Das Lise-Meitner wird schon 20

Drei Schulleiter, viele Baustellen und noch mehr Projekte — das junge Anrather Gymnasium hat in zwei Jahrzehnten sein Profil geschärft.

Anrath. „Ich freue mich ungeheuer auf die Aufgabe. Es ist besonders reizvoll, eine Schule zu gründen und ihr pädagogische Linien geben zu können. Da kann man viel mehr bewegen als an einer fertigen Schule.“ So zitierte die WZ Joachim Schöpke am 27. November 1997, acht Monate vor der Gründung des Anrather Gymnasiums.

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Knapp ein Jahrzehnt später zog es den ersten Leiter in der Geschichte dieser Schule nach Düsseldorf, zur Schulaufsicht in die Bezirksregierung. Zu dem Zeitpunkt hatte das junge Gymnasium seinen ersten Abiturjahrgang gerade verabschiedet und sich als „Lise-Meitner-Gymnasium“ über die Ortsgrenzen der Stadt Willich einen Namen gemacht.

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Nächste Woche feiert das LMG seinen 20. Geburtstag. Die WZ hat die Entwicklungs- und Aufbaujahre der Schule über diese zwei Jahrzehnte verfolgt, dokumentiert, Personen und Projekte begleitet.

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2006 beispielsweise: Damals hatte die Redaktion Fragebögen an allen weiterführenden Schulen in Willich verteilt. Im großen Schul-Tüv der WZ ging es darum, von den Schülern zu erfahren, was sie von ihrer Schule halten, was und wen sie schätzen, wo sie Verbesserungsbedarf sehen. Lise-Meitner-Schüler hatten sich damals sehr rege beteiligt und ihrer Schule mehrheitlich ein sehr gutes Zeugnis ausgestellt.

Viele lobten das „neue und moderne Gebäude“, den Schulhof, „engagierte, motivierte Lehrer“, die „coole Atmosphäre“, die Vielzahl an AGs. Ein Daumen hoch gab es auch für die Ausstattung mit Computertechnik. Als Manko empfanden Schüler die „zu kleine Aula“ und die „fehlende Küche im Oberstufenraum“.

Küche? Die ist unterdessen größer ausgefallen. Nach Beendigung des ersten und zweiten Bauabschnitts (2004) war der Mensabau ab 2011 die dritte Großbaustelle in der Geschichte der Schule. Diese Schuljahre gehörten für Astrid-Kampmann, Nachfolgerin von Joachim Schöpke im Büro „Schulleitung“, zu den streitbarsten in der kommunalpolitischen Auseinandersetzung. Sie kritisierte die Pläne, die Mensa als zu klein.

Kampmann war 1998 vom St.Bernhard Schiefbahn als Konrektorin ans Lise-Meitner-Gymnasium gekommen — wie Schöpke LMGler der ersten Stunde. 2007 wurde sie zunächst kommissarisch, ein Jahr später offiziell Schulleiterin. 2015 ging sie in den Ruhestand. Und hinterließ im Abschiedsgespräch mit der WZ noch ihre pädagogische Grundüberzeugung: Nicht verhandelbar sei, sagte Kampmann, wenn zum Beispiel ein Lehrer nicht gut mit Schülern umgehe. Man dürfe Kinder nicht entmutigen.

Jungen Forschergeist unterstützt die Schule intensiv. Lise-Meitner-Schüler, gecoacht von Claus Thomé, gehören Jahr für Jahr zu den erfolgreichsten Teilnehmern des Wettbewerbs „Jugend forscht“.

In der Kampmann-Nachfolge trat Thomas Prell-Holthausen an, das LMG weiterzuentwickeln. Er hatte vor Amtsantritt viele Tage an der Schule verbracht, um sich ein gutes Bild zu verschaffen. Sein Fazit: „Das LMG ist eine fortschrittliche Schule. Es hat früh moderne didaktische Konzepte wie die Freiarbeit umgesetzt.“ Seine Vision: Schule von einer Belehrungsanstalt zu einem Ort kooperativen Lernens und Lehrens entwickeln, den Lehrer als Coach sehen, der individuelle Lernkonzepte mit den Kindern entwickelt. MINT, Europa, Ausbau musikalischer Konzepte — das formulierte er bei Amtsantritt als mittel- und langfristige Ziele.

Mit seiner Unterschrift unter den Schulpartnerschaftsvertrag mit der Vidusskola Smiltene in Lettland hat Prell-Holthausen im April auch ein neues Kapitel Schulgeschichte geschrieben. Das Festival am 9. Juni zum 20-jährigen Bestehen wird sie fortschreiben — ganz nah an dem Motto, mit dem Besucher auf der Schul-Homepage begrüßt werden: „Rundum lebendig. Lernen miteinander gestalten.“

Lebendige Vielfalt steht offenbar auch für das Jubiläumsprogramm. Mitte April „brummte“ es an der Schule nur so vor Phantasie. Stundenlang wurden Ideen und Aktivitäten geplant. Kochbücher wurden erstellt, ein Hindernisparcours in der Turnhalle und ein Autorennen auf dem Schulhof geplant und Minigolfanlagen gebaut. Auch an einer längst erwachsenen Schule kann man viel bewegen.