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Die evangelische Kirche in Vorst wird 50 Jahre alt

Vorster Kirche wird 50 Jahre alt : Vorster Kirche – schlichtes Schmuckstück

Seit 50 Jahren steht das evangelische Gotteshaus in Vorst: Ein Sinnbild der Bescheidenheit, wie es sich der damalige Pfarrer wünschte.

Das Licht, das durch die Kuppeln im Kirchendach fällt, sammelt sich im Altarbereich und taucht die Kanzel in eine natürliche Helligkeit, die ein wenig an einen Heiligenschein erinnert. „Die Kuppeln haben wir damals genauso eingeplant, dass das Morgenlicht auf diesen Bereich fällt, damit bei den Morgengottesdiensten diese besondere Atmosphäre zur Geltung kommt“, sagt Horst Junga. Dabei schaut sich der Architekt um, der seinerzeit als Mitarbeiter des Krefelder Architekturbüros von Berthold Schröder zusammen mit seinem Chef für die Durchführung und Bauleitung der evangelischen Kirche in Vorst zuständig war. Viel verändert hat sich in den 50 Jahren, seit das Gotteshaus erbaut wurde, nicht.

Dem Granitboden sieht man sein Alter nicht an, und die mit Kupferblech beschlagene Eingangstür hat der Zeit ebenfalls problemlos standgehalten. Das ins Mauerwerk eingelassene Kreuz gegenüber dem Altar erstrahlt dank seiner Glaseinsätze in flammendem Rot, und die mit Marmorplatten versehene Kanzel und der Altartisch haben nichts von ihrer schlichten Eleganz verloren. Die evangelische Gemeinde Vorst blickt in diesem Jahr auf das 50-jährige Bestehen ihrer Kirche und feiert das am 22. März mit einem Festgottesdienst – eine Punktlandung, denn das Gotteshaus wurde am 22. März 1970 eingesegnet.

 Das Ensemble aus Glockenturm, Paul-Schneider-Haus (Mitte) und Kirche ist in Vorst ein echter Hingucker.
Das Ensemble aus Glockenturm, Paul-Schneider-Haus (Mitte) und Kirche ist in Vorst ein echter Hingucker. Foto: Reimann, Friedhelm (rei)

Die Geschichte der alten Kirche ist der Gemeinde nicht mehr bekannt

Die ersten Gedanken an eine neue Kirche waren bereits 1966 aufgekommen. Die Holzkirche, die in der Nähe der Vorster Grundschule stand, war für die stark gewachsene Gemeinde zu klein geworden. „Es war damals mehr oder weniger nur ein Raum“, erzählt Wolfgang Lahn, Finanzkirchmeister der Gemeinde: „Laut Erzählungen wurde die Kirche von einer schwedischen Gräfin gestiftet. Wie allerdings die Zusammenhänge waren, das weiß keiner mehr.“

 Zur Eröffnung im Jahr 1970, nach zwölf Monaten Bauzeit, kamen zahlreiche Vertreter der evangelischen Kirche.
Zur Eröffnung im Jahr 1970, nach zwölf Monaten Bauzeit, kamen zahlreiche Vertreter der evangelischen Kirche. Foto: Wolfgang Kaiser (woka)

Das Grundstück, auf dem die neue Kirche errichtet werden sollte, befand sich im Besitz der Gemeinde, lag damals aber noch mitten im Grünen. In der Nachbarschaft gab es lediglich eine Gärtnerei. Im Presbyterium fiel unter der Federführung der Presbyter Wilhelm Neuschäfer, Horst Kopenhagen und Hans Kellers der Entschluss, ein neues Gotteshaus zu bauen. Ein Architekturbüro wurde beauftragt. Der dortige Architekt Junga gehörte ebenfalls der Kirchengemeinde an. Von 1966 bis 1968 entwickelte das Architekturbüro ein Konzept, das nicht nur den Bau einer Kirche umfasste, sondern auch den eines Gemeindehauses, eines Pfarrhauses und eines Glockenturms. Doch das Gesamtpaket war der Gemeinde zu teuer. Sie hätte zu viel Geld aufnehmen müssen, und das wollte sie nicht.

Dem damaligen Pfarrer Ernst Quack war Schlichtheit wichtig. Er wollte klare Linien ohne Schnörkel, bescheiden und einfach sollte es sein. „Selbst für die Fensterseite wollte der Pfarrer kein Buntglas, sondern nur einfaches Glas haben“, erinnert sich Junga. Der Bau verlief planmäßig. Es wurde ein Kupferdach gewählt, denn Dachpfannen wären zu anfällig gewesen. Zwei Betonwände wurden innen mit offenporigen Klinker versehen, was der Akustik zugute kam. Innerhalb der Kirche war zudem ein kleiner Raum für Gebete und Konfirmandenunterricht abgeteilt worden.

Der Glockenturm
stammt aus dem Jahr 1997

Ende 1969 war der Neubau nach knapp einem Jahr Bauzeit fertig. Bei der Einsegnung erhielt Quack die Schlüssel aus den Händen des damaligen Präses der Evangelischen Landeskirche, Joachim Beckmann. Die Holzkirche wurde indes abgebaut. „Sie ist irgendwo wieder aufgebaut worden“, sagt Lahn. Die Glocke aber wurde in einem Außengestell an der Betonpergola der neuen Kirche montiert. Dort blieb sie, bis 1997 der Glockenturm gebaut wurde. Heute hängt die kleine Glocke neben dem Modell der ehemaligen Holzkirche im Eingangsbereich der Kirche.

In den ersten Jahren gab es lediglich einen Orgeltisch, der später noch in der Friedhofskapelle zum Einsatz kam, 1999 folgte die heutige Orgel auf der Empore. Das Metallkreuz über der Kanzel kam kurze Zeit später. Bis zu diesem Zeitpunkt war das im Mauerwerk eingelassene Kreuz das Einzige in der Kirche gewesen. Die Pläne für das Gemeindehaus wurden 1984 realisiert, ein Jahr später wurde das Pfarrhaus gebaut. Von 2002 bis 2004 erhielt der ehemals eingeschossige Bau seinen heutigen markanten Aufbau.

„50 Jahre nach dem Bau der Kirche hat sie noch immer ihr Gesicht von einst, wenngleich sich drumherum viel verändert hat“, sagt Lahn. Aktuell steht noch eine Umnutzung innerhalb der Kirche an. Der kleine Gebets- und Konfirmandenraum war jahrelang Bibliothek, soll aber nun ein Treffpunkt in der Kirche werden. Wer seinen eigenen Bücherbestand aufstocken möchte, kann daher gegen eine kleine Spende Bücher mitnehmen.