Soziales Engagement in Willich AKF-Fahrradwerkstatt sucht neue Bleibe

Neersen · Die Fahrradwerkstatt des Arbeitskreises Fremde in der Stadt Willich ist auf der Suche nach neuen Räumen. Noch ist sie in Neersen angesiedelt. Künftig wünschen sich die Ehrenamtler eine Werkstatt in Willich oder Schiefbahn.

 Gaby Pedersen, Vorsitzende des AKF (l.), und das ehrenamtliche Team der Fahrradwerkstatt Jürgen Poscher, Bodo, Watzka, Peter Mingers und Axel von Axleben (v.l.), hoffen, dass sie neue Räume für die Werkstatt finden.

Gaby Pedersen, Vorsitzende des AKF (l.), und das ehrenamtliche Team der Fahrradwerkstatt Jürgen Poscher, Bodo, Watzka, Peter Mingers und Axel von Axleben (v.l.), hoffen, dass sie neue Räume für die Werkstatt finden.

Foto: Bianca Treffer

Gleich zwei Fahrradhalterungen sind im Innenhof der Jugendfreizeiteinrichtung No7 an der Virmondstraße 7 in Neersen aufgebaut. An den beiden montierten Rädern sind Bodo Watzka und Peter Mingers mit diversen Werkzeugen beschäftigt. Pedale werden festgeschraubt, Bremsanlagen überprüft und das Licht kontrolliert. Jeden Mittwoch ist dort von 16 bis 17.30 Uhr das Team der Fahrradwerkstatt des Arbeitskreises Fremde in der Stadt Willich (AKF) aktiv.

Gespendete Fahrräder werden instandgesetzt. „Wir reparieren viele Fahrräder, die wir dann für einen kleinen Obolus an geflüchtete Menschen abgeben. Mit dem Geld finanzieren wir wiederum benötigte Ersatzteile. Wir können zwar vieles von weiteren Alträdern, die uns zur Verfügung gestellt werden, nutzen, aber ab und zu fehlen uns doch Ersatzteile“, sagt Jürgen Poscher, der ebenfalls zum Team der Fahrradwerkstatt gehört.

Doch das wöchentliche Schrauben im No7 findet bald ein Ende. Vor dem Hintergrund, dass die Jugendfreizeiteinrichtung seit dem 2. Januar mit einem neuen Team wieder am Start ist und damit einige Umstrukturierungen anstehen, muss die Werkstatt, die bislang den Innenhof und einen weiteren Außengebäudekomplex nutzte, weichen.

„Die älteren Jugendlichen, die uns besuchen, wünschen sich einen Bereich für sich. Wir haben eine Altersstruktur von acht Jahren bis hin zu jungen Erwachsenen von über 20 Jahren. Es ist verständlich, dass da die Interessen auseinandergehen. Wir haben überlegt, wie wir agieren können. Wir würden gerne den Außenbereich, der bisher die Werkstatt beherbergt, für die Jugendlichen nutzen“, erläutert Christel Bosmans vom Leitungsteam No7.

Stichtag ist der
28. Juni 2024

Mit Beginn der Sommerferien ist als Teil des Ferienprogramms eine Umgestaltung der Außenanlagen samt Innenhof zusammen mit den Jugendlichen geplant. Im Umkehrschluss heißt das: Die Werkstatt muss weichen. Am 28. Juni ist Schluss. „Wir sind daher schon jetzt auf der Suche nach neuen Räumen“, sagt Watzka, der die Werkstatt leitet. Gesucht ist etwa die Größe einer Doppelgarage. Wichtig sind ein Stromanschluss und die Möglichkeit der Nutzung einer sanitären Einrichtung. Vor dem Hintergrund, dass sich der AKF durch Spenden finanziert, werden mietfreie Räume gesucht.

„Wir können uns keine monatliche Miete leisten. Das übersteigt unseren finanziellen Rahmen“, sagt Gaby Pedersen, Vorsitzende des AKF. Stromkosten und Wasserverbrauch könnten getragen werden, eine Miete sei aber nicht realisierbar. Vor dem Hintergrund, dass sich in Anrath bei der dortigen Caritas eine Dependance der Fahrradwerkstatt befindet, würde der AKF eine weitere Werkstatt gerne in Willich oder Schiefbahn ansiedeln. „Damit hätten wir räumlich gesehen eine schöne Abdeckung. Neersen und Anrath wären für unsere Nutzer gut zu erreichen und auf der anderen Seiten liegen Schiefbahn und Willich auch eng beieinander“, sagt Axel von Axleben von der Fahrradwerkstatt.

Dass das Angebot der Werkstatt weiterhin stark gefragt ist, zeigen die Zahlen. Allein im vergangenen Jahr wurden über 60 Räder von dem achtköpfigen Team repariert und ausgegeben. Für die geflüchteten Menschen bedeute ein Fahrrad ein Stück Mobilität, sagt Watzka. Daher würde sich der AKF freuen, wenn es mit einer neuen Bleibe ab Sommer klappt.

„Wir dürfen den Keller des No7, wo wir unser Fahrradlager haben, weiter nutzen. Aber es macht wenig Sinn, wenn Räder, die wir für Ersatzteile nutzen, hier sind und die Werkstatt an einem neuen Ort. Wir wollen daher komplett umziehen“, sagt Watzka. Die Dependance in Anrath ist allerdings zu klein, um dort ein zentrales Angebot auf die Beine zu stellen. Die Fahrradwerkstatt des AKF besteht seit 2016 und hat in Anrath ebenfalls schon einen Umzug gestemmt. Gestartet in der Flüchtlingsunterkunft am Bahnhof, ging es aufgrund des Wohnbedarfs für Geflüchtete vor zwei Jahren zum Haus des Caritas-Basars am Hüttendyk 15. „Wir hoffen, dass wir diesmal auch wieder Glück haben und in Willich oder Schiefbahn eine neue Bleibe finden“, sagt Pedersen.

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