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Bürgermeister Heyes: „Manche Kritik geht unter die Haut“

Bürgermeister Heyes: „Manche Kritik geht unter die Haut“

Im Gespräch mit der WZ erklärt Bürgermeister Josef Heyes, warum er sich erneut zur Wahl stellt.

Willich. Hallenprobleme, Orangerie, Krankenhaus — beim Frühstücksinterview der WZ mit Bürgermeister Josef Heyes (CDU) wurde kaum ein heißes Eisen ausgelassen.

Herr Heyes, Sie sind seit 1999 Bürgermeister von Willich. Warum stellen Sie sich erneut zur Wahl, obwohl Sie doch mit fast 66 Jahren längst den Ruhestand genießen könnten?

Josef Heyes (lacht): Stimmt, könnte ich! Ich wäre Altersruhegeldberechtigter, habe meine Höchstrente erreicht. Freunde haben mich gefragt: „Warum tust Du Dir das an?“ Doch schon im zweiten Satz sagen sie: „Man merkt, Du tust es gerne.“ Da nimmt man eben manche Belastungen hin. Voraussetzung für eine weitere Amtszeit, das habe ich immer gesagt, ist erstens, dass ich gesund bleibe. Zweitens, dass mir das Amt weiter Freude macht. Drittens lasse ich keine Karre im Sumpf stecken. Ich will noch einige Probleme lösen, etwa die Hallensituation in der Stadt. Viertens: Es muss einen guten Nachfolger geben.

Manche mutmaßen, dass Sie zur Hälfte der neuen Amtszeit zurücktreten werden, damit Ihre Partei bis dahin einen Nachfolger aufbauen kann. Alles Blödsinn?

Heyes: Ich trete an, um durchzumachen. Wichtig ist es, auch als Mannschaft aufzutreten, die Ziele meiner Partei zu verfolgen.

Bei der letzten Wahl haben Sie mit 83,51 Prozent ein sensationelles Ergebnis geholt. Glauben Sie, dass Ihnen so etwas im Mai erneut gelingen kann?

Heyes: Man wächst mit den Herausforderungen des Wahlkampfes. Ich trete mit einer starken Partei im Rücken an. Viele sagen: „Du bist ja auf Rosen gebettet, hast eine breite Mehrheit.“ Nun, über 50 Prozent sollten es doch am Ende sein.

Viele Jahre waren Sie „unser Jupp“, also ein Bürgermeister zum Anfassen, den nichts erschüttern konnte. Doch es scheint, als seien die ständigen Diskussionen um Hallen, Orangerie, Krankenhaus, Schiefbahner Dreieck an Ihnen nicht spurlos vorübergegangen. Spüren Sie beim Zusammentreffen mit den Bürgern die steigende Kritik?

Heyes: Ja, ich nehme sie auf und prüfe, wo die Gründe dafür liegen. Nehmen wir die Saalproblematik in Neersen. Da muss man die Bürger über die rechtlichen Hintergründe informieren. Ich suche dafür das direkte Gespräch, auch mit der Klägerin. Ich habe ihr im November gesagt, dass das Brauchtum — Karneval, Schützenwesen — ausstirbt, wenn es zu keiner Einigung kommt. Die Frau wurde angefeindet und hatte Gründe für ihre Klage. Es ist sehr aufwendig, den Bürgern die Hintergründe solcher Angelegenheiten zu erläutern. Dazu braucht es viel Überzeugungsarbeit — im Gespräch, aber auch per Facebook.

Auf Facebook werden Sie teils heftig angegriffen. Ihr Gegenkandidat Hans-Joachim Donath scheint dies nutzen zu wollen und äußert sich dort oft zu strittigen Themen. Ist Ihnen egal, was da über Sie gesagt wird?

Heyes: Nein, das geht unter die Haut. Manchmal ist die Kritik leider die Folge einer falschen Erstdarstellung durch die Verwaltung, etwa bei den Kita-Gebühren. Da wurde eine Erhöhung angekündigt, obwohl das intern noch nicht vorbereitet war.

Fühlen Sie sich wie ein Getriebener, weil die Bürger ihren Protest immer öfter auf die Straße verlegen?

Heyes: Getrieben will ich nicht sagen. Aber es ist schon eine Menge, was auch über Twitter und Facebook verbreitet wird. Ich kann das gar nicht alles lesen, nicht auf alles reagieren. Die Zeitung ist für mich die Basis der Information. Beim Thema Orangerie muss ich aber sagen, da sind die Leute zu Recht auf die Straße gegangen. Da ist es eine Person aus der Nachbarschaft, die prozessiert. Da bin ich sehr enttäuscht. Insgesamt gilt aber: Man muss viel mehr Gespräche mit den Bürgern führen und sie nachvollziehen lassen, warum man dies oder jenes machen muss. Das sage ich auch immer wieder meinen Mitarbeitern in der Verwaltung. Leider ist das nicht immer beachtet worden.

Die CDU und Sie persönlich werden öffentlich für die Schließung des Krankenhauses verantwortlich gemacht. Auch wird Ihnen vorgeworfen, schon viel früher davon gewusst zu haben. Was entgegen Sie solch einer Kritik?

