Das lange Warten aufs Kindergeld

Über Monate wartete eine Studentin aus St. Tönis auf Zahlungen der Krefelder Familienkasse. Nun hat es geklappt.

Tönisvorst/Krefeld. Studenten sind selten finanziell auf Rosen gebettet. Da ist Anna B. (Name von der Redaktion geändert) keine Ausnahme. Zwar bekommt die 23-jährige Lehramtsstudentin aus St. Tönis Bafög. Doch als ihr plötzlich rund 190 Euro pro Monat fehlten, „sei es teilweise schon arg eng gewesen“, schildert sie im Gespräch mit der WZ.

Was war passiert? Seit Juli 2017 habe sie kein Kindergeld mehr von der zuständigen Familienkasse bekommen, „obwohl meine Unterlagen alle vollständig sind, wie mir mehrmals bestätigt wurde“. Normalerweise wird das Geld an ein Elternteil ausgezahlt, früher ging es an den Vater von Anna B. Doch ihre Eltern stimmten einer sogenannten Abzweigung zu: Die monatlich Summe floss seit Herbst 2015 auf das Konto der jungen Frau — eben bis zum vergangenen Sommer.

Warum die Zahlungen ausblieben, war und ist für die Familie völlig unverständlich. „Immer wieder wurde mir von den Mitarbeitern der bundesweiten Hotline versichert, dass der Fehler auf Seiten der Familienkasse läge, und dass etwas passieren würde“, erzählt die St. Töniserin. „Immer wieder wurde ich mit einer Bearbeitungsfrist von zehn Werktagen abgespeist. Die wenigen Damen bei der Hotline, die hilfsbereit waren, eröffneten neue Beschwerdetickets mit dieser Bearbeitungsfrist, die an den Standort Krefeld gesendet wurden.“

Eine Weiterleitung an die tatsächlich zuständige Stelle fand ihrer Aussage nach nicht statt. „Die meisten Damen bei der Hotline waren von Grund auf unfreundlich und wimmelten mich ab mit der Begründung, man könne mir nicht helfen“, so die Kritik der Studentin. Ihr stellt sich die Frage, wozu es die Hotline überhaupt gebe, wenn dort doch keine Hilfe zu erwarten sei. „Niemand war bereit dazu, mich zur Familienkasse Krefeld oder zu einem Vorgesetzten durchzustellen.“

Ein zusätzliches Problem: Da die junge St. Töniserin in Rheinland-Pfalz studiert, konnte sie auch nicht mal eben persönlich zur Arbeitsagentur an der Philadelphiastraße fahren, wo die Familienkasse Krefeld sitzt. Nachdem jedoch drei Fristen abgelaufen waren, ohne dass sie einen Brief oder gar das Geld erhalten hätte, hatte sie genug. Sie nutzte die Weihnachtsferien für einen Gang zur Behörde. Dabei sei ihr geraten worden, einen Beschwerdebrief zu schreiben. Das tat Anna B. auch und reichte den Brief, in dem sie unter anderem mit Einschaltung der Presse drohte, Ende Dezember ein.

Behördensprecher

Wieder tat sich eine Weile nichts. Die ausstehende Nachzahlung lag inzwischen bei mehr als 950 Euro. Dann, am vergangenen Samstag, kam ein Brief: „Man wird meinem Antrag auf Abzweigung weiter entsprechen und die Nachzahlung leisten“, so Anna B. Inzwischen sind die Nachzahlung und die laufende Zahlung für diesen Monat auf dem Konto eingegangen.

Auf Nachfrage der WZ äußert sich ein Sprecher der zuständigen Familienkasse NRW-West (siehe Info-Kasten) so: Man habe sich den Fall gründlich angeschaut und entschuldige sich in aller Form bei der Betroffenen. „Ursache für die ursprüngliche Verzögerung war ein Anwendungsfehler in unserem IT-Verfahren. Erhöhte Bearbeitungsstände und individuelle Fehler kamen in der Folge hinzu, sind aber keine Entschuldigung für die viel zu lange Wartezeit, die sich in diesem Fall summiert hat.“

Die Behörde spricht von einem Einzelfall. Die Familienkasse NRW-West bearbeite monatlich etwa 100 000 Vorgänge und zahle jährlich 3,5 Milliarden Euro aus. „Über 90 Prozent aller Anträge werden innerhalb von zehn Arbeitstagen bearbeitet“, so der Sprecher. „Die durchschnittliche Bearbeitungszeit eines Antrages sollte nicht länger als sechs Wochen dauern.“