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Die Tourismusbranche kämpft - auch in Kempen und Willich

Ferien am Niederrhein : Die Tourismusbranche kämpft

Corona sorgte am Niederrhein für einen massiven Einbruch der Übernachtungszahlen – die WZ blickt nach Willich und Kempen.

In diesem durch Corona geprägten Jahr zieht es viele Deutsche nicht in die Ferne, sie bleiben lieber innerhalb der Landesgrenze. Neben Ost- und Nordsee oder den Bergen und Hügeln im Allgäu oder Schwarzwald, bieten sich für Urlaube auch andere Regionen an. Wie beispielsweise der Niederrhein. In der überwiegend ländlich geprägten Region gibt es neben Hotels auch Ferienwohnungen. Die WZ hat sich bei einigen Anbietern umgehört, wie es um die Auslastung bestellt ist.

Seit zwei Jahren kann man auf dem Kerstenhof der Familie Schmitz in Clörath eine Ferienwohnung buchen. Maria Schmitz ist in Willich für die Vermarktung zuständig. Sie berichtet, dass ihr Mann Heinz-Josef vor vier Jahren in Rente gegangen ist und ihr Sohn den Betrieb nur noch im Nebenerwerb betreibt. „Wir haben uns überlegt, was wir tun können, um etwas dazu zu verdienen, um den Hof zu erhalten“, sagt die 65-Jährige. Die Familie habe sich für einen Umbau im hinteren Bereich des Kuhstalls entscheiden und eine Ferienwohnung eingerichtete.

„2018 ist sie fertig geworden und wir sind angenehm überrascht. Denn es läuft relativ gut“, sagt Maria Schmitz. Im Angebot sind zwei Schlafzimmer mit je zwei Betten, eine große Wohnküche, Badezimmer, Gäste-WC und Abstellraum. „Und wir haben vier Sterne vom deutschen Touristikverband bekommen“, ist die Willicherin stolz. Den Hauptanteil an der Belegung hätten Monteure, die die Woche über die Ferienwohnung nutzen würden. Das habe sie auch gut über die Coronazeit kommen lassen. Denn: „Die drei Männer, die bei einer Firma in Kempen gearbeitet haben, blieben über Wochen bei uns.“ Wären die abgereist, hätte es Leerstand gegeben. „Und da wir sonst auch Gäste von Messen in Düsseldorf und anderen Großveranstaltungen haben, wären diese wegen der Absagen ausgeblieben“, ist sich Schmitz sicher.

Tourismus GmbH verzeichnet massiven Einbruch der Zahlen

Urlaube von Familien kämen seltener vor. Sie würden aber vom zusätzlichen Angebot des Vierkanthofes, der 1660 erstmals erwähnt wird, profitieren: Man kann dort Kindergeburtstag feiern. Und so sorgen Pferd, Pony, Esel, Schafe, Minischweine, Hühner, Kaninchen und Katzen für Abwechslung. Dazu gibt es einen ganzen Fuhrpark an Bobbycars und Traktoren sowie einen Spielplatz.

Die Niederrhein Tourismus GmbH hat für Ferienwohnungen keine Zahlen, da diese erst ab zehn Zimmern erfasst ­werden. Geschäftsführerin Martina Baumgärtner weiß aber von den Vermietern, „dass die Nachfrage bei Ferienwohnungen, Camping und Reisemobil sehr gut ist“. Ihr liegen auch die neuesten Zahlen für die Region – die vier Landkreise Viersen, Kleve, Wesel und Heinsberg – bei den Übernachtungen vor. Sie stammen vom April. „Da liegen wir bei 365 464 Übernachtungen zu 615 174 in 2019. Das sind für dieses Jahr also 59,4 Prozent weniger“, teilt die Geschäftsführerin mit. Für den Kreis Viersen bedeute dies für den Zeitraum Januar bis April 2020  67 721 Übernachtungen - im Vergleich zu 2019 (97 595 Übernachtungen) ein deutlicher Rückgang: Das sind 69,38 Prozent weniger.

Kempener Hotel Papillon
kämpft mit großen Problemen

Diese Prozentzahl ist für das Hotel Papillon an der Thomasstraße in Kempen noch zu hoch gegriffen. „Wir kämpfen“, sagt Barbara Kipfelsberger, die das 25-Zimmer-Hotel gemeinsam mit ihrem Bruder Stefan betreibt. Neben dem Haupthaus gibt es zwei Dependancen, die aber im Moment geschlossen sind. „Wir haben uns bewusst als Haus für Geschäftsleute positioniert“, erklärt Kipfelsberger. Die blieben nun aus. Einige wenige deutsche Geschäftsleute kämen, denn die ausländischen Gäste blieben unter anderem wegen der Quarantäneregeln aus. Am Wochenende, wenn früher Ausflügler oder Hochzeitsgäste das Hotel belegten, könnte sie nun drei bis vier Privatleute begrüßen. In guten Zeiten wurden in der Woche bis zu 35 Frühstücke an Geschäftsreisende serviert, sagt Kipfelsberger und am Wochenende 72. Jetzt seien es fünf bis zwölf. „Es gibt natürlich kein Büffet mehr, sondern Tellerfrühstück. Und durfch die Abstandsregeln könnten wir auch nicht mehr so viele Leute bewirten“, erklärt die Hotelbetreiberin aus Kempen.

Da es wenig Arbeit gebe, seien von den zwölf Mitarbeitern bis auf eine Kraft alle in Kurzarbeit geschickt worden. „Auch mein Bruder und ich sind im Wechsel in Kurzarbeit“, sagt Kipfelsberger. Die Fördergelder seien schon längst verbraucht, man zehre von den Reserven und hoffe auf ein Entgegenkommen des Verpächters.