Ein Hörspiel mit viel Biss

Ein Hörspiel mit viel Biss

Der „Vampir von Düsseldorf“ wird Hauptperson eines Hörspiels. Geschrieben hat es der Willicher Gordon Worthmann.

Willich/Düsseldorf. Vor genau 100 Jahren musste die neunjährige Christine Klein sterben: Ein Einbrecher schnitt ihr im Schlaf die Kehle durch. Der Mörder konnte unerkannt entkommen, der Mord konnte erst 17 Jahre später aufgeklärt werden. Denn der Täter kehrte zurück und verübte eine Mordserie in Düsseldorf, die ihm zu zweifelhaftem Ruhm verhalf: Die Presse nannte ihn den „Vampir von Düsseldorf“, weil er das Blut seiner Opfer trank.

„Diese Geschichte klingt unglaublich, hat sich aber so zugetragen“, sagt der Willicher Gordon Worthmann, Student an der Heinrich-Heine-Universität. Unter dem Pseudonym „Jim Gordon“ hat er ein 300-seitiges Manuskript über die Verbrechens-Serie verfasst. Zunächst als düster angehauchter Kriminalroman geplant, schrieb er es später zu einem Drehbuch für eine Hörspielserie um.

Er schickte das Skript an Nina Reuland, Chefredakteurin des Hochschulradiosenders [97,1], die sofort begeistert war und die Geschichte — trotz ihrer Länge und der hohen Anzahl an Sprechern — vertonen wollte. So entstand „Rheinblut“, eine Krimireihe, die im Herbst abends im Hochschulradio und im Internet wöchentlich ausgestrahlt wird.

Die Fakten aus der Zeit der Mordserie lesen sich wie ein Mix aus Alfred Hitchcock und David Lynch. Die Geschichte wird aus der Sicht des fiktiven Detektivs Kurt Spindler erzählt. Auch wenn die Hauptfigur erfunden ist, so sind die Fakten aktenkundig verbucht und wurden mit vielen Details in die Geschichte eingebaut.

„Dass ich einen erfundenen Detektiv als Protagonisten nahm, hat den Hintergrund, dass die Polizei damals ziemlich versagt hatte. Da fungierte ein Detektiv weitaus besser als Identifikationsfigur“, so Worthmann. Die übliche Frage „Wer ist der Mörder?“ rücke mit zunehmenden Verlauf der Ermittlungen mehr und mehr in den Hintergrund. Vielmehr treibe Spindler die Frage an, wie aus einem Menschen solch ein Monster werden konnte. So sei die Hörspiel-Reihe mit der Ergreifung des Täters noch nicht beendet, sondern rücke dessen Persönlichkeit selbst in den Mittelpunkt.

Allgemein habe er der Figurenentwicklung viel Aufmerksamkeit gewidmet. So wirke Kurt Spindler zu Anfang wie das Abziehbild eines zynischen Privatermittlers, im Zuge der Ermittlungen verschwimme jedoch das Bild des Verbrechers und des Gesetzeshüters. „Das Ganze ist düster und definitiv nicht für Kinder geeignet. Es wird jedoch an keiner Stelle eklig, denn das Meiste spielt sich im Kopf ab“, erzählt Gordon Worthmann, der auch die Regie übernimmt.

Das Meiste werde aus den Handlungen und den Dialogen der Protagonisten ersichtlich. „So hat man das Gefühl, direkt dabei zu sein“ sagt Nina Reuland, die als ausführende Produzentin fungiert: „Der Stoff bot sich geradezu dafür an, mal etwas Neues zu probieren.“ Im Gegensatz zu etablierten Sendern sei das Hochschulradio experimentierfreudiger. Daher hätten grenzwertige Szenen und selbst die härtesten Kraftausdrücke nie zur Diskussion gestanden.

Das Gefühl der 20er und frühen 30er Jahren werde durch den Soundtrack erreicht, denn bei „Rheinblut“ verwende man mit Josephine Baker, Louis Armstrong oder den Comedian Harmonists ausschließlich Originalmusik aus dieser Zeit. Auch wurden viele Dialoge eins zu eins aus den Archivprotokollen übernommen.

Gerade steht der Sender in Planungen, zum Ende der Serie das Werk über einen Hörverlag als CD vertreiben zu lassen. Insgesamt hat das Hörspiel eine Länge von 270 Minuten und war mit über 30 Sprechern so groß angelegt, dass sogar zwei externe Aufnahmeteams in Köln und in Willich hinzugezogen werden mussten.

Die erste 25-Minuten-Folge der Serie soll Mitte Oktober ausgestrahlt werden.

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