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Corona-Vorsorge: Besuchsverbot im Anrather Gefängnis

Corona : Corona-Vorsorge: Besuchsverbot in der JVA

Um die Insassen zu schützen, setzen die Gefängnisse in Anrath Maßnahmen um. Viele Gefangene hätten dafür Verständnis.

Viren machen an Gefängnismauern nicht halt. Daher haben die Justizvollzugsanstalten in Anrath Maßnahmen ergriffen, um das Coronavirus draußen zu halten. „Vor dem Hintergrund der dynamischen Entwicklung ist daher bis auf weiteres der Besuch ausgesetzt“, heißt es auf der Internetseite der JVA Willich I. Die Anstalt des geschlossenen Männervollzuges hat 424 Haftplätze. Diese Ankündigung findet sich ebenso auf der Internetseite der JVA Willich II, der Frauenhaftanstalt mit 198 Haftplätzen im geschlossenen Vollzug und 66 im offenen Vollzug.

Kantine umgestellt, um Abstand zwischen den Tischen zu schaffen

Seit Dienstag sei diese Maßnahme in Kraft, erklärt Tobias Reinhard, Pressesprecher der JVA Willich I. Von der Regelung ausgenommen sind Verteidiger. Die Rechtsanwälte dürfen weiterhin Gespräche mit ihren Mandanten führen. Die Besuche seien im Moment aber auch weniger, stellen die Beamten fest.

Viele der Gefangenen würden Verständnis für die Situation zeigen. „Sie haben ja Zugriff auf die Medien, verfolgen die Situation und wissen, dass es zum eigenen Schutz und zum Schutz ihrer Angehörigen ist“, so Reinhard. Natürlich gebe es auch im Gefängnis Menschen, die für die Maßnahmen kein Verständnis hätten. Diesen würde man die Situation dann noch einmal explizit erklären. Vernünftige Kommunikation sei im Strafvollzug sehr wichtig.

Ende Februar hatte es im Gefängnis bereits ein Besuchsverbot mit Blick auf die sich ausbreitende Corona-Epidemie gegeben. Nach einer zwischenzeitlichen Entwarnung wurde diese nun in dieser Woche erneut ausgesprochen. Die Gefangenen konnten ihre Angehörigen telefonisch darüber informieren.

Wie überall auch, wurden auch in der Anstalt besondere Maßnahmen umgesetzt. Desinfektionsspender wurden angebracht, Besprechungen auf das Notwendigste reduziert, auf Händeschütteln wird verzichtet, Abstand eingehalten. Auch die Kantine wurde umgestaltet, um den Abstand von 1,5 Metern zwischen den Tischen einhalten zu können. Für die Mitarbeiter hat es Belehrungen über die notwendigen Hygienemaßnahmen gegeben.

Bisher habe es keinen Corona-Fall in der JVA gegeben. Zwei Gefangene hätten Symptome gezeigt, die Tests seien aber negativ gewesen. Rund 400 Insassen gibt es in der JVA Willich I zurzeit. Doch man habe eine hohe Fluktuation. Täglich verzeichne man Zugänge. Diese würden zurzeit besonders untersucht. Der Anstaltsarzt würde Fiebermessen und die gängigen Covid-19-Symptome abfragen, um so auszuschließen, dass ein Neuzugang infiziert ist. Wenn es dazu käme, könnte dort auch Quarantäne einrichtet werden.

Mehr telefonieren und
vielleicht mehr Sport

Anstaltsfremde Personen werden nun vor Betreten befragt, ob sie sich innerhalb der letzten 14 Tage in einem Risikogebiet aufgehalten haben oder Kontakt zu einem Coronavirus-Erkrankten hatten. Das gilt zum Beispiel für Betreuer von Freizeitangeboten, die ins Gefängnis kommen und unter anderem Schach, Gesprächskreise oder Yoga anbieten.

Große Einschränkungen gibt es innerhalb der Gefängnismauern für die Insassen nun aber nicht. Die Betriebe sind weiterhin geöffnet. Das Besuchsverbot führt nun auch dazu, dass das Freizeitangebot etwas umstrukturiert werden muss. Die Möglichkeiten, Telefonate zu führen, wurden erweitert. „Es wird auch geprüft, ob das Sportangebot erweitert werden kann“, so Tobias Reinhard.