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Bürgermeisterkandidatur in Willich: Tritt Heyes ab oder an?

Bürgermeisteramt : Tritt Josef Heyes noch mal an?

Die Frage wird bald beantwortet: Strebt der 71-jährige Josef Heyes eine weitere Legislaturperiode als Bürgermeister an? Es wäre seine fünfte. Eine Analyse.

Wie lange mag Josef Heyes an der Formulierung dieses Absatzes gefeilt haben? In seinem Beitrag „Ein Mann, ein Rad“, den er für das Buch „50 Jahre Stadt Willich“ über die vier Jahrzehnte seiner kommunalpolitischen Karriere und seine Bürgermeisterjahre seit 1999 geschrieben hat, geht er auf die aktuell große Palette seiner Aufgaben ein. Sie hätten seine Arbeit immer weiter verdichtet. Da werde es oft 22 Uhr, bis man aus dem Büro komme. Und wenn es sich dann noch um unangenehme Aufgaben handele, bleibe mitunter auch der Spaß an der Arbeit auf der Strecke, schreibt Heyes.

Höhen und Tiefen in 40 Jahren Kommunalpolitik in Willich 

Wer aber aus diesen schriftlichen Bemerkungen heraus eine Amtsmüdigkeit interpretiert, schlägt fehl. Denn weiter schreibt Heyes: „Auf der anderen Seite werde ich immer dafür dankbar sein, für so eine lange Zeit Bürgermeister sein zu können.“

Diese Formulierung ist wohlüberlegt. Kein „Zeitzeichen“, das ein Aufhören seinerseits signalisieren würde. Hätte Heyes geschrieben, dass er dankbar sei, „für eine so lange Zeit Bürgermeister gewesen sein zu können“, hätte man das zurecht als Hinweis aufs Aufhören werten können. So aber bleibt die Frage weiter offen: Strebt Josef Heyes, 71, eine weitere Legislaturperiode als CDU-Bürgermeister an? Oder macht er Platz für jüngere Nachfolger aus den Reihen der Christdemokraten, die die bisherige Nominierung des SPD-Kandidaten Dietmar Winkels nicht fürchten müssen?

Heyes’ Beitrag in dem Buch zum Jubiläum seiner Stadt ist mit 16 Seiten der mit Abstand längste. Der Mann hat viel zu erzählen. Seine Erfolgsbilanz deckt sich in vielen Bereichen mit der der Stadt. Er hat es geschafft, nach innen und außen als radelnder Markenbotschafter Willichs wahrgenommen zu werden.

Seit 2004 ist sein Fahrrad auf den Heyes-CDU-Wahlplakaten unverzichtbar. „Unser Bürgermeister in Willich“ und „für Willich“ – das sah die Mehrheit der Wähler in den vergangenen Wahlgängen genauso. 1999 lag Heyes sechs Prozent vor Lukas Siebenkotten. 2004 holte er als Amtsinhaber 74 Prozent. Im Jahr 2009 waren seine 83,5 Prozent das höchste Wahlergebnis NRW-weit. Fünf Jahre später zählte man noch 67,2 Prozent aus. Letztlich waren es überlegene Siege, keine Zitterpartien.

Heyes ist ein Arbeitstier. Als junger Familienvater mit vier Kindern war er in einer Landesbehörde in Düsseldorf tätig. Gleichzeitig begann er seine politische Karriere und baute auch noch ein Haus. Wille und Ehrgeiz spricht aus den Zeilen.

Willichs (Ehren-)Bürgermeisterin Käthe Franke widmet er etliche Zeilen. Sie hatte Josef Heyes 1979 gefragt, ob er nicht für den Stadtrat kandidieren wolle. Er sagte zu. Unter der Voraussetzung, dass er den Wahlkreis Unterbruch bekam. Heyes wurde Ratsherr. 1984 erreichte ihn der Anruf von Hermann-Josef Schmitz im Urlaub, der ihm, Heyes, im Namen von Käthe Franke den Vorschlag unterbreitete, stellvertretender Bürgermeister zu werden. Heyes nahm an und wurde zweiter Vize. Käthe Franke, mit der er gut harmonierte, so Heyes, stand ihm mit Rat zur Seite.

Letztlich war es auch Käthe Frankes Unterstützung zu verdanken, dass Josef Heyes nach 1994 – mit Rückschlägen – weiter politische Karriere machte. Trotz der Niederlage gegen Lukas Siebenkotten (SPD) 1995 war sie es, die Josef Heyes zum Weitermachen für die Kommunalwahl 1999 ermutigte. Nach dieser Wahl das Amt des Bürgermeisters von Willich zu bekleiden, hat Heyes damals mit Freude und Genugtuung erfüllt, wie er selbst schreibt. Er hatte sich nach dem Rückschlag wieder aufgerappelt, bewies Ehrgeiz und Willensstärke.

Die Zusammenarbeit mit den Kämmerern, zunächst Theo Eckelboom, dann Willy Kerbusch, beschreibt Heyes als Glücksfall, geprägt von Respekt und Loyalität. Vor allem Kerbuschs Vorschläge haben „sich als gut erwiesen“, auch wenn Heyes nicht nur einmal das Gefühl hatte, er sei von Kerbusch doch wieder überredet worden.

2020 geht Lotse Kerbusch von Bord. Und was macht der Kapitän? Für und Wider für eine weitere Kandidatur aus Heyes’ Sicht sind im Kasten aufgeführt.

Auf dem Wahlplakat von 1999 stand: „Alles spricht für Heyes“. Sieht er das persönlich noch genauso? Spätestens beim Neujahrsempfang der CDU am 5. Januar will Josef Heyes seine Entscheidung bekanntgeben. Aschermittwoch ist die CDU-Mitgliederversammlung, auf der der Bürgermeisterkandidat nominiert werden soll.