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Schiefbahn: Der Mythos Vinyl und sein Klang

Schiefbahn : Der Mythos Vinyl und sein Klang

Der Schiefbahner Friedel Plöger bietet in seiner „Musikkammer“ mit Erfolg klassische Schallplatten an.

Schiefbahn. Oft sieht Ehefrau Monika von ihm nur den Hinterkopf, wenn Friedel Plöger mal wieder im Keller verschwindet: „Ich bin dann mal weg.“ Von dort holt er keineswegs die Wäsche oder das Eingemachte, sondern da unten gibt es tüchtig was um die Ohren. Der 61-jährige Schiefbahner, der ansonsten in einer evangelischen Kirchengemeinde in Nettetal als Streetworker arbeitet, hat dort sein Musikzimmer eingerichtet. Und kann sich aus seinem großen Fundus bedienen. Er hat eine beträchtliche Sammlung von alten und neu herausgebrachten Vinyl-Platten, allesamt Langspielplatten.

Schiefbahn: Der Mythos Vinyl und sein Klang
Foto: Kurt Lübke

Friedel Plöger, Schallplatten-Experten über den Werkstoff Vinyl

„Musikkammer“ heißt sein kleiner Laden, den er seit vielen Jahren nebenher betreibt. Um das zu untermauern, hat er sich beim Pressetermin ein graues T-Shirt mit dem Aufdruck „The Vinyl Revolution“ übergezogen.

Der Sozialarbeiter sehnt den 22. April herbei. Am „10. Record Store Day“ arbeiten dann weltweit die unabhängigen Plattenläden und Shops daran, die Vinyl-Platten vorzustellen und an die immer größer werdende Kundschaft zu bringen. Auf keinen Fall gibt es dabei einen Online-Verkauf, Plöger: „Man kann dann am 22. April zu mir kommen, hören und auswählen.“ Vor wenigen Tagen wurde bereits eine gemeinsame Liste aller Veröffentlichungen ins Netz gestellt. Die ist unter www.musikkammer.de abrufbar.

„Ich bin über meine Stimme zur Musik gekommen“, erzählt Plöger. Zunächst habe er in einigen Chören gesungen. Dabei war er schon als Teenager von den alten Schallplatten-Truhen, von den Boxen und vor allem von einigen klassischen Werken begeistert. Um das zu untermauern, kramt er eine LP vom 1. Januar 1974 heraus, mit einem Neujahrskonzert der Wiener Philharmonie, damals unter der Leitung von Willi Boskovsky.

Neben den Klassik-Größen findet man in seinem großen Fundus aber auch die Rock-Riesen: Pink-Floyd LPs und bekannte Vertreter der Blues- beziehungsweise Countrymusik. Warum gerade Vinyl? „Das beginnt schon mit dem Anpacken und Betrachten des Covers, das oft für sich schon ein kleines Kunstwerk ist.“ Viel wichtiger sei aber für den hörgesteuerten Fan die Akustik: „Es klingt voller, geht mehr in die Tiefe, ist weicher.“ Wenn Plöger das erklärt, ist ihm die Begeisterung anzusehen.

Von der Qualität der Vinylplatten kann man sich auch in einigen seiner bequemen Sessel überzeugen, die in seiner „Musikkammer“ stehen. Dort warten einige analoge Schallplattenspieler darauf, angeschmissen zu werden. Auch diese Geräte mit dem notwendigen Zubehör sind hier zu bekommen. Mit den verschiedensten Tonabnehmer-Systemen, hochwertigen Laufwerken, Verstärkern und Lautsprecherboxen. Beim technischen Equipment sowie bei der Überprüfung von alten Dialog-Geräten hilft ihm Michael Jade (Grefrath).

Stolz ist Plöger unter anderem auf die Scheibe „Applewood Road“, die er beim Londoner Produzenten ordern konnte. Mittlerweile dürften einige tausend Langspielplatten zusammen gekommen sein, besorgen kann er viel mehr. Und Friedel Plöger stellte fest, dass sich immer mehr jüngere Leute beraten lassen, die sich ihr eigenes analoges Zimmer einrichten wollen.