CDU in Willich will Verbot zum Luftballon-Steigenlassen prüfen lassen

Antrag zum Naturschutz : CDU: Ballons sollen nicht mehr steigen

Die CDU-Fraktion will ein Verbot zum Steigenlassen von Luftballons im Freien in Willich prüfen lassen. Durch den Müll würden Tiere in Gefahr geraten.

Unzählige Luftballons zum Himmel aufsteigen lassen – das ist ein leichter Spaß mit toller Wirkung bei Kindergeburtstagen, Hochzeiten oder auch politischen Demonstrationen. Doch hinter dem Spaß verbergen sich auch Gefahren für Wildtiere. Dann nämlich, wenn die schönen Ballons als Müll in der Landschaft oder in Flüssen landen. Forscher aus Australien haben Zahlen veröffentlicht, wonach von 1733 untersuchten toten Seevögeln fast jeder dritte Plastik im Magen hatte. Ballons stellen mit ihrem weichen Plastik eine besonders große Gefahr da, dass die Tiere daran verenden. Zudem können sich Tiere in den Schnüren verheddern, warnen Experten.

In den Niederlanden verbieten immer mehr Kommunen, Luftballons im Freien steigen zu lassen. Die Stadt Amsterdam war 2015 Vorreiter. Auch auf EU-Ebene gab es im Zuge der Diskussionen um das Einwegplastik-Verbot einen entsprechenden Vorschlag. Auf ein Luftballon-Verbot konnte man sich aber nicht einigen.

Ausstellung in der
Eva-Lorenz-Umweltstation

Nun wagt die Willicher CDU-Fraktion einen Vorstoß auf lokaler Ebene. Die Christdemokraten möchte jetzt die Stadtverwaltung prüfen lassen, ob ein Verbot zum Steigenlassen von Luftballons im Freien in Willich möglich und umsetzbar ist. Der 17-jährige Lorenzo Mazzoli, Mitglied der Jungen Union, hatte den Antrag in die Fraktion eingebracht. „Wildtiere sind durch achtlos weggeworfenen Müll vielen Gefahren ausgesetzt. Häufig verenden sie qualvoll, wenn sie beispielsweise in Kontakt mit achtlos weggeworfenen oder geplatzten Luftballons kommen und dies als Nahrung ansehen“, so Lorenzo Mazzoli. Da die Union es als ihre Pflicht ansehe, die Natur und die Tiere zu schützen, wolle man das Verbot zum Steigenlassen von Luftballons im Freien nun von der Stadtverwaltung prüfen lassen.

Erst vor wenigen Wochen hatte die CDU-Fraktion in der Eva Lorenz-Umweltstation im Neersener Schlosspark die Ausstellung „Wilder Müll – eine lebensbedrohliche Gefahr für Tiere“ besucht. Durch die einprägsamen Beispiele in der Ausstellung wurde dort jedem schnell klar, wie unachtsam Müll weggeworfen wird und welche Lebensbedrohungen für Tiere hieraus entstehen, so der CDU-Fraktionsvorsitzende Johannes Bäumges.

Bei der Stadt Willich wird die Umsetzbarkeit eines solchen Verbots nun geprüft. Dabei wird es auch um die Frage gehen, wie ein solcher Verbot kontrolliert werden könnte.

Stadtverwaltung
möchte sensibilisieren

Unabhängig vom CDU-Antrag hat die Stadtverwaltung das Thema bereits erkannt und setzt auf Aufklärung. „Wir wollen für das Thema sensibilisieren“, sagt der Technische Beigeordnete Gregor Nachtwey. In Zusammenarbeit mit der Eva-Lorenz-Umweltstation sei man dabei, Flyer und Plakate zu erarbeiten, um auf die Gefahren von Luftballonresten hinzuweisen. Diese könnten in Zukunft zum Beispiel im Standesamt ausliegen.

„Wilder Müll – eine lebensbedrohliche Gefahr für Tiere“ heißt ein Projekt der Eva-Lorenz-Umweltstation, in dem die NABU-Naturtrainerin Elita Grafke und Benno Grafke über die Gefahren von Müll und auch Luftballons in der Natur für Tiere hinweisen. Die Ausstellung „Wilder Müll – eine lebensbedrohliche Gefahr für Tiere“ war schon an den unterschiedlichsten Orten, unter anderm in der Sparkasse, in Schulen und im Zoo in Krefeld zu sehen. Elita Grafke, die für dieses Projekt den Umweltpreis der Stadt Willich erhielt, hat die Ausstellung nach Originalfotos mit Kindern des zweiten Schuljahres erstellt. Professionelle Hilfe leistete dabei ihr Mann Benno. Bei der Eröffnung sagte Elita Grafke: „Ziel ist es, Betroffenheit zu wecken, das wirkt besser als 1000 Verbote.“ Wilder Müll unter dem Aspekt der Tiergefährdung sei noch nicht im Bewusstsein der Bürger.

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