„Der Markt ist viel gemütlicher“

Viel Gutes sagen Händler und Kunden über den neuen Standort des Willicher Wochenmarktes. Pluspunkte am Kaiserplatz: gemütlich, kompakt und geradlinig.

Willich. „Ich habe den schönsten Platz“, sagt Kangas Paraskevoula. Sie schaut aus ihrem überdachten Kurzwaren-Stand in die belebte Marktgasse auf dem Kaiserplatz. Ganz so wie ein Familienoberhaupt am Mittagstisch.

Foto: Kurt Lübke

„Ich bin zufrieden“, sagt sie. Den Umzug der Wochenmarktbeschicker vom Markt an Willichs Pfarrkirche St. Katharina zum Kaiserplatz gewinnt sie bisher fast nur gute Seiten ab. „Auch die Kunden reagieren positiv.“ Einziger Nachteil für Paraskevoula, die seit vier Jahren Willich anfährt: Sie kann nicht, wie die Kollegen, ihren Wagen hinterm Stand parken. „Und ich habe einiges an Ware zu schleppen.“

Foto: Kurt Lübke

Der Kaiserplatz ist neuer und alter Standort zugleich. Bis 1989 wurden dort Obst, Gemüse, Fleisch und Eier verkauft. Viele, vor allem ältere Willicher in der Markt-Kundschaft, erinnern sich jetzt gern daran, hört Josef Schiergen aus Issum-Sevelen am Eierstand. „Von der Optik her ist der Markt nun schöner.“ „Drüben“ — damit meint er den Markt vor der Kirche — „war alles so auseinander gezogen“.

Seit 27 Jahren verkauft Familie Kottal aus Neersen Blumen auf dem Willicher Wochenmarkt. „90 Prozent Stammkunden“ habe er, sagt Norbert Kottal. Auch er ist zufrieden mit seinem neuen Stammplatz: „Ich kann nun besser in der Länge aufbauen. Mal sehen, was die Kunden sagen. Noch haben wir nicht so die Erfahrung.“ Kaum hat Kottal das gesagt, stehen Kundinnen Schlange, um den Frühling im Strauß mit nach Hause zu nehmen.

„Viele Kunden sagen, das sei hier am Kaiserplatz viel schöner“, sagt auch die Verkäuferin am Obst- und Gemüse-Stand Konen. „Der Markt ist kompakter. Das gefällt den Leuten.“

Christoph Cartigny, in der dritten Familiengeneration mit dem „Geflügel und Wild“-Wagen auf dem Willicher Wochenmarkt, kann das bestätigen. „Der Platz ist gut. Man hat hier jetzt mehr Marktgefühl. Gut fürs Klönen“, sagt Cartigny, der von Kindesbeinen an das Marktleben kennt.

Josef Schiergen verkauft Eier auf dem Willicher Wochenmarkt

Im Café an der Ecke, im K 7, sitzen drei Damen beim Kaffee. Es ist noch früh. Eine halbe Stunde später sind alle Tische besetzt. Betreiber Kevin Kaminski hört von seinen Gästen, darunter auch Ladenbesitzer aus der Umgebung, positives Feedback zum Markt auf dem Kaiserplatz. „Er wirke geradliniger und gepflegter, sagen sie.“ Gut sei das auch für die Bewohner der umliegenden Seniorenheime, die sonst einige hundert Meter weiter über das Kopfsteinpflaster müssten. „Jetzt sind sie näher dran.“

Einer, der sich über die positive Resonanz besonders freut, ist Marktleiter Volker Braun. Der 53-Jährige hat den Umzug der Stände und die neue Anordnung der Wagen über drei Monate penibel geplant. „Vier Varianten habe ich vorbereitet und mit Andrea Ritter von der Stadtplanung, Christel Holter vom City-Management und Ordnungsamtsleiter Martin Zinnel durchgesprochen.“

Schlaflose Nächte habe er schon vor dem Umzug gehabt. Aber das Ergebnis gefalle offenbar: „Der Markt wird gut angenommen. Es ist gemütlich. Und genau das soll ein Markt ja auch sein — eine Kommunikationsstelle.“

13 Beschicker sind an diesem Donnerstagmorgen vor Ort. Vier weitere haben Urlaub oder kommen nur alle 14 Tage. Das „Wer steht wo“ und „Wer kommt wann“ hat Volker Braun in einer umfangreichen Excel-Tabelle aufgeführt. Sogar die Lage der Deichsel am Gefährt und die Größe der Fahrzeuge waren entscheidend für die Platzvergabe.

Braun: „Es kommt darauf an, wer als Erster aufbaut, wer mit seinem Wagen von der Peter-, wer von der Friedrichstraße einfährt und wer rechtzeitig wieder fahren muss, weil er nachmittags einen weiteren Markt hat.“

Bedenken musste Braun außerdem, wo ein Starkstrom- anschluss für Kühlanhänger benötigt wird. So sind zwei Zeit-Achsen für den Auf- und Abbau entstanden, die sich allmählich einspielen.

An Markttagen ist Braun früh da. Dienstbeginn an diesem Donnerstag: 5.15 Uhr. „Poller ziehen, Durchfahrtverbots-Schilder aufstellen und Strom-Senkelektranten aufschließen, bevor Metzger Heller als Erster auf den Kaiserplatz fährt. Es geht noch ums Feintuning, zum Beispiel beim Parken. Heute haben wir wieder 30 Zentimeter in der Mittelgasse mehr an Platz gewonnen.“ Womöglich hilft es den Besuchern, die im Elektro-Rollstuhl unterwegs sind, aber zwischen den Ständen nicht wenden können. Den Kritikpunkt nimmt Marktleiter Braun von einem Passanten mit.

„Ich bin glücklich“, sagt Braun, der aus Neersen stammt. Seine Frau und seine Schwiegermutter, beide aus Willich, haben ihm schon beigepflichtet: „Die finden den Platz wunderbar.“

Mehr von Westdeutsche Zeitung