Heyes: Donnerstags kam ein Signal mit absoluter Vertraulichkeit, wonach die St. Augustinus-Kliniken als Träger montags drauf beraten und am Dienstag die Mitarbeiter informieren werden — das verstehe ich nicht unter Vorinformation. Die Meldung von der Schließung war auch für mich ein Tiefschlag. Wenn man sich die Entwicklung vor Augen führt, etwa zurück zu der Frage, ob das Willicher Krankenhaus den Zuschlag für die Geriatrie bekommt: Die haben ins Blaue hinein gebaut. Später haben die Augustiner sukzessive Kosten von anderen Häusern auf Willich übertragen. Ich halte das für einen unzulässigen Eingriff. Aber wir haben als Stadt da keine Aktien drin. Das ist kein städtisches Haus. Die Eigentümer sind Herren der Beschlüsse. Wir müssen da leider zugucken.

Wird es bald eine Tagesklinik in Alt-Willich geben oder werden die Bürger noch einige Jahre warten müssen?

Heyes: Es gibt viele mögliche Investoren. Wir wollen die Portalklinik mit Notarztversorgung. Andere Krankenhäuser, wie das AKH in Viersen, interessieren sich für eine Kooperation. Wir sind auch zu Gesprächen mit den Augustinus-Kliniken bereit. Zurzeit sind wir in der Abstimmung des Baurechts. Moderne Arztpraxen brauchen viel Platz und Parkraum. Ich hoffe, dass im Herbst 2015 gebaut wird. Die Schließung des Hospitals ist ein großer Verlust für die Stadt. Gut, dass wir eine Alternative haben.

Wie ist der aktuelle Stand in Sachen Kulturhalle?

Heyes: Es wird künftig bis zu zehn Veranstaltungen geben, die bis 1 Uhr dauern dürfen. Mehr sind es auch nie gewesen. Die Bürgerbeschwerden kosten uns 240 000 Euro. Schallschutzfenster werden eingebaut, Rettungswege verbreitert. Bei der Essensausgabe müssen wir noch nachbessern, bereits zugemauerte Fenster eventuell wieder öffnen. Wir wollen aber mehr Parkplätze schaffen, damit nicht nur 240, sondern bis zu 330 Menschen gleichzeitig in der Kulturhalle sein können. Im Herbst werden im Vorgarten der Hubertusschule neun neue Parkplätze entstehen, dafür fallen aber auch sechs auf der Straße weg. Da fass’ ich mir an den Kopf.

Wie steht’s in Sachen Wahlefeldsaal?

Heyes: Die neuen Zahlen — 240 statt 400 Leute — sind in die Baugenehmigung eingeflochten und mit dem Kreis Viersen auf Herz und Nieren geprüft worden. Nun sind zwei Klagen dagegen erhoben worden. Das bedeutet möglicherweise Zeitverlust. Man zittert jedes Mal, weil man nicht weiß, wie die Richter entscheiden.

Zu Zeitverzögerungen kommt es auch bei der Planung für eine Kaisersaal-Nachfolge. Hätte man da früher die Bürger befragen müssen?

Heyes: In der Tat. Aber wir haben schon im Dezember 2012 überlegt, wo Alternativen zu finden sind. Dass schon jetzt Leute sagen, dass sie in jedem Fall klagen werden, enttäuscht mich sehr. Drei sind es zurzeit. Ich lasse mir jede Woche im Verwaltungsvorstand über die Fortschritte berichten. Im Kaisersaal ist im Mai 2015 Schluss. Ich werde versuchen, Herrn Schiffer zu bewegen, ob es nicht auch Herbst werden kann. 2016 soll die Umsetzung der Halle zwischen Bütt und Frantzen-Halle gelingen.

Auch zur Marktplatz-Gestaltung in Alt-Willich werden nun die Bürger befragt . . .

Heyes: Da für die Ortskernsanierung Landeszuschüsse fließen, ist eine belastbare, offiziell über die Stadt Willich durchgeführte Befragung eine Bedingung der Förderung. Die Grundfrage ist: Wie gewinnt der Ortskern an Attraktivität? Denn über das Landesprogramm „Aktive Zentren“ sind die Fördermittel im Dezember 2013 bewilligt worden.

Abschließend nochmals zur Orangerie: Es ist geplant, sie in den Bereich der Vorburg zu verlegen. Glauben Sie, dass dies endlich eine befriedigende Lösung für alle ist?

Heyes: Noch sind wir bei der Klärung der Fragen für den Ausbau, für die erforderlichen Umzüge — etwa der Gleichstellungsstelle und der Fraktionen — sowie der Energieversorgung. Insgesamt wird das ein Gewinn mit einer Indoor-Ganzjahresgastronomie. Die Abstimmungen mit der Intendanz und dem Festspielverein laufen. Das kann im Zusammenhang mit einem Theaterbesuch eine Eventgastronomie werden. Mögliche Nutzungseinschränkungen während der Festspiel-Aufführungen sind abzustimmen.