-Mitgliedern. „Wir werden scheiße nass“, ahnte ein Mitglied der Buure.

Und dann begann auch schon der planvolle Angriff: Die jüngeren Gilde-Mitglieder machten den Auftakt: die Zaubermäuse mit Wasser- und Kleisterbomben, die Tellschützen unterstützten zusätzlich mit Farbbomben. Die Mädels kehrten mit leicht angeekelten, aber begeisterten Gesichtern zurück.

Mit dem Eingreifen der erwachsenen Schützen wurde das Angriffsmaterial fieser. In Wellen griffen erst die einzelnen Gruppen an — Grenadiere, Buure, Fahnengruppe mit Boot, Edelweiß — und setzten neben viel Wasser, Mehl und Kleister auch vergorenes Gras, Schlamm aus dem Fischteich und aus Fallobst gewonnenen, nicht trinkbaren Branntwein ein.

Die Burgverteidiger waren gut vorbereitet: Sie holten aus der Niers über eine seitliche Versorgungsleitung Wasser für die Spritzen. Vor allem die Damen der Gruppe erwiesen sich als streitbar. Was die Angreifer nicht wussten: Es gab einen seitlichen Geheimausgang aus der Burg, durch den die Verteidigerinnen mehrfach in das Kampfgetümmel vor der Burg eingriffen.

Nach etwa 20-minütiger Auseinandersetzung wurde es den Angreifern zu bunt. Mittlerweile hatten auch die Schützen vom jenseitigen Niers-Ufer den Fluss durchquert, und der Generalangriff begann. Nach etwa fünf Minuten fiel das Burgtor und König Rene wurde mit weißer Fahne aus der Burg geholt. Das Friedenssignal half dem König nicht mehr — die Majestät, Verteidiger und Angreifer fanden sich in der Niers wieder.

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