Der „Bananen-Sprayer“ im Schloss Neersen

Der „Bananen-Sprayer“ im Schloss Neersen

25 Jahre Mauerfall — dazu werden Werke von Thomas Baumgärtel und Harald Klemm gezeigt.

Neersen. Eine ungewöhnliche Kooperationsausstellung der Galerie Schloss Neersen und der Anrather Galerie Schageshof ist ab Donnerstag in der Motte des Schlosses zum Thema „25 Jahre Mauerfall“ zu sehen: „Weder Ochs noch Esel“ ist die Ausstellung mit Werken des „Bananen-Sprayers“ Thomas Baumgärtel und Harald Klemms betitelt.

Im Herbst 1989 fiel die Mauer. Aus diesem Anlass trafen sich Baumgärtel und Klemm zu einer gemeinsamen Aktion. Das war der Anfang einer künstlerischen Auseinandersetzung mit dem Thema der Wiedervereinigung, die bis heute im Werk beider Künstler weiterwirkt.

Harald Klemm hat das Thema der Teilung Deutschlands in Form von Flucht, Vertreibung und Getrenntsein hautnah in der Familie erlebt. Bei seinen Arbeiten kommen oft historische Fotos zum Einsatz, die er malerisch in einen erzählerischen Kontext einbettet. Zum einen sind es Pressefotos, die er als studierter Historiker mit besonderer Aufmerksamkeit befragt, und zum anderen private Familienfotos.

Auch Thomas Baumgärtel arbeitet mit dieser Art von Fotos, aber man bringt ihn mehr mit der knallgelben Spraybanane in Verbindung (Foto), mit der er schon in den 80er Jahren seine Form gefunden hat, um Symbole und Insignien, wie sie traditionell von Politik und Kirche verwendet werden, humorvoll auf die Schippe zu nehmen: Von der „Bananenrepublik“ über die Banane als DDR-Luxusartikel bis hin zum Symbol von Kreativität und Tollheit. Ganz nebenbei provoziert er dabei auch eine Diskussion über den Kunstbegriff, indem er mit der Banane bis heute internationale Kunstorte wie das Guggenheim Museum, das Centre Pompidou, den Kölner Dom und vielleicht auch Schloss Neersen markiert.

Die beiden Künstler sind Grenzgänger mit Humor und Ausblick, die polarisieren und sich keinesfalls politisch korrekt verbiegen. Auch in ihren Gemeinschaftsarbeiten bleibt die Teilung und Wiedervereinigung Deutschlands zentral. Persönlich entwickelte Themen und Techniken durchmischen sich.

Emotional aufgeladene Staatssymbole wie das Brandenburger Tor oder eher inoffizielle Insignien des Mauerfalls wie Trabant und Stacheldraht entlarven sich in der stereotypen grafischen Wiederholung als leblose Hülsen, die es zu füllen gilt. Das idyllisch, farbenfroh einlullende Ambiente, das die von Helmut Kohl prophezeiten „blühenden Landschaften“ lebendig werden lässt, tut ein Übriges.

Daneben steht eine eher private Ebene, die sich vor allem in Form von Familienfotos einschleicht. So wird aus der großen politischen Bewegung auch ein persönliches Schicksal des Einzelnen.

Die Ausstellung wird am Donnerstag um 19 Uhr nach einer Begrüßung durch Bürgermeister Josef Heyes mit einer Einführungsrede von Uwe Schummer (MdB) eröffnet. Die Arbeiten sind in Neersen bis zum 9\. November zu sehen (mittwochs bis freitags 17 bis 19 Uhr, am Wochenende 11 bis 17 Uhr).

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