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Die erste Saison an der „Ritterburg“

Die erste Saison an der „Ritterburg“

Svenja Küppers-Heinrich tritt ab Herbst in die Fußstapfen von Doris Thiel, die 30 Jahre lang die Spielzeiten der Schlossfestspiele betreut und organisiert hat. Die „Neue“ im Porträt.

Neersen. Erstes Kennenlernen, ersten Händeschütteln, erste Informationen zur Person: Schon nach drei Fragen zu ihrem Steckbrief — und da ist ihre Studienzeit im westfälischen Münster gerade erst erreicht — offenbart sich bereits das breite Interessensfeld von Svenja Küppers-Heinrich: Sie liebt Zahlen, die Mathematik, sie liebt Wien und sie liebt die Schrittfolgen des Latein-Formationstanzes, den sie einige Jahre bis zur zweiten Bundesliga-Reife trainiert hat.

Die erste Saison an der „Ritterburg“
Foto: Kurt Lübke

Svenja Küppers-Heinrich ist die Neue in der Willicher Stadtverwaltung, die Neue im Team der Schlossfestspiele, die nach dieser Spielzeit die 30-jährige Tätigkeit von Doris Thiel fortsetzt und fortentwickeln wird.

Die erste Saison an der „Ritterburg“

Ihr Anspruch an sich und ihre neue Aufgabe: „Die Schlossfestspiele sollen mindestens so gut weiter gehen wie bisher. Sie sollen noch ein bisschen bekannter und noch ein bisschen größer werden. Ihr Charakter aber soll erhalten bleiben.“

Geboren ist Svenja Küppers-Heinrich am 2. August 1982 in Mönchengladbach, genauer gesagt in Neuwerk, damit in unmittelbarer Nachbarschaft zum Willicher Verwaltungsstammsitz im Schloss.

Nach dem Abitur 2001 am Gymnasium in Odenkirchen studierte die junge Frau drei Semester Mathematik in Münster, verlagerte dann den Schwerpunkt auf die Betriebswirtschaft und schloss den Bachelor ab.

„Theateraufführungen haben mich in meiner Schulzeit wenig gelockt.“ Aber Praktika etwa am Landestheater in Neuss oder in Hamburg hatten ihr Interesse geweckt — vor allem für das Geschehen hinter dem Vorhang.

Svenja Küppers-Heinrich sattelte ein Studium drauf: 2008 zog die Niederrheinerin nach Wien und schrieb sich für den Studiengang Theater, Film und Medienwissenschaft ein.

Svenja Küppers-Heinrich, Nachfolgerin von Doris Thiel

„Die Stadt ist ein Traum“, schwärmt sie. Und ihre Studentenjobs waren es damals wohl auch: „Ich war erst Ankleiderin bei Musicalproduktionen, arbeitete dann in der organisatorischen Assistenz bei Tanz der Vampire mit.“

Probenpläne schreiben, im Hintergrund alles organisieren, was nicht in den künstlerischen Bereich einer Produktion fällt — beste Voraussetzungen für ihre erste Festanstellung nach Studienende.

In Wien wurden die Koffer ausgepackt, es ging zurück an den Niederrhein. Am 1. Februar 2012 war ihr erster Arbeitstag am Stadttheater/Musikdirektion Aachen, zunächst im Bereich Marketing/Vertrieb. Dazu gehörte unter anderem die Verwaltung des Ticketsystems. Später war sie in der kaufmännischen Abteilung als stellvertretende Leiterin für das Controlling zuständig.

Im Herbst machte eine Kollegin sie auf die Stellenausschreibung in Neersen aufmerksam. Küppers-Heinrich machte sich schlau, bewarb sich und bekam die Zusage für die Stelle. Nun hat sie ihre tägliche Fahrtzeit zwischen Büro und Zuhause von insgesamt gut drei auf höchstens eine Stunde reduziert.

Auch ein gutes Argument für den Wechsel. Und die Nähe zur Familie in Grevenbroich, zu ihrem Mann und ihrem dreijährigen Sohn. Der war bei seinem ersten Besuch im Neersener Schloss mit Fotoshooting für das Dschungelbuch-Plakat ganz aus dem Häuschen: „Mama Ritterburg!“ ist nun zu Hause ein geflügeltes Wort.

Noch sitzt Svenja Küppers-Heinrich in einem Büro in Schiefbahn, der Umzug ins Vorwerk des Neersener Schlosses steht bald an.

Nah dran sein, alles erleben, erfragen, erkunden an der Sommerspielstätte — darauf freut sich die Neue, die künftig ein noch umfassenderes Aufgabengebiet als bisher übernehmen wird. Auf die klassische Ausrichtung des diesjährigen Programms ist sie gespannt. „Operette — das hat mich überrascht“, sagt sie. Dschungelbuch — das begeistert sie. „Und Charlys Tante modern gemacht — mit Kalle Pohl, das wird gut.“

Intendant Jan Bodinus hat sie bereits persönlich getroffen, „wir haben uns sehr gut verstanden“. Was Zahlen und Machbarkeit von Produktionen angeht, wird sie mit ihm, sobald sie dafür zuständig ist, verhandeln. „Meine Meinung zu Stücken werde ich sicher auch kundtun.“

Jetzt ist sie heilfroh, dass sie das „Wissen von 30 Jahren von Doris Thiel“ abschöpfen kann. „Ich will möglichst viel davon in die nächste Spielzeit mitnehmen. Was auf jeden Fall — im Gegensatz zum Stadttheater Aachen — in Neersen anders, also neu, sein wird: „Hier muss man das Wetter auf dem Schirm haben.“