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Blutspende: Ein bisschen Lebenssaft abgeben

Blutspende: Ein bisschen Lebenssaft abgeben

Was steckt dahinter? Wie lange braucht man? WZ-Redakteur Peter Korall reihte sich beim Roten Kreuz in Vorst ein.

Vorst. Die Meldung ist schon Standard: Es fehlen Blutkonserven, besonders jetzt im Sommer. Weswegen beispielsweise das Rote Kreuz die Werbetrommel rührt und versucht, Spender anzulocken. Was erwartet diese eigentlich? Ist der Zeitaufwand groß? Gibt es gesundheitliche Einschränkungen? WZ-Redakteur Peter Korall beschloss, selbst Blut zu spenden, um diese Fragen zu klären.

Früher, ich ertappe mich dabei, diesen Ausdruck häufiger zu verwenden, früher bin ich regelmäßig gegangen. Immer sonntagsmorgens, alle drei Monate. Mehr als 20 Mal. Es folgte der Auszug aus dem Elternhaus, Job, Stress — alles, was man so als Ausrede anführt. Vor ein paar Jahren nochmal ein Anlauf, der allerdings ein Einzelfall blieb. Jetzt also, mit 54 Jahren, will ich es wieder versuchen.

Einmal im Jahr findet der Blutspendetermin für Vorst bei der action medeor statt. Kurz vor 18 Uhr: Es ist gut was los, ich stelle mich in die Schlange, die sich am Eingang gebildet hat. Nur ein paar Minuten, dann bin ich dran.

Zerknirscht gestehe ich hier, dass ich meinen SpenderAusweis verlegt habe. „Kein Problem, sie kriegen einen neuen. Den schickt das DRK ihnen zu“, sagt der freundliche Mann am Empfang und drückt mir einen Fragebogen in die Hand. Den soll ich an einem eigens eingerichteten Schreibtisch ausfüllen.

Das erledige ich relativ schnell, obwohl die Anzahl der Fragen schon beeindruckend ist. Und weil ich nicht besonders gründlich lese, kreuze ich an, außerhalb Europas geboren worden zu sein, was natürlich Humbug ist. Und da die Creuzfeldt-Jakob-Krankheit oder eine ihrer Varianten noch nie in meiner Familie vertreten war und ich auch vor 1993 keine Spritzen gegen Wachstumsstörungen bekommen habe, habe ich mich dann zügig durch den Bogen gearbeitet.

Es geht die Treppe hoch. Ein DRK-Mann misst zunächst meine Körper-Temperatur, pickt mir mit einem Gerät ins Ohrläppchen. Damit wird unter anderem die Sauerstoff-Sättigung meines Lebenssaftes gecheckt, der Eisengehalt und ein Wert, der feststellt, ob ich genug getrunken habe. Hab’ ich — fertig. Nach zwei Minuten gehe ich zur nächsten Station.

Ein Arzt empfängt mich. Misst Puls und Blutdruck, fragt nach Medikamenten, die ich regelmäßig nehme. Wenn das der Fall ist, etwa bei Blutdrucksenkern, kommt eine rote Plakette auf meinen Laufzettel. Das Blut wird dann für bestimmte Zwecke nicht verwendet. Dieser Check dauert nochmal so zwei Minuten. Und endet mit einem geheimnisvollen Hinweis.

Hier kann man angeben, dass sein Blut besser nicht gebraucht würde. Vielleicht weil man vor kurzem ungeschützten Sex hatte oder sich eine Drogenspritze gesetzt habe. Dann würde man zwar spenden, aber das DRK würde die Konserve später entsorgen.

„Manche Leute machen das, weil sie eigentlich kein Blut mehr spenden dürften“, klärt mich ein netter Mann auf, den ich an dieser Station kennenlerne und der schon 120 Mal gespendet hat. „Dann hat man halt kostenlos einen Aderlass, der ja auch ganz gesund ist.“ So hatte ich das noch nie betrachtet. Mein Fragebogen ist jedenfalls okay, mein Blut kann weiterverwendet werden.

Ich warte darauf, aufgerufen zu werden. Ein paar Minuten später ist es soweit. „Rechts“, sagt die zuständige Schwester. Und meint den Arm, von dem „gezapft“ wird. Das ist mir egal. Wenig später: Ein kurzer Piks, ich bin angehängt. Ich schaue mich um.

Die Stimmung ist gelöst, fast heiter. Nur das Personal ist sehr konzentriert bei der Sache. Der halbe Liter Blut muss in maximal einer Viertelstunde abgegeben sein, sonst droht der Gerinnungs-Prozess einzusetzen. Nach sieben Minuten kommt jemand und klemmt die Nadel ab — fertig.

„Zehn Minuten ausruhen“, sagt die Schwester, „mindestens“. Ich halte mich dran, allerdings knapp. Gehe wieder zum Anmeldeschalter. Hier bekommt man normalerweise seinen Ausweis zurück. Den ich ja noch nicht habe. „Alles klar“, sagt Wilma Jansen, Zugleiterin beim Roten Kreuz Tönisvorst und wohl bekanntestes Gesicht im Stadtverband, manche sagen auch beim Kreis.

Jetzt kommt die Kür. Letzte Station ist der Tisch, auf dem kalte und warme Getränke stehen, halbe Brötchen und rohes Gemüse. Vorster Besonderheit: Draußen vor der Tür werden auf einem Grill sogar Bratkartoffeln gemacht. Die meisten nutzen das Angebot. Noch ein wenig klönen, der Blick auf die Uhr. Ich möchte nach Hause. Kurz nach 19 Uhr. Gerade mal eine Stunde hat mich die Angelegenheit gekostet. Viel zu wenig, um das nicht regelmäßig zu machen. Ich versuch’s ja. Fest versprochen.